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Jeschurun · 1886-09-16 · Heft 37 (16.9.1886) · p. 582

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 37 (16.9.1886)
Article
Aus der Amsterdamer Gemeinde
Date
1886-09-16
Page
582 (sequence 2)
Language
German
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582 nannte Bote טעבלי ליגטימן voran, zur Synagoge gingen. Das Konsistorium. bestand ans den Herren Benjamin Leman, der mit dem 1. Januar Präsident geworden war, 3. D. Meyers, H. H. de Lemon, I. David SatomonS, E. P. de Jongh, H. van Laun, B. Boas und I. de Jongh McyerS (E. H. Keyzer war unwohl), mit ihren beiden Sekretären Abc. Levin und M. Alexander. Bon der Arinenverwaltung waren anwesend: Tobias Asser, Sam. Mos. Metz und Moses Simon Levy. Auch der vormalige Chef C. Ässcr, welcher einen besonder» Platz vor der Parnaßbank hatte. Viele Leute, die Plätze in der Synagoge besaßen, tarnen nicht, nur von dem Plebs, welcher neugierig war, den Chasan zu hören, war die Synagoge voll. CS war die Reihe an dem neuen Chasan ר׳ שלים הזן. Als Alle in der Synagoge waren, hat er mit seinen Assistenten sehr schön;קבלת שבר gesungen; dann wurden vom Ober- und Unter-Chasan zwölf Psalmen rezitirt. Die Gemeindemitgtieder bewahrten strenges Schweigen; sie sagten sich nämlich: wir wissen nicht, was die Freude zu bedeuten hat. — Hierauf wurde הגותן תשועה mit einer neuen Formel vorgetragen, welche der Oberrabbiner zu Ehren des OberkonsistoriumS, der Parnassim und der Armenverwaltnng hatte verfassen müssen. Der Gottesdienst hat ungefähr drei Stunden gedauert. Man hat jedoch keine Ehre davon gehabt, weil die Menschen einander gefragt haben: was bedeutet diese Freude? Mittwoch, 14. März, sind die Direkkeure des Kollegiums מחזיקי צדקת durch den Minister ihres Amtes entsetzt worden. Das Amt bestand in dem Vertheilen von Tors oder Mazzoß zwei Mal des Jahres an die Armen. Die Gründe ihrer Absetzung waren, daß sie bei der letzten Ziehung deö Kollegiums an drei Mitglieder des Konsistoriums, Benjamin Leman, Barend Boas und H. H. de Lemon, nicht die ihnen zukommende Ehre bewiesen hatten. Deswegen wurden sie von dem Konsistorium beim Minister verklagt. Zugleich wurde das Kollegium ausgehoben. Am 9. Mai wurden alle Lehrer an den Kollegien Lomede-Thora und Talmud-Thora, sowie die Lehrer der Waisenkinder und auch Privatlehrer vor eine Kom- Mission aus dem Konsistorium: B. Boas, Mr. I. D. Meyers und H. van Lann, bcschicden, um mit ihrer Unterschrift zu erklären, daß sie bei ihrem Unterrichte den. Pentateuch auf Holländisch und nicht mehr aus Jüdisch-Deutsch übersetzen würden. Wer die Unter- Zeichnung dieser Erklärung verweigere, würde kein Patent mehr erhalten, und seine Schule würde geschiosscn werden. (Fortsetzung folgt.) Wandelungen. von Friedrich Mott. (Nachdruck verboten) - (Fortsetzung.) Sie rang mit ihm, dieser Widerstand steigerte indessen seine Erregung, er vergaß Alles, stieß im Ringen an den Sessel, der dicht neben der Wiege sich befand. Der Sessel fiel und setzte im Falle die Wiege in Bewegung. Ein gellender Schrei entfuhr den Lippen des kranken Kindes, die furchtbaren Krämpfe waren zurückgekehrt. Nascher, immer rascher zuckten die zarten Glieder, die Augen verdrehten sich in ihren Höhlungen. ״Dein Werk!" murmelte Tirza. Müller stürzte fort, den Arzt herbeiznrufen. doch als er nach kaum einer halben. Stunde in dessen Begleitung zurückkehrte, traf er sein Kind als Leiche. Wilde׳ Verzweiflung bemächtigte sich des elenden Mannes, sein Kind hatte er ja doch geliebt mit einer aufrichtigen Liebe — und hatte es gemordet. — Staunend beobachtete seine Umgebung den wilden Ausbruch verrweiflungsvollen Schmerzes des Vaters, mit dem die starre Resignation der Mutter fcltjam (ontraftirte. Tirza hatte keine Thräne, keine Klage, sic empfand kaum einen Schmerz um den Tod ihres Kindes, eine Art Betäubung hatte sich ihrer bemächtigt, die ihr Denken und Empfinden nahezu unmöglich machte. Nur wenn der kleine Karl seine Arme um sie schlang und kindliche Schmeichelworte in ihr Ohr flüsterte, dann ward es rege in ihrem Innern. Die Leichenbestattnng war vorüber. Tirza hatte es nicht zu hindern vermocht, daß Müller der Sitte i gemäß die sieben Trauertage in dem Sterbezimmer seines Kindes verbrachte. Waren sie in diesen Tagen doch auch nie allein, stets fanden sich theilnehmende Freunde und Bekannte, die sie zu trösten suchten. Aber dieses häufige Beisammensein fachte Müllers verbrecherische Glnth nur um so mehr an, je inehr er empfand, daß durch den Tod des Kindes das letzte Band zerrissen war, das dessen Mutter an ihn gefesselt. Trotzdem fürchtete er ihre Drohung nicht mehr, da er sich überzeugt hielt, sie werde ihre Schande, wie er es nannte, nimmer bekannt machen. Nur in diesen Trauertagcn wollte er sie noch schonen, dann aber, das schwur er sich, mußte sie seinem Willen unterthan werden. Mehr denn je haßte er den Knaben, der ihn Vater nannte. In wilder Eifersucht tobte das Blut in seinen Adern, wenn er sah, wie der Kleine die Mutter umarmte oder ihre Liebkosungen empfing. So hatte sie sein Kind nie geliebt.

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