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Jeschurun · 1886-09-23 · Heft 38 (23.9.1886) · p. 604

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 38 (23.9.1886)
Article
Österreich-Ungarn : aus Ungarn [Nachricht]
Date
1886-09-23
Page
604 (sequence 2)
Language
German
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604 dic אפודים-Manie. Wie viele Rabbinats-Sitze wurden in den letzten Jahren und. in jüngster Zeit mit der איפור*sperre belegt, gewiß nicht zum Heile der Gemeinden und des orthodoxen Jndcnthums. Die Wirren der leidigen Pcßach-Mehl-Erzeugung wiederholen sich. Es ergeht der איפור *Strom über die Szigeter Scphardim. Ihre Rabbiner und שוחטים werden als פסול erklärt. Unter den Gutachten, die die autonome orthodoxe Gemeinde zu Sziget in einem ״offenen Sendschreiben" veröffentlicht, bemerken wir auch das des vor mehreren Jahren verstorbenen Oberrabbiners zu MärmaroS-Sziget, in welchem er die Beamten einer 8tatu8- <10זן Gemeinde als laut ש״ע enschicden פסול bezeichnet; und doch wirkte der Herr Oberrabbincr נ״ע bis zu seinem Lebensende in einer 8tatt18-sjno Gemeinde! Ein Nothuntcrschied zwischen der einen und der anderen Gemeinde konnte in uns den Gedenken nicht verscheuchen, der uns an die Aechthcit dcS Schriftstückes zweifeln ließ. Daß die Reibungen nicht beim Federkrieg bleiben werden, war vorauszusehen. Am מ שבת קודש ergriffen sich die Parteien thätlich aneinander, entwürdigten die heiligen Gottesstätten und entweihten den göttlichen Namen im Angesichte nichtjüdischer Bürger!! Solche Früchte zeitigt der Firlefanz der Titel, das ist die unbedingte Folge unbedachten Handelns und vielleicht auch des Mangels an Berständniß für das Wohl und Wehe der ungarischen Orthodoxie in den leitenden Kreisen. Jedenfalls הכיזים הזהרו בדבריכם. *jl* Pest, 15. September. Wenn es sich de- Wahrheiten sollte, was die hiesigen Blätter melden, daß man nämlich daran denkt, eine eigene Sektion für jüdische Angelegenheiten mit einem kundigen jüdischen Ehes im Kultnsminincrium zu errichten, so würde dic Autonom Orthodoxe Jndeuschaft bei Zeilen bedacht sein müssen, daß ihnen dadurch nicht großes Unrecht und Leid zngefügt wird. Da in Ungarn staatlicher Scits das orthodoxe Jndenthum als autonom anerkannt ist, so kann es eine selbstständige Behandlung seiner Angelegenheiten und eine eigene Wahrnehmung seiner Interessen verlangen. Es darf sich nicht gefallen lassen, im Ministerium von einem jüdisch-reformistischen Ministcrialrath oder Sektionschef regiert zu werden. Wenn dann eine besondere jüdische Abtheilung im Ministerium geschassten werden soll, so muß zunächst die Dnrchführungskommission darauf dringen, daß sie in orthodoxe Hände gelegt wird, oder aber, das Ministerinin muß für das Reform- und orthodoxe Judenthum zwei ganz gesonderte Sektionen errichten. *ü* Pest, 17. September. Ich will nicht verfehlen, des Gerüchtes Erwähnung zu thun, daß die Errichtung einer jüdischen Sektion im Kultusministerium bereits sehr nahe bevorstchen soll. Man bezeichnet Herrn Dr. Goldzieher, Sekretär der hiesigen Gemeinde. als Sektionschef und die Herren Ignaz Reich und Martin Schweiger als Ministerialsekretäre! Herr Reich ist Präses der orthodoxen, Herr Schweiger Präses der reformistischen Landcskanzlei. Me gesagt, cs ist dieses ein Gerücht, für welches ich jede Ver? antwortlichkcit ablehnen muß. Daß cs kolportirt werden kann, ist aber auch bezeichnend für die hiesigen Zustände. מי ידע טח ילד יום. Rußland. * Ans Nnfjland. Die ..Hazefirah" schreibt: ״In Moskau und Tw er hat man das alte Gesetz, nach welchen! den Inden das Halten von christlichen Dienstboten untersagt ist, aufs Neue zur Anwendung gebracht, obgleich doch das demselben .zu Grunde liegende Motiv der Vorbeugung einer Bekehrung zum Jndenthum in seiner Hinfälligkeit von Niemandem verkannt wird. Im Gcgentheil. Üebcrdies ist eS ja noch zur Genüge bekannt, daß durch solche Gesetze die Nicht-- juden härter getroffen werden als die Juden. Außerdem aber giebt cs noch einen anderen Grund für die thatsächliche Nichtbeachtung dieses veralteten Gesetzes. Wollte man nämlich christlichen Dienstboten den Eintritt in jüdische Haushaltungen rc. verbieten, so würde sich die Zahl der Juden vermehren, da die Juden, welche außerhalb des ihnen rm Allgemeinen gestatteten Rayons sich mit besonderer Erlanbniß niedergelassen haben, be-- rechtigt wären, auch jüdische Dienstboten sich kommen zu lassen. Diese Erwägungen haben die Behörden in Moskau denn auch veranlaßt, die Ausführung des Gesctzer wieder zu inhibiren. In Tw er will man jedoch dasselbe strikte durchführen. Charkow. Der ״Woschod" berichtet, daß an der Universität zu Charkow den sich zur Inskription meldenden jüdischen Studenten der Medizin die Aufnähme in die UniversitäLSmatrikel verweigert wurde. Rumänien. * Gnkarcst, 7. September. Aus Bukarest wird der ״N. fr. Pr." vom 7. d. geschrieben: Hierzulande, wo man die Antisemitcnfrage dadurch in Güte zu lösen pflegt, indem man von Zeit zu Zeit einige wehrlose Inden todtschlägt, empfinden gewisse Leute auch noch das Bedürfniß, ihre diesbezüglichen Wünsche in Paragraphe zu kleiden. Wie dem Programme für eine heute im Athcnaumssaale stattsindcndc Versammlung zu entnehmen ist, will sich der Antiscmiten-Verein Rumäniens mit den!882 in Dresden von deutschen Judenfressern gefaßten Beschlüssen nicht zufrieden geben, sondern bringt außerdem noch folgende Anträge zur Beschlußfassung ein: I. Den Juden ist der-Ankauf von ländlichem Grundbesitz und' von städtischen Realitäten zu verbieten. 2. Juden dürfen sich in den Landgemeinden weder , als Pächter noch, als Unternehmer, weder als

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