Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 34 (26.8.1886)
- Article
- Frankreich : Paris [Nachricht]
- Date
- 1886-08-26
- Page
- 540 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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540 hat etwas Erhebendes, gerade in dieser Zeit der Tröstungen, zwischen Tischobcaw und Roschhaschonsh, die Einweihung eines Gebäudes zu sehen, das, ein מקדש מעט, gewissermaßen die Erinnerung an das Heiligthum in Jerusalem erwecken und eine kleine Nepräsentan; desselben sein soll. Wir wünschen, daß die. frommen Besucher, die setzt in dem kleinen Vetsaale nur spärlich zu sehen sind, in dem neuen Hause bald mit dem Propheten die Worte der heutigen Haphtanroh sprechen können: צר לי המקום, der Raum ist zu eng geworden. England. M London, 12. August. Sie haben kürzlich einen Auszug ans der ״Revue des den; Mondes״ über das Drumond'sche Schandwcrk ״La France Juive" gebracht. Ich erlaube mir, Ihnen in Kürze mitzutheilen, wie sich die ״Whitehall Review" über dieses Pamphlet ausdrückt. Es heißt hier: ״Wenn es Drnmond'S Absicht gewesen ist. zu zeigen, wie die Juden das Meisterwerk Satans sind, so war er doch zu verschwenderisch, ihnen den Löwcuantheil an der Schlange Sünde zuzusprechen. Jede einzelne Verschuldung, welche er auf das Judenthum beschrankt, kann ebensowohl gegen Katholiken und Protestanten geltend gemacht werden." Es wird dieses an Beispielen nachgewiesen. Wahrlich, es giebt nichts VerabschcuungSwürdigereS, als das heuchlerische Gebühren jndcnfeindlicher Literaten, die allgemein menschlichen Schwächen einem einzelnen Stamme vorzuhalten, als ob man selber über dergleichen erhaben und gegen jeden Fehl gefeit wäre. Es ist ein nicht zu bestreitendes Faktum, daß unter den arischen Familien keine einzige zu finden ist, welche der semitischen Jakobsfamilie an Tugend und moralischer Anlage als nachahmungSwerthcS Beispiel hingestellt werden könnte. Was die arische Welt an Moral und Geist heute als ihr Eigenthum schätzt, hat sie aus semitisch-jüdischen Händen empfangen. Rußland. >5 Warschau. 17. August. Ein grausiger Fall von Lynchjustiz wird dem ״Berl. Tagebl." aus dem polnischcn Flecken Prshissucha (Russisch-Polen) gemeldet. Dort hatte in der Nacht vom 27. zum 28. Juli ein Brand mehr als 120 Häuser vernichtet; drei Kinder und eine Frau kamen in den Flammen um, etwa 2000 Personen blieben ohne Obdach. Am anderen Tage brach in dem Nachbardorfe gleichfalls Feuer aus, welches 30 Häuser einäscherte.. Die Bewohner bemerkten den Juden Woljanskij von dem Brandorte weglaufend und schloffen aus irgend einem Grunde auf eine von ihm verübte Brandstiftung. Um ihn zu schützen, wurde Woljanskij von der Polizei im Arresthause eingcsperrt. Doch die erbitterte Volksmasse erbrach die Thür des Gefängnisses, holte den Woljanskij heraus, schleppte ihn, ungeachtet des Widerstandes der Dorfbchorde und Polizei, zur Brandstätte und warf ihn in die Flammen. ES gelang dem Unglücklichen dreimal, aus dem Feuer- Heerde herauszuspringen, er wurde aber jedesmal von der Menge wieder in die Flammen zurückgestoßen, wo er umkam. Er hinterläßt eine große Familie. Vor etwa zwei Jahren soll er schon eine Brandstiftung verübt haben; er galt übrigens für schwachsinnig; nach anderer Lesart soll er sogar nach der ersten Brandstiftung als irrsinnig dem Irrenhause übergeben und von dort erst vor Kurzem entlassen sein. * Warschau, 17. August. Neuerdings ist in Rußland mehrfach die Frage vcntilirt worden, ob eS sich nicht empfehlen dürfte, die Anzahl der israelitischen Rechtsanwälte auf ein Minimum zu beschränken. Inzwischen gehen einige Gerichtshöfe selbständig in dieser Angelegenheit vor; so z. B. hat in diesen Tagen die Gerichtskammer zu Kiew eine Entscheidung dahin getroffen, daß ein Herr Kuliszer, ein Israelit, nicht zu den Gchülfen der vereideten Advokaten gerechnet werden solle, wiewohl derselbe Dr. juris ist (Pos. Ztg.) * Warschart. Nach dem Ergebnisse der letzten Bolszählung hat Warschau 431864 Einwohner, da׳ runter 146 246 Israeliten. * Nostow. Ucber die von uns bereits ausführlich gemeldete Ordre in Betreff der Vertreibung der Juden aus dem Dänischen Bezirk schreibt der Petersburger Korrespondent der ״Politischen Korrespondenz" folgendermaßen: ״Die bedeutende Handelsstadt Rostow am Don, welche bisher zu dem Gouvernement JekaterinoSlaw gehörte und kürzlich dem Lande der donischen Kosaken einverleibt wurde, besitzt eine äußerst gemischte Bevölkerung. Das russische Elemene tritt daselbst stark vor dem eingewanderten und dem jüdischen zurück. In großer Zahl leben in Rostow auch Griechen, Türken und andere Orientalen. Der bedeutende Handel der Stadt befindet sich vollständig in den Händen der Juden und Griechen. Mit der Einverleibung Rostows in das Land der donischen Kosaken entstand die Frage, was mit den Juden geschehen sollte, die nach den destehenden Gesetzen nicht das Recht besitzen, in dem Lande der donischen Kosaken sich dauernd aufzuhalten oder gar ansässig zu werden. Man war der Ansicht, es würde für Rostow eine Ausnahme gemacht werden, weil daselbst die Juden zahlreiche Immobilien besitzen, und fast der ganze Handel sich in .ihren Händen defindet. Die antisemitische Strömung, die gegenwärtig iin Süden Rußlands herrscht, hat jedoch über alle Billigkeits- und Gercchtigkcitörücksichten die Oberhand gewonnen, indem die Entscheidung getroffen wurde, daß die Juden Rostow verlassen müssen, und zwar unter