Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 39 (29.9.1886)
- Article
- Österreich-Ungarn : Altofen [Nachricht]
- Date
- 1886-09-29
- Page
- 620 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2932754-2933154-2933193--23064-2967207- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Rashi 1× ep/1002670
OCR text
620 achtundvicrzig Jahren verstorbenen weltberühmten Rabbiners R. Rüben Rakonitz. In der Stunde, als ihr Gatte ins Grab gesenkt wurde, that sie das Gelübde, sich bis an ihr Lebensende in einem finstern Zimmer aufznhaltcn, indem sie wehmüthig ausrief: ״Da er im finstern Grabe ruht, so will ich nimmermehr das Sonnenlicht schauen!" Und seither, durch volle acht׳- undvierzig Jahre, wurde diese Frau nicht wieder am Tageslicht gesehen. Im Hause ihres Sohnes, Herrn Dr. Nakonitz, bewohnte sie ein verdunkeltes Gemach, wo sie von den Ihrigen in Liebe und Treue gepflegt, einzig und allein dem Andenken deS so tief betrauerten Gatten lebte. ת. Neutra. Die heurige Prüfung der Talmud- Thora-Schule lieferte den erfreulichen Beweis, daß unsere Jugend in das heilige Schriftthum mit gutem Erfolg cingeführt worden. Während die Unterabtheilung zur vollsten Zufriedenheit der kundigen Zuhörerschaft eine erfreuliche Gewandheit im Talmud mit Raschi und leichtern Tosaphot an den Tag legte, zeigte die Oberklasse eine gute Fertigkeit auch im Verständniß der Kommentation ראשונים ואחרונים. Die Schule nimmt Knaben auf. welche die vierte Klasse der Volksschule bereits absolvirt haben, und fördert sie auch im profancn Wissen in umfangreicher Weise derartig weiter, daß sie alljährlich die Prüfung darin gut bestehen. So vereinigt sie תלמוד תורת mit דרך ארץ. Möge sie also weiter blühen und gedeihen! A. Prestburg, 20. September. Eine stolze, blätterreiche Eiche hat ihr Haupt neigen müssen! Das Grab hat sich über einen Edlen in Israel geschlossen! Herr k. k. Hosivechsler Ignatz Deutsch ולי weilt nicht ruchr unter den Lebenden. Wohin diese Trauerkunde vom Ableben des ״Kurators der österreichisch-ungarischen Israeliten Jerusalems" gelangen wird, wird dieselbe Schmerz und Trauer Hervorrufen. Was dieser edle Mann für das ächte, unverfälschte Judenthum im Allgemeinen und insbesondere in Ungarn, Galizien und Palästina gewirkt, dies nur annähernd zu beschreiben, würde den mir zur Verfügung gestellten Raum Ihres sehr geschützten Blattes bei Weiten! überschreiten. Deinnach will ich mich daraus beschränken über das hier stattgehabte Leichcnbegäugniß des Verblichenen rcferircn. Herr Ignatz Deutsch ויל, im Jahre 1808 zu Preßbürg geboren, verschied am vergangenen Freitag Abend im Kurorte Baden bei Wien. Seinem Willen entsprechend, veranlaßten seine Söhne die Uebcrführung des Leichnams nach seiner GeburtSstättc. um ihn an die Seite seiner Mutter und seiner großen Ahnen zu bestatten. Sonntag Vormittag (19. d. M.) langten die irdischen Reste des Verblichenen mit der Eisenbahn hier an und wurden in das israelitische Krankenhaus überjührt. Von dort bewegte sich um 2 Uhr Nachniittags der imposante Trauerzug zum Friedhöfe. Hier angelaugt, bestieg in Vertretung unseres Herrn Oberrabbiners, der durch Krankheit verhindert war persönlich an. dem Lcichenbegängniß Theil zu nehmen, Herr Rabbiner S. Kutna ans Eiscnstadt, die Redner- Lribünc und widmete dem Verstorbenen einen tiefcrgreisenden Nachruf. Thränendcn Auges schilderte er den herben Verlust, den mit ihm — dem Freunde und Verehrer des Verblichenen — die Familie und mit dieser die Preßburger israelitische Gemeinde, deren Gönner der selig Entschlafene war, insbesondere aber das strenggläubige Jndenthum der österreichisch-ungarischen Monarchie erlitt. In sichtlicher Erregung folgten die zahlreich erschienenen Anwesenden der etwa dreiviertclständigen Rede. Nach Beendigung dcS תצוד K^N-Gebetes wurde der Sarg ins Grab gesenkt. - 'ת׳נ׳צ׳ב׳ה * CzernOwih, 14. September. Die ״Ocftcrr. Wochenschrift" schreibt: Auch unser kleines, sonst so ruhiges Ländchen, in welchem stets alle Konfessionen friedlich beisammen lebten, wurde in jüngster Zeit von der ansteckenden Pest ״Antisemitismus" genannt ergriffen. Die Lehren eines Schönerer sind auch nach dem fernen Osten gedrungen, haben hier in einem Thcile der christlichen sogenannten Bürgerschaft affenartige Nachahniung und Eiferer gefunden, welche sich zn systematischen Vcrhetzungeu und Verfolgungen der Juden vereinigten. Diese Bestrebungen, den Antisemitismus im Volke einzubürgcrn, haben jedoch durch eine Aeußerung Seiner Eminenz des Herrn Erzbischofs und Metropoliten D1\ Merariu-Andriewicz einen argen Stoß erlitten. Seine Eminenz äußerte sich gestern in der Ausstellung bei Besichtigung des durch die Herren Fischer in Bojar und anderer jüdischer Grundbesitzer ausgestellten Mast- Viehes, welche die ersten Preise erhielten,' dahin, daß das Bestreben der Antisenlitcn, die Inden als sich nur dem Handel und der leichten Arbeit widmend darzustellen, keine Begründung habe, vielmehr gebe die durch die Inden in mannigfacher Weise beschickte Ausstellung ein rühmliches Zeugniß für deren Fleiß und verständnißvolle Thätigkeit auf allen Gebieten. Dieses öffentlich ausgesprochene ehrende Zeugniß dieses Kirchenober- Hauptes wurde mit allfeitiger Befriedigung ausgenommen und wird gewiß nicht verfehlen, dem Volke den Beweis zu liefern, daß die Verdächtigung und Herabwürdigung der Juden durch den Antisemitismus keinen Grund haben. * Lemberg, September. Der hier erscheinende ״Israelit" schreibt: Das neue Wochenblatt ״Kurjer StaniölrwowSki" berichtet über das Entstehen eines neuen jüdischen Wohlthätigkeitövcreins unter dein Namen ״Admath Jeschurun". Die neuen russischen und rumänischen Gesetze, welche den Juden die meisten redlichen Erwerbszweige verbieten, veranlassen viele