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Jeschurun · 1886-09-02 · Heft 35 (2.9.1886) · p. 556

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 35 (2.9.1886)
Article
Deutschland : Posen [Nachricht]
Date
1886-09-02
Page
556 (sequence 2)
Language
German
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556 ausländischen Nnterthanen, welche in Rußland, wenn auch mit einem regelmäßig visirtcn Paß versehen, erscheinen und erst dort als dermosaischen Religion ungehörig erkannt werden, werden, falls sie nicht die obige spezielle Erlanlnnß haben, sofort über die Grenze zurück anSgcwicsen. 4) Alle ausländische Unterthanen mosaischen Glaubens, welche sich die Erlaubniß erwirkt haben, nach Rußland zu kommen, dürfen dort nicht länger als ein Jahr verbleiben, und auch dies nur, wenn sic dort wegen Handelsbeziehungen, Prozessen, Erbschaften oder Eintreibung von Forderungen verweilen." — Der Inhaber eines russischen Passes der Provinz Posen, welcher nach Rußland reisen und deshalb letzteren visiren lassen wollte, wandte sich zu diesem Zwecke an das russische Generalkonsulat in Danzig, letzteres beschied den Bittsteller dahin, daß der Paß zur Reise nach Rußland nicht früher visirt werden könnte, als nachdem der Petent, sei es durch das!. deutsche Generalkonsulat oder die Botschaft in St. Petersburg, sei es durch das k. deutsche Ministcrium in Berlin, oder endlich durch ein direktes Bittgcsuch, von dem k. russischen Ministerium des Innern in Petersburg die Erlaubniß zu einer Reise nach Ruß- Land ausgewirkt habe. Oesterreich-Ungarn. S.P. Aus Ungarn. August. Zittert ihr katholischen Geistlichen Ungarns; dem rächenden Arme Herrn von Treforts entgeht ihr nicht. Seht die jüdischen Matrikelbeamten, die so gar nichts verschuldet, Ln wie schwere Paragraphcnketteu sie geschlagen wurden. Was steht euch bevor, unter denen Fälschungen vorgckommen, deren die jüdischen Beamten nicht einmal beschuldigt wurden?! Wie die Blätter melden, hat der Szigetujsaluer Pfarrer an seinen Matriken arge Ungesetzlichkeiten bcgangen, Namen gefälscht, Einschreibungen von Geburten unterlassen u. s. w. — Doch sürchtct euch nicht, ihr katholischen Seelsorger! Herr von Trefort ist ein guter Christ, um zu wissen, daß die Verirrungen Einzelner nicht die ganze Klasse kennzeichnen und deren Vergehangen nicht der Gcsaminlheit anzurcchnen sind. Und die Juden? Leider schon in der Frage liegt die Antwort. Doch die Inden-Matrikel-Edikte verdammen wir nicht des PrinzipeS willen, denen sie entstammten, energischer müßten wir jenen Erlässen unseres Kultus- Ministers gegcnübcrtrcten, die ins praktische Leben eingreifen. — Warum wird keine Stimme laut gegen die Verordnung bezüglich des Schreibens und Zeich׳ nenS am Sabbath und Feiertagen in den Mittelschulen? Warum wird kein Schritt unternommen gegen diesen Erlaß, der bereits seine Opfer fordert, aber nicht von der Wissenschaft, sondern auf Kosten der strenggläubigen jüdischen Frömmigkeit. Ja, als ein günstiger Erlaß bezüglich der jüdischen Tabacktrasikantcn an Sabbath- und Feiertagen erschien, da durchkreuzten allsogleich Zirkuläre von beiden Kanzleien der Judenschaft Ungarns das Land, worin jede sich den Löwenanthcil an dem Erfolge vindizirte; und nun stecken beide die Hände in die Taschen, sich vielleicht im Glanze vergangener Verdienste sonnend. Was nützen die'Kämpfe um die Firma, Streitigkeiten um die N!v2-Mchl-Gelder, wenn solch heilige Interessen gefährdet sin'd. Wo liegt dann die Existenzberechtigung beider Kansseien. Zn einem einfachen Briefträger- Apparate sinken sie herab. Wenn wir schon an Herrn Schweiger, dessen Verdienste als rationeller Landwirth wir übrigens nicht schmälern wollen, nicht die leiseste Hoffnung knüpfen, so stünde doch von unserer DurchführungSkommission zu erwarten, daß sie nicht rath- und thallos Streich um Streich gegen das Prinzip, das sie vertritt, über sich ergehen lasse. Möchten diese Worte Beherzigung finden, nicht minder bei allen unseren Nabbinen, die an der Leitung der ungarischen Orthodoxie thcilnehmen. — Wie aus S. a. Ujhely gemeldet wird, hat sich die Gemeinde daselbst, die bis jetzt Status quo gewesen, als orthodoxe Gemeinde konstitüirt. Ujhely zählt zu den bedeutendsten Gemeinden Ungarns. Wenn Herr Reich die Statuten genehmigen wird, so wird ihm ein thatkräftiger Genosse erstehen in der Person des Ujhclyer Oberrabbincrs, der gewiß, den Fußstapsen seines großen Vaters folgend, gegen manche Ungeheuerlichkeiten frei und offen aujtvctcu wird. Frankreich. ־ *** Paris, 30 August. Mit der Laiisirung der hiesigen städtischen Schulen hörte selbstverständlich der Religionsunterricht aller Konfessionen ans. Die betreffenden jüdischen Kinder fanden Gelegenheit, die Elemente der Israelitischen Religionskmntniß sich durch den Talmnd-Thora-Kursns zu verschaffen, welcher vor fast 5 Jahren von Herrn Dr. mcd. Theodor Klein und Genossen, vor allen von -den ehemaligen Schülern der Frankfurter Rcligionsgcscllschaft, hier für Knaben und Mädchen gegründet wurde. Derselbe, welcher vom Bcginne an unter der Leitung des Korrespondenten des ״Jeschurun" steht, erfreut sich fortwährenden WachsthumS und Gedeihens. Das Konsistorium, dessen Großrabbiner und Mitglieder sich wiederholt sehr anerkennend über diese Anstalt ausgesprochen, hat jetzt die Gründung eines ähnlichen Kursus im dritten Arondissemcnt versucht, um wenigstens einmal wöchentlich den Wünschen der jüdischen Eltern in jenem Stadtthcile gerecht zu werden. Rußland. ..x. Petersburg, 26. August. Die russische Hauptstadt zählt 50 000 jüdische Einwohner. Man

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