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Jeschurun · 1886-09-23 · Heft 38 (23.9.1886) · p. 600

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 38 (23.9.1886)
Article
Die Sklaven
Date
1886-09-23
Page
600 (sequence 1)
Language
German
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600 Ire SLkaven Von Zedidjah. 2. Der Todesgang. ״Hörst Du, mein Lieb, die wilden Tuben klingen, Siehst Du die Flammen lodern blutig rolh. Hörst Du den Pöbel schreien, toben, jauchzen? Aus, H an nah, auf, jetzt geht es in den Tod!" Und leis' erschauernd schmiegt sich bleich das Mädchen Eng' in des Jüugüngs starken Heldenarm, Ach, ihrem Mund entfliehen bonge Seufzer,, So jung, so schön, ereilt sie TodeSharm. ״Fass' Muth, Gelcevte! Sieh, die Eltern starben. Es starb die Herrlichkeit der Gottesstadt, So lasst vereint 11«8 srendig jetzt erdulden DaS Schicksal, dem uns Gott geweihet hat!" Verschlungen Arm in Arm stehn betend Beide, — Da öffnet sich des Kerkers Thüre schnell. Mit Ketten in den Händen tritt zu ihnen In blut'gem Kleidein finst'rer Mordgesell. Und schweigend schlingt um Beide er die Ketten, Eng' aneinander schnüret er sie scsi — Die merkcn'S nicht, da ihre Seele weilet Bei Gott, dem Höchsten, der sie nicht verläßt. Nauh rüttelt sie aus ihrem iun'gen Beten Der Henkersknecht — des Tod's Posaune klang! — Zur Thür' hinaus mit festem Schritte schreitet Das edle Paar vereint den TodeSgang. & Auf üpp'gem Ruhebette wälzt sich stöhnend Die Scnatorcntochter ruhelos, Sie findet keinen Schlaf, seitdem gefallen Auf ihre Klag' dos blui'ge Todesloos. ES naget an der stolzen Röm'rin Seele 01)11’ Rast und Ruhe des Gewissens Zahn, Unschuldig Blm schreit ungcrächt zum Himmel, DaS Julia vergießt in wildem Wahn. Da fährt sie auf von ihrem weichen PsühLe, Ein Strahl der Freude glanzt im Angesicht: ״Noch ist es Zeit, noch kann ich sie erretten. Noch faßt sie ja des Todes Feuer nicht. Doch, weh, verloren ist er mir, der Schöne, Stolze, Und ihr. der Jndeudirne, folgt er dann — Doch nein, kein Weib darf jemals ihn besitzen. Wenn ich ihn nicht für mich, für mich gewann. Fort mit den Beiden denn, fort in die Ferne Laß ich sie sende« weithin über's Meer — Getrennt dann von einander sollen Beide Ein Wiedersehen feiern nimmermehr!" Schnell springt sie auf,.— schnell, nicht gezögert, eile! — Schon strömt der Pöbel zu dem Todesort — Noch einmal schwankt sie — doch die Liebe sieget, Zum Saale des Senates stürzt sie fort. Aus hohem Holzstoß stehet-fest gekettet Das edle Paar, — gen Himmel schweift der Blick, Dort oben nur bei Gott, dem Einz'gen, Ew'gen, Weilt für die Zlermsten nun ihr höchstes Glück. Die Menge tobt — die Henker schwingen Fackeln, Dem Winke des Gebieters stets bereit — Blut will das Volk, drum Länger nicht gezaudert! Hört ihr, wie Mord und Tod der Pöbel schreit? ״Leb' wohl jetzt, Hannah," flüstert droben leise Der Jüngling dem geliebten Mädchen zu, ״Mein Trost im Sterben, dann zum Wiedersehen 3n jener Welt bist ja, Geliebte, Du." ״״Auf zu den Sternen fliegen wir, Geliebter, Zn Deinen Armen ist der Tod so süß — Zusammen, ach, zusammen Laß uns finden Bei Ihm dort oben cw'geö Paradies!""- Da winkt der Richter — hei! die Fackeln fliegen, Sekunden noch — dann flammt eS mächtig auf — Des Feuers Todesmantel hüllet Beide Und schlägt voll Gluth zum Himmel roth hinauf..— Da — welch ein Drängen mitten in der Menge — ״Halt!" tönt es laut — und nochmals ״Halt!" heraus, Von hohem Roß herab rust ein Senator: ״Begnadigt sind sie, löscht das Feuer aus!" — Die Flammen sind erstickt — die Fesseln fielen —- Ein neues Urthcil fällt des Cäsars Macht: Nach Spanien wird als Sklave heut' der Jüngling, Nach Afrika die Jungfrau fortgebracht. ״Leb' wohl, geliebte Hanuah, jetzt geschieden! Gott hat noch nicht zum Tod uns ausersehn, Beschütz' er Dich, Du Lheurer als mein Leben, . Behüte Dich, bis wir uns Wiedersehn!" Die Knechte reißen wild sie von einander — gort wankt die Jungfrau, bleich, durch ihre Reih'. Ein Blick noch heiß und sehnsuchtsvoll gesendet Zu dem Geliebten, dann -— vorbei, vorbei! — In Dunkel eingehüllt sind Noma'S Straßen, Die Sterne funkeln hell in Himmelshöhn, Horch durch die finstre Nacht weit, weithin dringend Der bange Seuszer hallt: ״Auf Wiedersehn!" (Fortsetzung folgt.)

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