Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 35 (2.9.1886)
- Article
- Das "Deutsche Adelsblatt"
- Date
- 1886-09-02
- Page
- 546 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2932754-2933154-2933189-2966810--22802-2966856- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
546 aber vielleicht leitet mich ein dnnktcS Gefühl doch auf die richtige Fährte und ich begrüße in dem Verfasser Ln schuldiger Ehrfurcht ״den Stöcker der Aristokratie".' I«, die ritterliche ״Feinfühligkeit", daS ist die Hauptsache. Ich besitze zwar keine Spur davon und kann mir deshalb auch keine Vorstellung davon machen; aber eö muß doch etwas Gewaltiges sein. Ich glaube, sie ist der Urheber der größten Heldenthatcn edlen NitterthumS. War sie cs denn nicht, welche den Ausbund heldenhafter Ritterlichkeit zu jenen staunenSwerthen Unternehmungen, begeisterte, die von Cervantes noch den spätesten Engeln überliefert sind? Der edle Ritter des Adelsblattes hat sicherlich ein vicrblättriges Kleeblatt im Koller, welches nach dein Volksglauben hellsehend macht und Dinge zeigt, die dem gewöhnlichen Auge unstndbar sind. So schaut er ״die Hochburg Israels" auf dem ״Forum der Weltstädte", ״umgeben von den Palästen ihrer(?) Großen." Er schaut ״den Ind', der dem Nachbar in Wien, London und Paris die Hand zur Zertrümmerung der christlichen Gesellschaft, der christlichen Monarchie reicht!" Ich bin freilich nicht ״der Jud'", der eine so lange Hand hat, um sic nach Wien, London und Paris auSzustrccken, aber doch ein Jude, der so ziemlich die Welt kennt und namentlich mit jüdischen Verhältnissen nicht ganz unvertrant ist. Von ״der Hochburg׳ Israels" habe ich aber noch niemals etwas gehört und trotz der nähern Beschreibung ihrer Lage, weiß ich absolut nicht, wo ich sie suchen kann. Ich wäre dem edlen Ritter sehr verbunden und er wird sicherlich auf den Dank der gesummten Judenschaft rechnen können, wenn er uns mittheilen wollte, wo diese Hochburg Liegt. Und nun gar von ״dem Jud'", der sich zu dem Verbrechen der Zertrümmerung der Gesellschaft und der Monarchie mit auswärtigen Spießgesellen verbunden haben soll, habe ich und ganz bestimmt kein einziger Jude eine Ahnung. ES ist doch Unrecht von dem Adelsblatt, daß cS diesen schrecklichen Spitzbuben nicht der Polizei demmzirt, damit sie ihn dingfest macht. Alles, was in diesem Aussatze aufgetischt wird, ist nichts als eitel Fabel und Wahngespinnst, welches als Weiberklatsch und Ammenmärchen gelten könnte, wenn demselben nicht eine sehr zielbewußie Absicht zu Grunde liegen würde und zwar keine geringere, als die Inden zu Auswürflingen der Gesellschaft zu stempeln. Eitel Fabel und Wahngespinnst ist das Geschwätz von dem Streben nach einer jüdischen ״Weltherrschaft" und die Organisation der ״Alliance Jsraelite" als das Geheimmittel Israels zur Unterjochung der Welt. Aber perfide Lüge ist eS, wenn man das Judenthum ״ ׳Haß gegen das Christenthum predigen" lassen will, wenn man die Juden als die Zerstörer der Gesellschaft zu stigmatisiren sich bemüht. Das ״Deutsche Adelsblatt" will die Juden in die gesellschaftliche Acht erklärt haben und giebt dem deutscheu Adel in dieser Richtung genaue Verhaltungsmaßregeln. Ich will ihm dieses Vergnügen gewiß nicht stören und scheide mit der Versicherung, daß ich mir von dem Edelsinn und der KömgStreue, der Wahrheitsliebe und der Feinfühligkeit dcS deutschen Adels doch eine ganz andere Meinung gebildet hatte, als von dem Aufsätze über den deutschen Edelmann und das geadelte Judenthum bestätigt wird. Wenn die hier zur Schau getragenen Anschauungen diejenigen deS deutschen Adels wären, was ich aber ganz bestimmt nicht glaube, so hätte man in der That sich wohl zu überlegen, ob man den Eintritt in diese Gesellschaft als eine Auszeichnung betrachten könnte. Der ianere WM. Betrachtung von Lndwig A. Nosenthal, Rabbiner zu Nogasen. Dem hohen Ernste des EllnlmonatS entsprechend, vernehmen wir in unfern Thoraabschnitten die Stimme dcS von seinem Volke scheidenden Führers; er führt in ergreifender Weise dem lauschenden Israel nochmals die Pflichten vor die Seele, die im Heiligen Laude dem Leben der Gesammtheit, wie des Einzelnen unerschütterliche Stützen sein sollen. *n שופטים ושוטרים תתן לך בבל שעריך אשד ״ אלקיך נותן לך לשבטיךRichter und Vögte sollst du an all deine Thore setzen, welche der Ewige, dein Gott, dir, deinen Stämmen gemäß, gegeben hat," so beginnt unser Thoraabschnitt, und der של״ה bemerke dazu: תגן בטי יצירה שערי הנפש עינים אונים ופת. שטת שיים ״ האדם שופטים ושוטרים שישפוט את עצמו תסירIm Buche Iczira werden Augen, Ohren und Mund Thore der Seele genannt. Dorthin soll der Mensch Richter und -Vögte setzen, soll sich selbst zu jeder Zeit ein Richter sein." Auf eigenthümlichen Wegen muß Rabbi Ieschaja Hurwitz zu dieser Deutung gelangt sein, da doch die Thora hier, ohne sinnbildlich zu sein, nur von den Lhatsachlichen Richtern spricht, die am Stadtthore ihres Amtes zu walten haben. Und doch wird gerade diese Deutung ein Beweis sein können, wie tief der Derfasser des של״ה den Zweck der Thorabestirnmnngen überhaupt erfaßt hat, ohne dem Schristworte seinen buchstäblichen Sinn zu rauben. Weshalb ist den Vertretern des Gesetzes wohl der Ort vor dem Stadtthore angewiesen worden? Die