Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 38 (23.9.1886)
- Article
- Deutschland : München [Nachricht]
- Date
- 1886-09-23
- Page
- 603 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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603 bewunderungswürdiger Konsequenz widerstand, sie blieb bis zu ihrem letzten Athemzuye eine אשה צנועה וחסודה eine jüdische Frau im erhabensten Sinne des Wortes. Kein Kranz, - keine Blume schmückte auf ausdrückliches Verbot der Verstorbenen den Sarg, der ihre irdischen Neste barg. Denn wie ihr Wandel durchs Leben ernst und wahr, fromm und lügenhaft war,-so wollte sie auch ihren letzten Gang frei von jeder Eitelkeit und Verblendung, frei von jedem Flitter und Prunk wissen. Frau KarolineLaudauer hatte sich nicht blos daran ein Genüge sein lassen, selbst nach Vorschrift des GotteSgesetzes zu leben, sondern war vielmehr auch bestrebt, ihre unerschütterliche Ucberzeugung von der Wahrheit der jüdischen Lehre auf ihre zahlreichen Kinder zw übertragen, was ihr auch infolge der mütterlichen Sorgfalt, mit der sie die Erziehung ihrer Kinder überwachte, vollkommen gelungen. Besonders schwer und tief sind die Armen und HülfSbedürftigen durch den Heimgang der edlen Frau betroffen worden. Sie verlieren in ihr eine treue Freundin in Zeiten der Noch, eine hingebungsvolle Helferin, wenn Hunger und Drangsal an ihre Thören pochten. Die herben und bitteren Schicksalsschläge, von denen die Verstorbene während ihres 60jährigen Daseins heimgesucht worden, der Tod ihres innigstgeliebtcu Gatten, der ihr vor 17 Jahren voranging, vermochten nicht den Liebesqncll ihres Herzens, der für die leidende Menschheit in reichlichem Maße floß, zu trüben oder gar zu verstopfen. בפח פרשה לעני וידיה שלחה לאביון. Sie war vielmehr stets und immer mit seltener Hingebung und Wirksamkeit bereit, jeden Kummer zu lindern, jedes Elend zu beseitigen, jedem Mangel abzuhelfen. Wie hoch geehrt und geschätzt die Heimgegangene war, beweist die große Menscheuzahl, unter der wir auch viele Nichtjuden bemerkten, die ihr das letzte Geleit gab. ת׳ג׳צ׳ב׳ה. Oesterreich-Ungrrn. ||| Wien״ September. Die ״Pol. Korr." schreibt: Der seit nicht langer Zeit bestehende und sonach noch über keine bedeutenden Mittel verfügende Oesterreichijch-ungarische Hülföverein in London wurde in letzterer Zeit von vielen Personen österreichischer Herkunft mit Gesuchen um Unterstützung oder Rückbeförderung in die Heimath sehr in Anspruch genommen. Es tritt immer mehr zu Tage, daraus Oesterreich Leute (insbesondere Israeliten aus Galizien) ohne Kenntniß der englischen Sprache und ohne vorheriges Engagement nach London mit der Hoffnung ziehen, dort leichten Erwerb zu finden, und bei der gegenwärtigen Ueberfüllung des Arbeitsmarktcs sehr bald dem Elende verfallen. Der obgcdachte Verein hat daher im Wege der k. und k. Botschaft in London die Frage der Behebung dieses -UebelstandeS durch thuulichste Hintanhaltung dieser unüberlegten Auswanderung der hierseitigen Staatsangehörigen angeregt. Diesem Ansinnen wurde durch eine an die LandcSstellen ergangene Weisung entsprochcn. Hienach haben die politischen Behörden schon bei AuSfolgung der Reisepässe aus den obgeschilderten UebelstandBedacht zu nehmen und außerdem die diesseitigen Staatsangehörigen vor leichtsinniger Auswanderung nach England ernstlich und eindringlichst zu warnen, wobei die betreffenden Individuen darauf aufmerksam zu machen sind, daß die Auswanderer in keinem Falle auf unentgcltliche Heimbcförderung rechnen können. S.P. Aus Nrrgarrr, September. MarmaroS- Sziget, eine der größten und frömmsten Gemeinden Ungarns, könnte man ganz gemächlich nach Bulgarien verlegen. Nene Gegner, Berräthcr, neue Gefahren werden aus dem Boden gestampft; איסורים und ®*:^«איסורים־ folgen in wilder Hast auseinander; התרים übermittelt der elektrische Draht. Wenn schon jedes Zerwürfniß im jüdischen Lager unsere Feinde mit Schadenfreude erfüllt und sie zu vehementern Angriffen wider uns anspornt, so muß jede Zwistigkeit in unserer eigenen, gcfetzestreuen Mitte uns um so schmerzlicher berühren, als leider nur allzuoft mit den heiligsten Prinzipien so schnöder Misbrauch getrieben und die unlautersten Handlungen durch das. Siegel der Gesetzestreue, dos ihnen fälschlich aufgedrückt wird, geheiligt werden sollen. Wir wollen nicht untersuchen, ob die ״selbständigen Scphardim" oder ״Lepbai-üim LtatuL-guo" wie sie benamt werden, die die lcgalisirten Statuten als von ihnen nicht unterzeichnet und vom Vorstande unterschoben erklären und kaum glaubliche Ungeheuerlichkeiten von der Gemeinde-Verwaltung zu erzählen wissen, oder die ״autonomen Orthodoxen", welche von den Scphardim als Verrathcr, verkappte 8trcku8-guo bezeichnet werden, deren Kaftane ncologe Herzen und deren Stirnlockcn fortschrittlichen Sinn verbergen, im Rechte sind. Wir wollen heute überhaupt nicht beurtheilen, wer Recht hat. Ob der Schiedsgerichts-Vorsitzende, den die von jeder Gemeinde entsendeten Delegirten wählen sollen, wie die befragten galizischcn Rabbiner behaupten, nicht aus den Reihen der ungarischen orthodoxen Nab-- binen sein dürfe, da diese unter dem Einflüsse des Präses der orthodoxen DurchführungSkommission, des Herrn Reich stehend, in ihrem Urtheile befangen sind, oder auch ungarische Rabbinen zulässig sind. Wir müssen aber mit Bedauern konstatiren, daß es immerhin eine stattliche Zahl von Rabbinen gicbt, die sich zu Veschwichtigungs-Hosräthcn der Durchführnngskommission hergeben, Ja und Amen zu jedem Vorgehen sagen, welcher Umstand durchaus nicht geeignet ist, das Ansehen unserer Rabbinen zu heben. Was aber am meisten dazu Leiträgt, das Ansehen des ungarischen RabbinerthumS zu schädigen, ist