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Jeschurun · 1886-08-26 · Heft 34 (26.8.1886) · p. 539

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 34 (26.8.1886)
Article
Deutschland : Oettingen [Nachricht]
Date
1886-08-26
Page
539 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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539 üblichen Gebühren das HeimathSrecht in hiesiger Stadt zu verleihen. Oesterreich - Ungarn. k. Neutra, August. Die Lorbcrcn eines Sterenyi in der Hauptstadt lassen die großen Geister in der Provinz nicht ruhen. Sie müssen der Welt zeigen, daß auch der Provinzler auf der ..Höhe der Zeit" steht. Herr Advokat Dr. jur. Armin Kallay (wie Stercnyi, sein großes Vorbild, eigentlich Stern heißt, so sührt dieser große Mann eigentlich den ganz schlichten Familien- «amen Kaufmann) hat sich an die Spitze eines ..AgitationS-Komitee" gestellt und fordert in einem fulminanten Manifeste zur ״Bildung einer dem Zeitgeist entsprechenden neuen Kultusgemeinde" auf. Ich bin, — so spaßig die Geschichte an und für sich, wenn man die Personen ansicht, welche hier gleichsam als NeligionSstifter oder Neligionsordncr austreten, — nichts weniger als beruhigt wegen dieses Vorgehens. Es giebt leider nichts so ThörichteS und Ungereimtes, welches nicht seine Gläubige finde. Das ״Ich glaube weil es absurd ist" ist nur zu oft eine Wahrheit. Holland. l-t Rotterdam, 16. August. Die wunderbare Rettung eines Menschenlebens bildete jüngst das Tagesgespräch in dem benachbarten Seebade Schevcningcn. Durch Vermittelung des holländischen Konsulats in London wurde nämlich ein Kranker dorihingebracht, welchen ein von Melbourne kommendes englisches Schiff, auf offener See auf einen Balken treibend, gefunden und ausgenommen hatte. Während ihm aus dem Schiffe die sorgfältigste Pflege zu Theil wurde, gelang es dem Arzte, von seinem Patienten in lichten Augenblicken herauszubekommen, daß er in Schcveningcn Verwandle habe. Die nach Ankunft in London angestcllten Nachforschungen ergaben, daß der Gerettete der Sohn einer Wittwe H. im Haag sei, die in Schevcningcn Blutsverwandte besitze. Der Sohn hatte seiner Mutter regelmäßig geschrieben, bis eines TageS aus Melbourne die Nachricht cintraf, daß er Plötzlich verschwunden sei. Da er gewohnt war, Seebäder zn nehmen, so nahm man allgemein an, daß er beim Bade verunglückt sei. Seine Mutter hat ihn bereits für tobt betrauert; nun ist er wie durch ein Wunder in ihre Arme zurückgekchrt. Er befindet sich bereits aus dem Wege der Besserung und erinnert sich jetzt ganz deutlich, daß er in Portville in der Bai von Melbourne ein Seebad genommen, dabei Krampf in einem Beine bekommen habe und fortgetrieben sei. Es sei ihm gelungen, einen Balken zu erfassen; wie lange er jedoch darauf hermngetrieben sei, kann er sich nicht entsinnen. Von den glühenden Sonnenstrahlen habe er viel zu leiden gehabt, und seine Geisteskräfte seien dadurch sehr angegriffen worden. Da er in Melbourne verheirathet ist, hat man seine Frau von seiner wunderbaren Rettung benachrichtigt. — Für ein jüdisches Blatt ist dieser Bericht von ganz besonderem Interesse. Es heißt nämlich אבן העזר ס״׳ יז" ל״ב (nach ראוהו שנפל לים אפילו :(יבמות קבא׳א׳ טבע בים הגדול אץ מעירי! עליו שמת שמא יצא ממקום אחר. Fürwahr במה גדולים דברי הבמים! Und gegen diese Gcistesheroen vermeinen Männer wie die רעים und דודים des Herrn Grandrabbin von Frankreich mit ihrem bischen Verstände ankämpfen zn können'?? p Rotterdam, 20. August. In Nr.!8 habe ich Ihnen von einem Dr. Josts Taubes aus Czernowitz berichtet, welcher wegen eines kolossal angclegten ÄnSwanderungSplaneS mit jüdisch-ritueller Verpflcgung während der ganzen Reife, im angeblichen Interesse für unsere unglücklichen rumänischen Brüder und als angeblicher Vertreter eines angeblich bestehenden Komitee's, hier Unterhandlungen leitete, dieselben aber plötzlich abbrach und nach London verduftete. Dieser vr. Taubes hat sich hier als streng religiös ausgegeben, so erkundigte er sich z. B. ob — man von Stroh Maaßer geben müsse, Pardon, das hat ja Esaw gethan, der Herr Doktor erkundigte sich im jüdischen Hotel, ob auch die Fische koscher seien, das hinderte ihn aber nicht, in einem nichtjndischen Restaurant Butterbrod mit Fleisch zu genießen; allerdings ist er ganz unschuldig daran, daß man es erfahren. Auch sonst kann ich mit einer ganzen Kollektion von Fällen dienen, aus denen seine wenig sreundschastlichcn Beziehungen zur Wahrheit hervorgchen.. Jetzt höre ich nun aus sehr guter Quelle, daß dieser Dr. Josef Taubes aus Czernowitz sich in London von den Missionären hat taufen lassen; mein Gewährsmann, der ihn von früher her kennt, weiß gar manche fett־־ fanic Dinge aus seinem Vorleben zu erzählen. Ich Halle es übrigens nicht für unmöglich, daß der ehrenwerlhe Tanbeö das gleiche Geschäft noch ein Mal macht, denn einträglich, und das ist doch der ncrvus rcTum, ist cö für diese Taufkinder ja jedesmal auss Neue. Ihre Patrone dürfen, wenn sic es erfahren, schon ans Furcht vor der Blamage, keinen Lärm schlagen, nnd schließlich giebt es doch stets eine Nummer mehr in der Statistik ihrer Täuflinge. Ob sein ״Erzieher seines Töchterchens" alias ״Diener" alias ״Freund" Nußbaum ihm auch bei diesem Geschäfte zur Seite stand, ist mir nicht bekannt. Frankreich. *** Paris, 15. Aw. Der durch die Freigebigkeit der Frau Heine gespendete Prachtbau der Versailler Synagoge wird vermuthlich vor Roschhaschonoh vollendet und der Benutzung übergeben werden. ES

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