Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 35 (2.9.1886)
- Article
- Erkannte Irrungen
- Date
- 1886-09-02
- Page
- 559 (sequence 2)
- Language
- German
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559 und gleichzeitig eines der tadellosesten Herzen besitze. Doch der sinnige, strenge Ernst, welcher sonst einer lächelnden Freundlichkeit zu weichen Pflegte, verblieb diesmal auf dem Antlitze des Gelehrten. Rafael, der dies mit Befremden wahrnahm, suchte eine Erklärung dafür in der Bermuthung, die Störung in einer besonders wichtigen Forschung lasse die frcnnolichen Kundgebungen nicht ganz zur Geltung gelangen, mit welchen sonst sein Kommen begrüßt wurde. Er verneigte sich tief, die dargebotene Hand des Rektors erfassend und sprach: ״Ich hoffe, daß der außergewöhnliche Umstand, der mich hierherführt, mir die Verzeihung Eurer Magnifizenz erwirken wird, für die Freiheit, zu dieser ungewohnten Stunde, und, wie ich befürchte, auch ungelegenen Zeit zu stören. Aber ich glaube, die Tröstung einer durch Erfahrungen der traurigsten Art aus ihrer Harmonie gerüttelten Menschlichen Seele ist ein Ziel, das auf einem der höchsten Gipfel leuchtet, welchen die Ritter vom heiligen Geiste zustreben. Denn was bezweckt alle wissenschaftliche Forschung sonst als mit der Wahrheit die Macht des Unwissens immer mehr zurückzudrängen, welche mit ihrem Gespensterheer von Zweifeln, Geheimnissen und Widersprüchen den Geist des Menschen erschreckt und nimmer die innere Ruhe erreichen läßt? — Und ich benöthige jetzt des Trostes mehr denn je.. ״Sie scheinen sehr angegriffen, moralisch nicht minder wie körperlich," sagte der Rektor mit Theilnähme. ״Setzen Sie sich. Ich will den Einfluß, dessen ich über Sie fähig bin, walten lassen, um Ihnen zu Ihrer Ruhe zu verhelfen. Was ist's, was Sie iu diesem Grade bewegt?" Rafael setzte sich. ״Ich danke, — ich wußte cS gleich, daß ich an Sie nicht vergeblich apelliren werde. Vielleicht ist das Gerücht jener Affaire. in welche ich so unversehens gerarhen bin, auch schon in diese Räume gedrungen...?" Zwischen dm erst blickenden Augen des Gelehrten furchte sich eine leichte Falte. ״Wenn Sie Ihr Duell mit dem Rittmeister Colmar meinen — ja. Als ich davon die erste Kunde erhielt, wandte ich der Angelegenheit nicht mehr Interesse zu, ivie andern ahn׳ lichen, die ebronüjue scandaleuse bereichernden Vorfallen; wie ich aber vernahm, daß ein Universitätsbürger und vollends Sie einer der Hauptdebntanten sind, ließ ich mich über die Sache eingehend unterrichten," Rafael schaute mit einem gespannt fragenden, cntgegenharrenden Blick zu dem Rektor aus. ״Die klare Erkenntniß eines betrübenden Zustandes," fuhr Rektor Erwin nach einer kleinen Pause fort, ,.ist das beste Mittel zur Veruhiguug des Gemüthcs. Die Seele fühlt es. trotzdem die Vernunft eS nicht sieht oder nicht sehen will, wenn sic von Jrrthümern gefangen ist, und dieser Irrthum, möge er der Sache auch einen subjektiv noch so günstigen Schein verleihen, läßt sie dieses falschen Vortheils nicht froh werden und erhält sie in einer stetigen unzufriedenen Gährung, deren Ursache unrichtigerweise in den entferntesten Dingen gesucht wird. Aehnlich denke ich mir Ihren gegenwärtigen ruhelosen und aufrichtungsbedürftigen Seelenzustand. Ich zögere darum nicht. Ihnen mitzutheilen, daß ich für die verborgene Triebfedcr Ihrer Verstimmung das bewußte oder unbewußte Gefühl der uuvortheilhafLen. eben nicht einem Charakter von der moralischen Tüchtigkeit des ihrigen entsprechenden Rolle halte, welche Sie in dieser leidigen Affaire übernommen haben. In Ihrem Interesse wünschte ich, daß sie ungeschehen geblieben wäre." ״Ich wüßte nicht." drängte es sich mit zagem Widerspruch stammelnd über die Lippen Rafaels, ״ich bin höchlichst überrascht, diese Worte aus dem Munde Eurer Magnifizenz zu vernehme:׳, da das.B''wüßtsein eines begangenen Unrechts einer Vergehung nach irgend einer Richtung mir nicht im Leisesten innewohnt... ja, ich glaubte sogar aus mein Verhalten von gestern mit einiger Befriedigung zurückblicken zu können .... Verzeihung, aber ich kann die Frage nicht zurückhaltcn, ob Euere Magnifizenz auch eingehend informirt sind?" (Fortsetzung folgt.) Inserate werden die 3spaltige Pctitzeile oder deren Raum mit 25 Pfg. berechnet. Für den Inhalt derselben übernimmt dir Redaktion keinerlei Verantwortung. Jnsertious- und AbonnementS-Annahme für Frankfurt a. M. auch bei Herrn I. Kaufsmann daselbst,^ ohne Preiserhöhung. FVT©1S^ Der 5., 6., 7. und 8. Jahrgang des in großer Auswahl billigst bei; Jeschurun ist zu verkaufen. Offerten I. KauffmQnn, Buchhandlung,! unter Cfr. 602 an die Exp. d. B!. Frankfurt a. M. j In meinem Hause können noch einige Knaben Aufnahme finden. Dieselben eyep fangen bei vorzüglichster Pflege eine sorgfältige Erziehung. Mirseli, Hanrwver, Artillerirstraße 29.