Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 38 (23.9.1886)
- Article
- Aus der Amsterdamer Gemeinde
- Date
- 1886-09-23
- Page
- 598 (sequence 2)
- Language
- German
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598 בן מהודר ליפמן בוכטיל ,דייץ ... und ר׳ חיים חזיר. Das sind die Namen der mir bekannten Lehrer; einige andere, die mir nicht so bekannt sind, haben auch unterschrieben. Auch einige, doch nicht viele Privatlehrer haben unterschrieben. ר, גטה לאנשטיין und ר' אברהם לאפפימן, die auch Lehrer an dem Kolleg Lomcdc-Thora waren, wollten nicht unterzeichnen. Diejenigen, die es nicht thatcn, sagten: so lange der Obcrrabbincr und dergleichen Männer dazu keine Approbation geben, zeichnen wir nicht. Der Lehrer der Waisenkinder hat gleichfalls nicht unterschrieben. Samstag, 12. Mai, wurde in allen Synagogen eine Abkündigung verlesen, daß am solgeuden Mittwoch ein LandeS-Betlag gehalten werden solle. Die Abkündigung geschah in holländischer Sprache und erregte viel Sensation, so daß sie fast unmöglich war. Viele verließen die Synagoge, Viele schlugen mit ihren Pulten und trommelten, so daß in keiner Synagoge die Abkündigung gehörig verlesen werden konnte. Und warum mußte dies auf Holländisch geschehen? Allein weil das Konsistorium die ganze Welt zwingen will, die holländische Sprache ganz bei den Juden einzuführen und die gewohnte indische Sprache abzuschaffen. Welch eine Schande gegenüber anderen Nationen, in deren Kirchen das Anschreiben auch abgekündigt wurde, aber in der Sprache, worin sie dies stets zu thnn gewohnt waren, so bei der portugiesischen Gemeinde auf Spanisch, in der französischen Kirche auf Französisch, in der englischen Kirche auf Englisch. O, ewiger Gott, erbarme Dich über uns, wohin sind wir gekommen! Sonntag, 3. Juni, ist die Armcnverwaltung in der Sitzung der Parnassim erschienen. Der Präsident משה בן כ׳ קאפמןהקבורגר führte das Wort und sagte, daß Parnassim fortan nicht mehr über die AnStheilung der Armengelder zu verfugen hätten und sie deshalb dechargirt seien. Die Armenverwaltung bitte jedoch, daß im Beginn zwei oder mehr Parnassim bei der AnStheilung zugegen sein möchten, um der Armen- Verwaltung mit Auskunft zur Seite zu stehen. — Was davon, kommen muß? Wahrscheinlich nichts Gutes. Viele Lehrer haben Gesuche wegen der Bibel- Übersetzung beim Minister eingereicht, die Gesuche wurden jedoch zurückgesandt. Auch 80 Gemeinde- Mitglieder haben deswegen petitionirt, ihre Adressen wurden indessen nicht angenommen. Freitag, 15. Juni, empfingen die Lehrer der Lomede-Thora eine Ansagung deS Konsistoriums, daß. sie ihre Schulen schließen müßten, weil sie, wegen des NichtuntcrzeichncnS der früher erwähnten Erklärung, kein Patent besäßen. Viele Privatlehrer, die ebenfalls das Stück nicht unterzeichnet hatten, schlossen auch wirklich vorläufig ihre Schulen, aus Furcht, daß sie übersatten werden würden und, bei dem Mangel eines Patents, Strafe würden zahlen müssen. Doch als die. Lehrer der Lomede-Thora am 19. Juni eine Art von Erlaubniß bekamen, um in ihren Schulen zn unterrichten, beganncn die Privatlehrer auch wieder Schule zu halten. Auch hat das Konsistorium eine Probe seiner Pentateuch-Uebersctzung an unseren Oberrabbiner, an den portugiesischen, an den in Leeuwarden und an die NabbinatSverwcscr im Haag und in Rotterdam gesandt, um dieser Uebersetzung ihre Approbation zu ertheilen. Am 25. Juni sind die jüdischen Soldaten, die noch im Haag waren, hier angekommen. Sie theilten mit, daß sie Alle entlassen worden seien. Am 26. und 27. sind die jüdischen Soldaten, die während einiger Zeit in DoeSburg in Garnison gelegen haben, hierher zurückgekehrt. Sie berichteten, daß der König sie entlassen und das Judenkorps aufgehoben habe. Am 10. Juli haben die Lehrer wieder eine Art von Gesuch an das Konsistorium gerichtet. Sie hatten nämlich von Parnassim die Zusicherung erhalten, sie würden ein Schreiben vom Konsistorium empfangen, wonach die bereits amtircnden Lehrer die holländische Bibelübersetzung nicht anzuwenden brauchten, wohl aber die neu anzustcttenden Lehrer. Trotzdem müsse diese Bibelübersetzung in ihren Schulen vorhanden sein. Die Lehrer erklärten nun, daß sie unter dieser Bedingung und vorausgesetzt, daß die Uebersetzung von dem Oberrabbincr approbirt wäre, zu unterschreiben bereit seien. Hieraus erhielten sie einen Aufschub von acht Tagen und am 15. Juli vom Konsistorium ein Schreiben, daß sie vorläufig nicht zu unterschreiben brauchten, da das Konsistorium erst mit dem Minister konseriren müsse. Am 31. Juli mußten die Lehrer wieder vor dem Konsistorium erscheinen. Hier hat der Präsident wieder mit ihnen wegen LeS Unterzeichnenö gesprochen; sie könnten nicht wissen, was daraus entstehen könne. Sie antworteten: wir bleiben bei unserer Sache, wir uneerschreiben nur unter den von nnS vorgcschlageven Bedingungcn. Die Unterredung dauerte bis 11 Uhr Nachts, und dann erst Unterzeichneten sie, worauf sie vom Konsistorium eine beglaubigte Abschrift ihres Brieses, in welchem, die Bedingungen festgestellt waren, erhielten. (Fortsetzung folgt.) UlUldelungen. von Friedrich Rott. (Nachdruck verboten) (Schluß.) Da hob er die Hand — ein Blitz! — ein Knall! — Der Löwenwirth brach zusammen.