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Jeschurun · 1886-09-29 · Heft 39 (29.9.1886) · p. 617

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 39 (29.9.1886)
Article
Die Sklaven
Date
1886-09-29
Page
617 (sequence 1)
Language
German
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M TS. 617 Fefchrrrurr. - Are Sktaven. Bon Jedidjah. T. Die Mild scheint der Mond cmf Spaniens Küste nieder, Weitleuchtend glänzt sein Strahl im glatten Meer, An EanhagenaS Felsen bricht sich brandend Mit leisem Plätschern dumpf der Wogen Heer. Auf zack'gem Riff sitzt sinnend still ein Jüngling, Er blickt und seufzt ins weite Meer hinaus — Hoch spritzt ihn netzend keck der Schaum der Wogen — Er mci’tt es nicht, der neck'schen See Gebraus. ״Könnt ihr, ihr leichten Wogen, fort mich tragen Zn Dir, zu Dir, geliebte Ha nn ah, hm? Bringt ihr nach Afrika der Liebe Grüßr — Hört ihr's. ihr Wellen, fließet schnell dahin!" Und wie er sinnt und wie er seufzt zur Ferne. Dringt wüster Lärm ans Ohr ihm durch die Nacht — Jäh fährt er auf und schaut zurück voll Staunen, Wo ist der Krieger, der ihn sonst bewacht? Dort hinten zecht er wild mit den Genossen, Laut hallt durch stille Nacht der Becher Klang, Roth strahlt das Licht aus römischer Taberne, Wild tönt der Legionäre Trnckgesang: ״Heil Titus dir, Herl Cäsar BespasianuS! Heut' dir -das Fest, des Sieges Feier gilt — Ein Jahr ist's jetzt, daß Zion sank, — dir brachte Den Lorbcerkranz Judäa'ö Schlachtgcsild!" Vergessen ist der jüd'schc Sklavenjunglmg, Vergessen alle Wacht und alle Hut; Der Römer schwelgt bei Spaniens Feuerweine, In Lust betäubt dort Alles trunken ruht. Starr steht der Jüngling — zündende Gedanken Wie Blitzesstrahl durchzucken sein Gehirn — Jetzt oder nie! — nicht zaud're länger, Sklave! — Die Rettung winkt, der Hoffnung hell Gestirn. Fort stürzt er schnell — dann leist am Zechgelage Schleicht er verstohlen, unbemerkt zur Bucht — Dort, wo das Felscnufer biegt nach Norden, In wilder Brandung einen Kahn er sucht. Ein Freudenschrei entringt sich seinen Lippen, Ein Boot vor seinen Augen drunten liegt. Das wie ein Kork unstät rnnhprgcworfcn Sich leicht und schnell auf schwanker Woge wiegt. Doch ach, die Nuderstangen sind verschwunden — Ob sie das gier'ge Meer unlängst verschlang? — Flucht. Er muß zurück noch einmal zu dem Lager, Vorbei an der Soldaten Becherklang. Er eilt zu einer halb vcrfall'ncn Hütte — Der Römer speichert Kriegesbente dort — Dort findet er zwei Ruder — rasch entschlossen Ergreift er sic — daun schnell zum Meere fort. Zum Glück läßt ihn zum dritten Mal gelangen Ein gnäd'geS Schicksal durch der Römer Reih' — Er springt zum Boot hinab mii hasstgem Sprunge, Daß nicht zum Unglück ihm das Zögern sei. — Da tönet weither über's Meer getragen Ein Klang so grausig hohl und dumpf heran — Ein hcft'ger Windstoß treibet hoch die Wellen.— Weh dir. Unsel'ger, horch! der Sturm begann! ES ziehet schwarz herauf am Sternenhimmel — Des Mondes Glanz verschwindet — sinst're Nacht — Die Wellen schlagen wild an'S Felsenufer, Des tück'schen MeerS Orkan stürmt an mit Macht. Ist das des Todes Stimme, die da tönet, Ist das ein Warnruf, den dir Gott jetzt schickt — Will er daS Wagniß nicht, das du beginnest, Hat er dein Lieb in ew'ge Fern' entrückt? — Bang blickt der Jüugling auf des Meers Gewogc, Der Sturnt bricht bald mit voller Macht herein — Darf er hinaus mit leichtem Boot sich wagen, Will mit Gewalt er sich dem Tode weihn? Jetzt oder nie! Lönt's.in ihm mächtig treibend, — ״So will ich lieber Tod als Trennung noch, Hinaus, hinaus zum Kampfe mit den Wogen, Zur Freiheit aus des Römers Sllavenjoch! Hör', Israel! hör', Gott, den schwer gedrückten. Den treuen Sohn, hör' Juda's edlen Sproß! Ist's nicht genug der schon Dahingeschiednen, Noch nicht genug des Vlut'S, das Rom vergoß? Hörst du des Sturmes Heulen in der Ferne, Siehst du der blauen Blitze Zucken schnell, Hörst du von Afrila'S Gestade dringen Der Sklavin Angstschrei weithin klagend, gell?" Er treibt hinaus in'S wilde Sturmgewoge, Die Nacht verschlang ihn in des Meers GebranS, Und durch das Tosen hallt der Nus noch lange: ״Zu Dir! ich komme, Hann ah! harre aus!" folgt.)

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