Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 36 (9.9.1886)
- Article
- Deutschland : Stettin [Nachricht]
- Date
- 1886-09-09
- Page
- 571 (sequence 2)
- Language
- German
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571 erforderte, nahm sich Herr Lehmann heraus, während nicht geleugnet werden kann, daß der Herr Konsul ihn in Manchem hochherzig und edel gefördert hat. Dies ist der Thatbestand. X8. Wollstein (Provinz Posen), 5. September. Wir haben alle Veranlassung, mit freudiger Genugthuung aus die Wirksamkeit unseres, von allen hochgeachteten und geschätzten Rabbiners Herrn Hölter zu blicken. Ein frisches jüdisches Leben pulsirt jetzt in unserer Mitte. In dem kurzen Zeiträume von szwei Monaten solches zu bewirken, ist nur einem Manne möglich, der mit heiligem Ernste als Lehrer des Gottes- Wortes der Gemeinde entgegen tritt. Und mit einem solchen hat sich Herr Rabbiner Höxter bei uns eingeführt. Seine Antrittsrede zeichnete in scharfen Zügen das Ideal eines Rabbiners; und die bisherige Wirksamkeit bezeugt in glänzender Weise, daß Herr Höxter dieses Ideal zu verwirklichen eifrig bestrebt ist. Ich werde mir erlauben, demnächst auf dieselbe näher einzugehen. *j* WürZbttrg, September. Das hiesige autisemitische Blättchen ״Fränkische Volksblatt" giebt nach langer Zeit uns wieder einmal die Ehre, sich mit uns zu beschäftigen. In einem Artikel ״Die Juden in der Verbrecherstatistik" sollen ihm die Ergebnisse statistischer Erhebungen in Betreff der im Jahre 1684 seitens deutscher Gerichte erfolgten Verurteilungen wegen vcrübtcr Verbrechen vorlicgen. Dieselben unterscheiden zwischen-christlichen und zwischen jüdischen Verurtheilten, und das liebe ״Fränkische Volksblatt" kommt zu dem für uns nicht sehr schmeichelhaftem Resultate: .,Wir dürfen darum ans der großen Zahl der von ihnen (Juden) gegen das Eigenthum verübten Verbrechen um so mehr den Schluß ziehen, daß die jüdische Neligion ein geringeres Maß ,fittigcnbcr‘ Kraft besitzt als die christliche." Begreiflicherweise zählt das Blättchen blos folgende Verbrechen auf: Beleidigung, Erpressung, Meineid, Betrug, Urkundenfälschung, betrügerischen Bankerotts, während es die Verbrechen über Mord, Raub, Diebstahl re. absichtlich wcgläßt, weil hier die Christen in überwiegender Zahl, hingegen die Juden nur sehr wenig vertreten sind. Wir glauben, daß gerade bei diesen Verbrechen die sittliche, moralische Kraft eines Volkes zu erkennen ist. Wie übrigens die Logik des Redakteurs genannten Blättchens bestellt ist, zeigt folgender Fall: Der Chirnrgieprosessor I)r. Karl Schönborn ans Königsberg wurde von hiesiger Fakultät als Nachfolger des verstorbenen berühmten Professors Maas einstimmig berufen. DaS Blättchen agitirt nun gegen diese Wahl, weil der Professor Preuße und noch dazu Jude ist, und führt hierfür als Beweis an, weil derselbe einmal dirig-ir-ender Arzt am Berliner israelitischen Spitale war!! *I* Wilrzbrrrg. Wir glauben jetzt schon auf ein höchst interessantes Werk aufmerksam zu machen, das sich gegenwärtig unter der Presse befindet und in der Druckerei des Herrn Oskar Lehman. Mainz, erscheint. Es ist das der Midrasch לקח טיב zu מגלת רות von ר׳ טוביה ב״ר אליעזר זצ״ל. Herausgeber ist Herr Seckcl Bamberger, eaml. pliil., Ajchasfenburg, welcher die Münchener Handschrift zu den fünf Megillot mit denen zn Parma, Oxford, London und Rom vergleicht und einen Kommentar hierzu verfaßte, worauf wir später zurückkommen werden. Der Verfasser dcS לקה מוב ist bereits durch den von Herrn Nabor in Lemberg edirten לקח טוב zu בראשית und שמות durch den zn Venedig erschienenen לקח טוב Kommentar zu den letzten drei Büchern des Pentateuch genügend bekannt. Oesterreich-Ungarn. * Prag. In den öffentlichen Volks- und Bürgerschulen Prag's wurden 516 Schüler und Schülerinnen unterrichtet, die sich nach Schulen und Klassen folgendermaßen vertheilten. In der Mstadter Volks- und Bürgerschule 439 isr. Schüler und zwar in der Volksschule 1. Klasse 55; 2. Kl. 66; 3. Kl. 85; 4. Kl. 57; 5. Kl. 59 Schüler. In der Bürgerschule I. Kl. 89; 2. Kl. 32; 3. Kl. 5 Schüler. In der Joscphstädter fünfktassigen Volksschule 517 isr. Schüler undzwar in der Knabenschule 1. Klasse 48; 2. Kl. 61; 3. Kl. 50; 4. Kl. 56; 5. Kl. 42 Schüler. In der Mädchenschule I. Kl. 44; 2. Kl. 42; 3. Kl. 61; 4. Kl. 55 und 5. Kl. 59 Schülerinnen. In der k. k. UcbungSschule 16 israelit. Schülerinnen, im Institut der englischen Fräulein l f; in der städtischen Mädchen-Volksschule ans der Kleinfeite 6, in der Klosterschule am Hradschm 2 isr. Schülerinnen. — Im abgelauscuen Schuljahre ist die Talmud-Thora-Schule in Prag von 221 Schülern besucht worden. Diese vcfrutirtcn sich auS verschiedenen öffentlichen Lehranstalten Prag's und zwar 132 Schüler aus der Josephstädter Volksschule, 52 aus der Altstädter Volks- und Bürgerschule, 4 Schüler auS der" Volksschule bei den Piarisicn, 2 aus der Neustädter Volksschule, 6 ans der böhmischen Volksschule bei Sct. CastuluS, 10 vom k. k. Staatsgymnasium Prag-Neustadt, 6 vom k. k. Staatsgynmasium Prag-Altstadt, 2 vom k. k StaatSgymnasium Prag-Neustadt (Stephansgasse), 1 von der böhmischen Realschule (Gcrstengasse), 2 von der Universität (Jurid. Fakultät) und 4 Privatisten. (Isr. Gemeinde Ztg.) * PcLtan (Stehcrmark). Ende August. Für die am 30. August stattgefnndene Ncichöraths-Ersatzwahl im hiesigen Landbezirke gab fich nicht das geringste Interesse kund. Dagegen gehen wieder in den slovenischen Dörfern die Wogen der antisemitischen Bewegung sehr hoch. Und da besser bewahrt als beklagt ist, muß vor