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Jeschurun · 1886-09-16 · Heft 37 (16.9.1886) · p. 585

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 37 (16.9.1886)
Article
Die Sklaven
Date
1886-09-16
Page
585 (sequence 1)
Language
German
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MB7. 585 Jeschnrvn. Ire Sklaven. Bon Jedidjah. 1. Im Kerker. Die Hand, gleichwie zur Abwehr, hoch erhoben Der Sklave stolz, im Staub die Römerin. Die Sonne sank. — ES flackern auf die Lichter, In Roma'S Straßen drängt es, tobt es laut Hin zur Arena, wo beim Fackelscheine Das wilde Kämpferspiel die Menge schaut. Da draußen hallt eS wie des Meers Gewoge, Vor Lust und Jubel kreischt das Volk und gafft, Im Siegestaumel denkt cs nicht der Todten, Die ihm der wilde Krieg dahingerafft.- In tiefem Kerker sitzet stumm und traurig Ein edler Jüngling, Juda's edler Sproß, Er denkt der Tempeltrümmer, denkt des Blutes, Das in Jerusalem in Strömen floß. Er denkt des Vaters, denkt der greisen Mutter, Die ihm das Kriegsschwert dort entrissen hat, Er denkt der Braut auS königlichem Stamme, Als Sklavin fortgeschleppt zur Tiberstadt. Und ״Han nah, Hau nah!" seufzt er bang und leise. ״Welch räm'schem Wüstling dienst Du, Holde, jetzt? Erbarm Dich, Gott, der Edlen Deines Volkes, Send' uns den Tod, uns, die wir müd' gehetzt." — Da öffnet leise sich des Kerkers Thüre, In dunklem, langem Schleier tief verhüllt Naht sich dem Acrmstem, langsam vorwärtsschreitend, In schwarzem Kleid ein hohes Frauenbild. Die Thüre schließt sich — und es fällt der Schleier — Ein herrlich Frauenantlitz, stolz und bleich, — Doll Staunen hört der Jüngling süße Worte, Verlockend, dem Sirenensange gleich: ״Ich, Julia, die Senatorentochter, Dir, Herrlichster, den ich im Leben sah. Nah' ich mit Bitten, Dir, dem KricgSgefang'nen, — Vergessend meinen Stolz jetzt steh' ich da." Sie spricht von Liebe, von des Herzens Sehnen, Spricht ihm mit lockend süßen Worten zu, Fleht ihn zu Füßen an um Gegenliebe, Da er geraubet ihres Herzens Ruh! ״Ich sah Dich bei des CäsarS Siegeszuge,s Sah Deiner herrlich dunklen An gen Pracht, Du stahlst mir. Süßer, meiner Seele Frieden, Hast mich, der Sklao, zur Sklavin Dir gemacht!" ״Entfleuch von dannen, Senatorentochter, Geh' zu den röm'schen Buhlerknabcn fort, Ich kenn' ein Höheres, als Dir zu dienen, — Bei Schlemmgelagen ist für Dich der Ort!" Sie fleht, sie kriecht im Staub zu seinen Füßen, Bon Liebesgluth zum Wahnsinn fast gebracht. Faßt seine Kniec, schlingt um ihn die Arme, Sie preßt ihn an sich mit gewalt'ger Macht. Da tönt ein wilder Schrei von ihren Lippen, Sie stürzt zurückgeschleudert vor ihn hin, Die Hände hoch erhoben, steht der Sklave, Am Boden windet sich die Römerin. Da schnellt sie plötzlich wild empor vom Boden, Sie bebet bleich, laut kreischt sie aus vor Wuth, Verzerrt das Antlitz zischt sie, Hände ballend: ״Das ist Dein Tod, verdammte Judcnbrut!" Reißt auf die Thüre, schreit mit mächt'ger Stimme, ״Auf! Bringt die Judendirne her zu mir!" — Sie zerrt, am Haare schleifend, vor den Jüngling Ein lieblich Mädchen wild herein zur Thür. Sie schleudert es zu seine Füße nieder: ״Nimm Deine Dirne mit zum Feuertod!" Laut gellend lacht sie auf — und schaut die Beiden, Sich weidend an des bangen Mädchens Noth. Der Jüngling beugt sich nieder, legt die Rechte Aus seiner Theuren braungelocktes Haupt — Und ״Hannah" flüstert leise er und innig, ״Fass' Muth, mein Lieb, Du wirst mir nicht geraubt." Dann wendet er zur Römerin sich zürnend: ״Hinaus von hier, schamloses Weib, hinaus! Soll sonst mein Arm Dir mit Gewalt nicht Zeigen, Daß lang genug Du weiltst in diesem Haus!" Die Römerin entweicht — mit lautem Krachen Schließt sich die Thüre — beide sind allein — Sie sind vereint, sie wollen freudig sterben, Gemeinschastlichcm Tode gern sich weihn. Da draußen wird cs still in Noma's Straßen, DaS Fest ist aus, der Jubel ist verweht, I Im Kerker danken leise die Vereinten I Mit Thränen Gott im innigen Gebet. Stolz steht der Jüngling-, seine Augen blitzen Zorn und Verachtung sprühend zu ihr hin — (Fortsetzung folgt.)

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