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Jeschurun · 1886-09-23 · Heft 38 (23.9.1886) · p. 601

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 38 (23.9.1886)
Article
Deutschland : Hannover [Nachricht]
Date
1886-09-23
Page
601 (sequence 1)
Language
German
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M 88. 601 ZefÄnrur». Korrcspoildenzelt mtb Nachrichteu. Deutschland. ־& Hannover, 17. September. Die dkr. 37 der ״Deutschen Medizinischen Wochenschrift" enthält einen Artikel über die sogenannte K nn ftbu11 er. Wir thcilcn ans demselben daS speziell für die jüdischen Interessen Bemerkenswcrthe mit. Dem Bundcörath ist der Entwurf eines Gesetzes über den Verkehr mit Knnstbutter zngegangen. In allen Verkaufsstellen, einschließlich der Marktstände, in welchen Kunftbntter gewerbsmäßig verkauft wird, soll hinsorl eine in die Augen fallende Inschrift: ״Verkauf von Knnstbutter" angebracht werden, ebenso sollen die Gefäße und äußeren Umhüllungen die deutliche Inschrift ״Kunstbutter" tragen. Wird Kunstbuttcr in ganzen Gebinden oder Kisten gewcrbSniüßig verkauft, so hat die Inschrift außerdem die Firma des Fabrikanten zu enthalten Bei dem Verkauf in einzelnen Stücken sollen diese von rechteckiger Form stin und die Firma dcö Fabrikanten enthalten. — Kunstbuttcr sind alle der Milchbuttcr ähnlichcn Zubereitungen, deren Fettgehalt nicht ansschließlich der Milch entstammt. Zuwiderhandlungen werde mit Geldstrafe bis zu 150c//L oder mit Hast bestraft — 9m Deutschen Reiche bestehen zur Zeit 45 Fabriken Die Kunstbuttcr, 30 in Preußen, 10 in Bayern, je 2 in Württemberg und Elsaß Lothringen, 1 in Hessen. Die Gesammtprodnktion wird auf 15 Millionen Kilogram in! Wcrthe von 18 Millionen Mark geschätzt. — Die Kunstbuttcr wird, wie bekannt, hauptsächlich aus Fett hergcstellt. — Die Nachthcile, welche mit dem Kunstbutterhaudcl verbunden sind, beruhen, wie unsere Quelle berichtet, vornehmlich darauf, daß diese Waare nicht unter der ihrem Wesen entsprechenden Bezeichnung, sondern als Milchbutter in den Handel gelangt. — ES ist von unserem Siandpunkre aus desonders wüuscheuSwerth, daß ein (besetz über den Verkauf von Kunstbuttcr besteht, da Täuschungen und Irrungen stets Vorkommen, z. B. bei. der Januar-Kvntrole der Nahruugs und Gcnnßmittel in Berlin waren in sechs Fällen die untersuchten Bnttervrobcn theilS völlig, theilö in Mischung Kunstbuttcr. — Einzelne Fabriken führen die Waare mit Namen ein, die unzweifelhaft zu Täuschungen Veranlassung bieten müssen. So importirt z. B. eine Fabrik ihre Kunstbuttcr als ״feinste holländische GraSmischbutier" oder auch ״Hochfeine Gutsmischbuttcr." 6. Berlin, l9. September.' Die ..Freisinnige Zeitung" schreibt von gestern Folgendes: .,Gegen die ״Kölnische Zeitung" bringt die ״Laubhütte" einen Artikel, worin sie mit Rücksicht auf die antisemitische Hetze, welche die ״K. Ztg." .bei den bulgarischen Vorgängen gegen die ״Moses und Cohn" veranstaltete, Folgendes schreibt: ״Die jüdischen Abonnenten und Inserenten der ״Kölnischen Zeitung" werden so viel Ehre als Juden haben, daß sie einem solchen Blatte, das bei jeder Gelegenheit unter der Maske dcS ״Nationalismus" den Antisemitismus propagirt, keinen Pfennig jüdisches Geld mehr zukonunen lassen: nicht mehr in diesem Blatte annonciren und das Abonnement aufgcben. Am 1. Oktober ist QnartalSwechsel; mögen alle Inden, die bisher die ״Kölnische Zeitung" hielten, dieselbe abbestellen und hierdurch zeigen, daß ihnen die Selbstachtnng noch nicht abhanden gekommen ist." Dieses veranlaßt die ״Krcuzzeitung" zu folgenden Bemerkungen: ..— n DaS sind die Folgen, wenn man in den Vcrdacln komnit — antisemitisch zu sein! — Ob die ״Köln. Ztg." Veranlassung hat, über diese ächt semitische Drohung besorgt zu sein, wissen wir nicht; die,.Freist Zig." aber hätte konsequenter Weise diesen Nacheschrei tadeln müssen: denn die Freisinnigen haben eS früher oft genug vernrtheilt. wenn irgendwo die Antiserniten die Parole auSgabcn: ״Kaust bei keinem Juden." — Diese Mahnung kr ״Laubhütte", eines spezifisch jndischcn Blattes, erscheint allerdings keineswegs angemessen. Eine derartige öffentliche Anfsorderung ist vielmehr sehr zu tadeln. — Unsere Gegner dürfen und sollen nicht glauben, daß unsere Waffe gegen den AntisemitiSinus in dem Entliehen der indirekten pekuniären Unterstütznng antisemitischer Blätter bestände. Unsere Waffe ist unser gutes Recht, die Wahrheit, die wir vertreten, sie wird auch schließlich siegen über Lug und Trug, Bosheit und Verleumdung. Was aber die ״Kreuzzeitung" hierzu bemerkt, ist barer Unsinn. ES ist doch ein ganz bedeutender Unterschied, wenn Inden aufgefordert werden, keine ju de ns ei übliche Zeitungen zu halten, als wenn man friedliche Bürger verhetzen will unter dem Signum: ״Kaust bei keinem Juden!" Zu einem ähnlichen wahnerfüllten Gebahren läßt sich kein 3ude hinreißru. Das sollte die ״Krcuzzcitnng" wohl wissen Aber cS scheint, daß man jeder gesunden Logik Valet, fnnr wenn es gegen die Inden gilt. iv Kassel, 11. September. Die einst so innige Freundschaft zwischen Konservativen und Antisemiten ist schon seit längerer Zeit wackelig geworden. Jetzt ist, wie cs scheint, sogar der vollständige Bruch erfolgt. Das konservative ״Kass. Journ." bringt nämlich in heutiger Nummer ein ״Eingesandt, nach welchem der anlisemit. Ncformvercin auf die Tagesordnung seiner letzten Sitzung die Ausschließung seines letzten offen konscrvvtiocn Mitgliedes gesetzt hatte. Dem Armen muß schlecht mitgespiel! scin. Es wurde ihm die Vertheidigung verweigert; denn daS Eingesandt sagt weiter: Daö BercinSmitgkied schien die Behandlung welche der Reformvcrcin Mitgliedern, die im Gerüche konservativer

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