Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1886-09-02 · Heft 35 (2.9.1886) · p. 551

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 35 (2.9.1886)
Article
Aus der Amsterdamer Gemeinde
Date
1886-09-02
Page
551 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2932754-2933154-2933189-2966813--22814-2966861
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

551 Verstorbene hat in der Rapenburgcrstraat auf dem BuSschuttershofje gewohnt. Die Kabronim trugen die Leiche aus der Wohnung, setzten sie auf die Tragbahre und auf den Sarg ein Gestell, welches mit einem schwarzen Tuche bedeckt wurde, an dessen einer Seite der Degen des Verstorbenen und an dessen anderer Seite die Scheide und seine Epaulctten befestigt waren. Dann wurde er von den Kabronim bis vor das Gebände der Synagoge der vormaligen sogenannten Neuen Gemeinde getragen, wo jetzt das Konsistorium seine Versammlungen abhalt und wo die Leiche von vielen christlichen Soldaten und Offizieren erwartet wurde. Die Leiche blieb ungefähr eine "halbe Stunde vor dem Gebäude stehen, da man im Hause eine kleine Erfrischung bekam. Da auf einmal gab der berüchtigte Jakob Marcus Ordre zum Ausmarschiren. Hierauf hoben die christlichen Soldaten und nur zwei vom Judenkorps, von welchen beiden einer ein Kohen war, die Bahre auf ihre Schultern. Ganz voran ging Jemand mit einer Opferbüchse, ihm folgten die Waisenlinder und hinter ihnen ein Detachement Soldaten mit einer Trauertrommel, auf welcher der Lcichenmarsch geschlagen wurde. Bevor der Zug sich in Bewegung setzte, feuerten die Soldaten eine Salve. Hinter der Bahre gingen טעבלי לעטיטן, der Bote des Konsistoriums mit seinen Insignien, doch ohne Trauermantel, hierauf der Präsident des Konsistoriums H. H. de Lemon, zu seiner Rechten der Vizepräsident der Parnassim, Philip Isaak de Jough. zu seiner Linken der Präsident der Armen Verwaltung, Samuel Moses Metz, nach ihnen der berüchtigte Bandit Jakob Marcus mit dem Kapitän des Judenkorps Boas und dem ersten Lieutenant Cantor, dann die christlichen Offiziere 11. s. w. Als man an das Boot kam, übergaben die Soldaten die Leiche wieder den Kabronim, doch erst schossen sie wieder eine Salve. Die Kabronim setzten die Leiche ins Boot nieder, doch als sie absahren sollte, wurde von den Soldaten zum dritten Male eine Salve abgegeben. Hiermit war die Zeremonie beendet. Nun kann man sich denken, welch ein Spektakel im Judenviertel war. Als die Menschen nach Haus kamen, haben sie Ach und Weh gerufen: Weh', Weh', daß wir so Etwas erleben muhten, daß solche Sachen in Amsterdam geschehen, daß die letzte Ehre einem Verstordenen auf christliche Weise erzeigt wird! Wohin sind wir gekommen! Auf dem Begräbnißplatze zu Muiderberg ging es sehr gut zu, weil. das Begraben von den Kabronim besorgt wurde. Dort war weder Militär noch Jemand von den Befehlshabern über die Inden zugegen. Mittwoch, 20. Dezember, wurde ein Anfang gemacht mit dem Ausrusen der Armen, welche an der Vertheilung von Torf oder Mazzoß partizipiren, um des Abends in der Parnassimversanuntnng zu erscheinen. Hier saßen vom Konsistorium: C. Asser und I. de Meyers; von Parnassim : Jon. van Gelder und I. I. Jakobs; von der Armenverwaltung: S. Moses Metz, S. de Jongh McycrS und MoseS Simon Levin. (Fortsetzung folgt.) Wandelungen. von Friedrich Nott. (Nachdruck verbot«». (Fortsetzung.) ״Bewahre der Himmel! er haßt ihn, und Anfangs, bevor ich ihn entlarvt, da hat er das arme Kind nicht selten unter den nichtigsten Vorwänden mißhandelt. Jetzt freilich läßt er es in Frieden, weil er meinerseits die Veröffentlichung seines Betruges fürchtet." ״Doch diese Furcht erlischt mit Ihrem Leben, and mag das Vermögen Ihres Kindes noch so sicher angelegt sein, es selbst wäre in diesem unglücklichsten Falle schutzlos den Händen seines ärgsten Feindes überliefert." ״Entsetzlich!" murmelte Tirza schaudernd. ״Giebt es denn kein Mittel, dem Schrecklichen vorznbengen?" ״Allerdings giebt es ein Mittel — aber nur ein einziges. — Sie müssen sich entschließen, der Wahrheit die Ehre zu geben." ״Unmöglich! — Ich bitte Sie um Gotteswitlen, Herr Doktor, bedenken Sie die Schande — die furchtbare Schande." ״Nur den Schuldigen trifft die Schande!" ״Nur der Schuldige verdient die Schande, aber sie trifft auch den Schuldlosen, den vollständig Reinen. Sie träfe nicht nur mich, sie träfe auch den Namen meines seligen Gatten und meiner Schwiegereltern und meine armen nnschutdigen Kinder! — wenn eS bekannt würde, daß ihre Mutter so tief gesunken." ״Aber Sie sind nicht gesunken," rief Walther ungeduldig, ״kein Mensch finkt durch das an ihm verübte Verbrechen." ״Das beruht auf Anschauung. Aber ich bitte Sie um Gotteswitten, Herr Doktor, rathen Sie mir, wie kann ich mein Kind der Gewalt seines Feindes entziehen? — Seines TodseindeS," fügte sie in sich erschauernd hinzu. ״O, gewiß würde er mich nicht mehr fürchten, er wäre im Stande, ihn zu ermorden — er ist zu Allem fähig." ״Und außer Ihnen könnte Keiner seine PersSntichkeit identifiziren? ich meine, Nachweisen, daß er nicht Ihr Gatte, sondern Ihr Schwager?" Sie schüttelte verneinend das Haupt. ״Seine Mutter starb an demselben Tage, an dem ich ihn

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.