Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 38 (23.9.1886)
- Article
- Rumänien : Bukarest [Nachricht]
- Date
- 1886-09-23
- Page
- 605 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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605 Schankwirthe noch als Industrielle, auch nicht als Diener oder Oekonomic Beamten niederlassen. 3. Der Betrieb der Bäckerei, des FleischhanergewcrbcS, des Kramerei׳ und SchaukgewerbcS, das Halten von Kaffee- Häusern, Hotels und Prostitutions-Lokalen ist den Juden untersagt. 4. Die Bildung von geheimen (?) Vereinen, wie die Alliance israclite, ״Zion", ״Sinai" u. dgl., ist den Juden verboten. 5. Kein Jude darf unter welchem Vorwände immer die LandcSgrenze überschreiten. 6. Die Juden dürfen keine eigenen Schulen unterhalten, sondern haben ihre Kinder in den StaatSfchulen zu schicken. 7. Der Staat hat keinem Juden eine Liefernng oder eine Pachtung zu übertragen, auch dann nicht, wenn er den Namen eines Rumänen führt. DaSselbe gilt auch von ausländischen Israeliten. 8. Bis diese Bestimmungen die Genehmigung der Regierung und der gesetzgebenden Körperschaften erhalten, verpflichten sich die Mitglieder des Antijemiten-BercinS: a) keinem Juden ein Haus zu vermiethcn, keinen Juden als Pächter oder Diener aufzunehmen; d) nichts von Juden zu kaufen, auch dann nicht, wenn der Preis un! die Hälfte billiger wie bei einem Christen wäre; e) die rumänische Industrie und den rumänischen Handel zu unterstützen; 6) die Beamten zu denunziren, welche die Ansiedlung von Juden in den Landgemeinden gestatten oder für sie arbeiten; c) zu verlangen, daß jeder jüdische Kaufmann zum Unterschiede von den Christen eine Firma mit einem jüdischen Namen führe; 5) von der Regierung zu verlangen, daß sie die Romanisirung der jüdischen Namen, das Ablegen dcö jüdischen KaftanS und das Abschneiden der Schläfenlocken verbiete. -- Zum Schlüsse dieser aberwitzigen Kongreßvorschlage wird den Juden die freie Ausübung ihrer Religion für den Fall gnädigst in Aussicht gestellt, als sie dabei keinen Skandal machen, und endlich mit besonderer Naivetät versichert, daß die hier reproduzirten Vorschläge keineswegs einen kom fessionellen, sondern blos einen national-ökonomischen Zweck verfolgen. — Eine Depesche aus Bukarest vom 14. d. meldet uns: Gegenüber dem unleugbaren Fiasko des Bukarcster Antisemiten-Kongresses erklärt das ossiziclle Organ der Majorität, Bointa Nationala, daß der Antisemitismus Rumäniens im Gegensätze zum Auslände keinen konfessionellen, sondern ausschließlich sozialen Charakter trage, und daß die von Freunden der Kongrcß-Delcgirten in Rumänien gemachten Bcobachtungen die Fabel von der angeblichen (!) Judenver- Verfolgung in Rumänien widerlegen werden. Asien. * SHLwa. In Chiwa besitzen die Juden ihr eigenes Gefängniß. Die Gefangenen erfreuen sich verschiedcner Vergünstigungen. Am Freitag Abend, am ערב י״ט imb ערב פורים dürfen sie nach Hause gehen unter dem Versprechen, nach Sabbath oder nach Len Festtagen wieder in ihr Gefängniß zurückzukehren.. — Ebenso geschieht bei einem Familienfest oder Traucrfall in ihrer Familie. — Frauen und Mädchen werden' niemals ins Gefängniß geworfen, sondern nur mit Geldstrafen belegt. — Die Gerichtsverfahren sind alle öffentlich, aber Vcrthcidiger sind nicht gestattet. “ * Calcrrtta. Am 19. Juli wurde, wie tot ״Graphic" schreibt, in Calcutta der Grundstein gelegt zu dem Ezra Hospital durch den Vize-Gouverneur von Bengalen, Sir Rivers Thompson. —- Das Hospital wird erbaut zum Andenken an den verstorbenen Herrn' Elias David Joseph Ezra, einen jüdischen Bürger Catcuttas, welcher sich in seinem Leben durch Woh!thärig< keil, Menschenfreundlichkeit und durch die thatkrästigste Förderung der Gemcindeinteressen auSzeichnetc. — Dem Hospital ist von der Gattin des Verstorbenen ein bedeutendes Kapital ausgesctzt. Das Hospital steht unter der direkten Leitung des Oberarztes und Leiters de- Medical College. Australien. * BriSbane, 20. Juli. Am 18. Juli d. 3. wurde die hiesige neue prachtvolle Synagoge, deren Grundsteinlegung am 8. Juli v. I. (s. Nr. 37 v. 3.) erfolgt war, eingeweiht. Mannte Irrungen. ׳ Von Samuel Berthold Nosner. ׳־“י׳"' ~ (Alle Rechte Vorbehalten.) (Schluß.) Es war cm freundlicher Tag. der Himmel war blau und die Sonne schien hell. Der Staatsanwalt war ein geistvoller, hochgebildeter Mann, ein gedankenreicher Gesellschafter, aber Rafael war cs doch angenehm, als er nach kurzer Zeit, mit der Vorschützung unaufschiebbarer Amtspflichten, sich verabschieden zu müssen erklärte. Es erwachten zu viele Stimmen in ihm selbst, er hatte mit sich selbst zu viel ins Reine zu bringen, als daß er ein Ohr für fremde Worte hätte haben können. Er war aber trotzdem nicht allein, - die treue Freundin aller Unglücklichen und Fricdelosen sprach zu seinem gebeugten Gemüthc: die Natur. Die Natur ist die beglückendste, anmuthvollste lind zartfühlendste Gesellschafterin. Sie ordnet sich mit unendlicher Duldsamkeit, mit engelhafter Nachsicht allen Launen der wandelbaren Menschen unter; ohne einen Laut des Vorwurfes schweigt sie, tritt sie zur Seite, wenn sie sich überflüssig steht, und jederzeit ist sie zur Hand, wenn ein krankes Herz ihres zaubcrkräftigen Balsams bedarf. Und was für eine Sprache spricht sie! Die Sprache der Geister