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Jeschurun · 1886-09-02 · Heft 35 (2.9.1886) · p. 557

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 35 (2.9.1886)
Article
Rußland : Petersburg [Nachricht]
Date
1886-09-02
Page
557 (sequence 2)
Language
German
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557 möchte deren Zahl gern beschränken und stützt sich dcShalb auf eine Verordnung, nach welcher mir solche jüdische Gewerbetreibende hier wohnen dürfen, welche ihr Gewerbe selbst ausüben. Da aber natürlich sehr Viele in schwunghafterer Weise ihr Gewerbe betreiben, so daß sie sich nicht selbst mit der Anfertigung der von ihnen verkauften Gegenstände befassen können, so weist man diese einfach ans. Das Gesetz besteht, aber cs wird nach hiesiger Geflogcnheit nur dann gehandhabt, wenn man es gerade für opportun erachtet. So rigoros wie jetzt, ist cs aber noch nicht in Anwendung gebracht worden. -0- Moskau, 27. August. Herr Baron Montagn ans London bereiste bekanntlich in diesen Wochen Rußland um den Zustand der jüdischen Gemeinden kennen zu lernen. Er wurde überall mit großer Zuvorkonunenheit sowohl seitens der Juden, wie der Behörde behandelt. Als er aber nach Moskau kam, erhielt er den Befehl, binnen 24 Stunden die Stadt zll verlassen. Wenn man gegen einen Mann von so hoher sozialer Stellung verfährt, wie erst gegen die Armen und Eienden? א Kamenez P od o lsk. Die sehr zahlreiche jüdische Gemeinde hiersetbst befindet sich in einem Zustände banger Aufregung und dieser wird auch von der nichtjüdischen Bevölkerung getheilt. Es handelt sich um nichts Geringeres als um die Ausweisung der gesammten jüdischen Einwohnerschaft, die sich wohl auf 6000 Köpfe belaufen mag. Auf Grund des bekannten alten Gesetzes, daß die Inden nicht innerhalb 50 Werst von der Grenze wohnen dürfen, scheint man jetzt gesonnen zu sein, die seit undenklichen Zeiten in der Hauptstadt PodolienS ansässige Jndcnschaft von hier zu vcrtreiben. Gute Landvermesser wollen endlich entdeckt haben, daß Kamenez innerhalb dieser kritischen 50 Werst liegen soll. In Folge dieser interessanten Entdeckung haben im Monat Juli 20 jüdische Familien die Weisung erhalten, binnen einer Frist von 2 Monaten Kamenez zu verlassen. Diestm Befehl ist nun in diesem Monat ein weiterer gefolgt, durch welchen 40 jüdische Familien zum Exil vernrthcilt sind. Es scheint also die Absicht zu bestehen, nach und nach Kamenez ganz von Juden zu entvölkern. Dadurch wäre allerdings die ganze Stadt ruinirt. Die bisherigen Vorstellungen zur Rücknahme der Ausweisungen waren erfolglos. Man hat sich jetzt anläßlich des GcbnrtSfcstcS Ihrer Majestät der Kaiserin an diese erlauchte Frau gewandt und ihrem landcsmütterlichen Wohlwollen die unglückliche Lage der bedrohten Fancklien empfohlen. Gebe Gott, daß das edle Herz der Zarin gerührt wird und cs ihrem Einflüsse gelingt, den drohenden Untergang so vieler Menschen abzuwenden. ■ * Kifchttrew. In der hiesigen Stadt, der Hauptstadt BessarabienS, welche.in! Lause dieses Jahrhunderts von einem kleinen unbekannten, kaum dreitausend Einwohner zählenden Orte sich zu einer bedeutenden ge׳ wcrbreichen Stadt von etwa!40000 Einwohnern entwickelt hat, zählt die jüdische Gemeinde etwa 45000 Seelen. <1. Kalisch, 24. August. Ein cigenthümlicher Prozeß wird demnächst durch richtcrlichen Spruch zur Entscheidung gelangen, welchen der FiSkuS gegen die jüdische Gemeinde führt. Es handelt sich um die Zahlung von 86000 Rubeln, welche der FiSkuS auf Grund eines alten Anrechts eines Klosters verlangt. Die Judenschaft soll nämlich verpflichtet gewesen sein, dem Kloster alljährlich eine Abgabe von 1000 Rubeln zu bezahlen. Diese Abgabe ist aber nachweislich seit dem Jahre!799 nicht mehr entrichtet worden und ganz in Vergessenheit gerathcn. Da aber der Staat die Verwaltung des Klosters übernommen hat, macht er dieses alle Recht wieder geltend und verlangt. Zahlnng von je 1000 Rubel für jedes Jahr dieses Jahr- Hunderts. Daß jenes Recht des Klosters einmal bestanden hat, wird nicht anzuzwcifeln sein. ES fragt sich aber, ob solches nicht verjährt ist. Rumänien. I». Llris Numänien, 27. August. Ein großer Schlag gegen die Juden ist in Vorbereitung. Man arbeitet eifrig an der Veranstaltung eines internationalen antisemitischen Kongresses auf rumänischem Boden. Man muß zngcbcn. daß kein Land sich größere Verdienste um den Antlscmltismns erworben hat, als Rumänien, und daß diesem darum vollauf die Ehre gebührt, als Vorort desiclben anerkannt zu werden. Es ist ganz sicher anznnchmcn, daß von einflußreichster Seite diesem Plane die größtmöglichste Förderung bereitet werden wird. Man will durch die Sanktion eines internationalen Kongresses der Ausbreitung dcS Antisemitismus nicht nur im Allgemeinen dienen, sondern ganz speziell auch die brutalen rumänischen Maßregeln gegen die Inden rechtfertigen lassen. Man zählt bestimmt auf eine allgemeine Bethciligung. Herr Stöcker ans Berlin, Herr Rohling ans Prag, Herr Drumond ans Paris, die Herren Jstoczi und Simonyi aus Ungarn. Herr von Schönerer ans Wien und viele andere hervorragende Antiscmitenführer sollen ihr Erscheinen zngesagt haben. Man rechnet auf einige Hundert THeilnehmer. Auch ans Rußland wird der Bnkarcster Kongreß beschickt werden. Man erwartet einen großen Zusammenfluß von Fremden, aus aller Herren Länder in Bukarest. Amerika. §. im August. Was beklagen Sie sich in Europa über Feindschaft gegen das Jndenthum,

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