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Jeschurun · 1886-09-16 · Heft 37 (16.9.1886) · p. 581

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 37 (16.9.1886)
Article
Zur Schächtfrage
Date
1886-09-16
Page
581 (sequence 2)
Language
German
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581 Operationen von wenig Zuverlässigkeit, die wir daher unterlassen. In der That handelt es sich ja immer um Vorgänge, welche in der kürzesten Zeit ablaufen, und um Empfindungen, über die zum Theil nur die menschiiche Erfahrung Auskunft giebt, so -aß man für die Thiere auf die in solchen Fragen unsichere Basis der Analogieschlüsse angewiesen-ist. Allerdings ist das Schächten wegen der Umstandlichkeit des Verfahrens, der Größe der klaffenden Wunde und der den tödtlicheu Schnitt viele Sekunden überdauernden Herzthätigkeit und Athmung, in hohem Grade geeignet, bei einem durch Beschäftigung nicht in Anspruch genommenen Zuschauer Mitleid und Schrecken zu erregen, während die Tödtung vermittelst der Stiftmrske von Bruneau durch ihre Einfachheit, ihre große Zuverlässigkeit und die plötzliche Vernichtung nicht nur deS Bewußtseins, sondern auch der auffälligeren automalischen Thätigkeiten in der Schonung des Mitgefühls der Zuschauer das erreichbar Größte leistet. Zu den Verbesserungen des Schächtens,-. welche in Langenthal eingeführt sind, gehört der Gebrauch der Matraze beim Niederlcgen. Ueber die Häufigkeiten von Verletzungen bei der Lagerung stehen uns keine Angaben zur Verfügung; wir halten deren Vorkommen für möglich und das vorgeschobene Strohlager zur Verminderung der Zahl derselben geeignet. Dagegen verlängert der Gebrauch der Matraze die Vorbereitungen um einige Sekunden. Der Genickstich nach dem Schächten fällt in die Zeit der Umnebelung des Bewußtseins und sein Nutzen für das Schlachtopfcr ist zweifelhaft, dagegen kürzt er die vom Willen unabhängigen Thätigleiten ab. Gutachten. Ans den angeführten Gründen sind wir der Ansicht, daß 1) das gut durchgcführte Schächten keine Thierquälerei ist; 2) die Verwendung der Matraze gelegentlich von Nutzen sein kann; 3) es dagegen zweifelhaft ist, ob der nachträgliche Genickstich die Todesschmerzen vermindert; 4) für den Zuschauer der Anblick des Schächtens mit viel mehr peinlichen Mitgefühlen verbunden ist, als das Tödtcn durch die StistmaSke, welches wegen seiner Eiufachheit und der das Mißlingen beinahe ganz auöschließcnden Zuverlässigkeit in dieser Beziehung den entschiedenen Vorzug verdient. a Ans der AkißerdlMr Gmeindt 1795-1812. (Nortsetzung.) Den armen Leuten wurde befohlen, ihre Kinder anzngeben, um Soldaten im Judenkorps zu werden. Hierauf folgte ein Gejammer und Weinen der betrübten Armen. Von einigen unter ihnen wurden die Herren mit einer brutalen Antwort begrüßt. Es war ein Spektakel, zu hören, wie die armen Leute da behandelt wurden. Sie waren noch keine halbe Stunde wieder zu Hause, als sie Villels empfingen, daß ihre Kinder Donnerstag früh zehn Uhr sich in der Nienwe Stabs Herberg in der Plantage einzufinden hätten. Dort saß ein gewisser christlicher Kapitän Schill. Aus -ie 81 vorläufig versandten Billets kamen nur fünf junge Leute. Mit großer Mühe nur wurden sie vom Kapitän Schill untersucht. Als er von ihnen verlangte, zu unterschreiben, antworteten sie ihm: ״Nein,׳ wir wissen nichts davon, wir find Juden und werden Alle Juden bleiben; wir unterschreiben nicht, Soldaten zu werden." Der Kapitän behielt sie noch bei sich und trachtete, sie zu überreden; da aber Alles nichts half, sandte er sie bis auf weitere Ordre wieder nach Haus. Sonntag, 24. Dezember, wurden die armen Leute wieder gerufen, um in der Napeuburgerstraat zu erscheinen, in dem Hause, wo die Armenvcrwaltung ihre Sitzungen hält. Sie sind jedoch wieder nach Hanse gegangen, wie sie gekommen waren. Die jungen Leute wollten keine Soldaten werden und ihre Antwort lautete: Wenn eure Kinder Soldaten sein werden, sind auch wir dazu bereit. Freitag, 5. Januar 1810, hat das Obcrkonsistorium zum ersten Mal in der Großen Synagoge ein Fest veranstaltet, in Folge des königlichen Beschlusses gelegentlich der Vereinigung der beiden Gemeinden, daß alljährlich am ersten Sabbath im Januar Fest gefeiert werde wegen deö großen Werkes und Kunststückes, welches die VcreinigungSkommission fertig gebracht hat. In der Synagoge standen von der Parnaßbank bis zur heiligen Lade Stühle, auf denen die Mitglieder des Konsistoriums Platz nahmen. Auf allen Kronen befanden sich brennende Kerzen, auch vor der heiligen Lad'e und der Vimah brannten große Wachskerzen. Von Parnassim, die einzeln zur Synagoge kamen, waren anwesend: S. Z. Philips, P. I. de Jongh, B. Ar. de Metz, Jak. SymonS und I. I. Jacobs. Das Konsistorium kam mit Zeremonie in die Synagoge. Seine Mitglieder kamen erst in der Napeuburgerstraat, wo das Konsistorium seine Sitzungen hält, beisammen, von wo sie im Aufzuge, je zwei und zwei, der sage-

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