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Jeschurun · 1886-08-26 · Heft 34 (26.8.1886) · p. 533

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 34 (26.8.1886)
Article
Eine Rede des Rabbi Jecheskel Landa
Date
1886-08-26
Page
533 (sequence 2)
Language
German
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533 Brüder, habet ihr an dem heutigen Tage nicht nöthig, daß euch ein Prediger auftritt, um euch zur Trauer zu mahnen, da ihr von euch selbst fühlt, daß nnsereS Sandes Sonne erloschen ist.-ES ist unnöthig, euch zum Weinen und Wehklagen anfznmnntcrn, denn die Zeit trauert schon von sich selbsten, da unsere großmächtigste, durchlauchtigste Frau Kaiserin und Königin, Maria Theresia, deren unverfälschte Tugenden, unbegrenzte Menschenliebe, Gnade, Wohlthateu und mutterliche Negierung nicht nur die österreichischen Staaten, sondern auch benachbarte Reiche in Europa, ja selbst entfernte Länder fremder Weltthcile, bewundert und gepriesen haben, die Schuld der Natur bezahlt und von uns geschieden ist."-— ״Mithin, meine Brüder, seht Ihr, daß der König Salomo recht gesagt hat: eS ist eine Trauerzeit, d. i. eine Zeit, die an sich selbst traurig ist, ohne die Leute zu ermahnen, daß sie traurig sein sollen. — Aber Salomo sagt auch: עת רקוד, eS ist eine Frcndenzeit, die an sich selbst, ohne daS inan nöthig hat zur Lustbarkcit zu erwecken, freudig ist. Können aber diese Beiden zugleich sein? Können wir zugleich traurig sein und uns freuen? Der weise Prediger Salomo sagt ferner: Die Sonne geht auf und die Sonne geht unter. Welche Worte unsere Gelehrten in sittlichem Verstände dahin wollen ausgedcutct haben, daß eher und bevor durch die allerwcifcste Verordnung Gottes die Sonne eines großen der Welt höchst vorthcilhasteu Menschen untergehc. d. i. eher und bevor er selbst von dieser Welt fahre, scheinet schon die Sonne eines Andern. Gott erweckt schon zuvor einen Andern, ihm an Tugenden und Vortrcfslichkcit Gleichen. Also leuchtete schon die Sonne Salomos, ehe noch die Sonne Davids untergegangen. In einem ganz ähnlichen Falle befinden wir uns heute, meine Brüder. Ehe noch die Sonne unserer allerdurchlauchtigsten Landcsmuttcr untcrging, schien schon die Sonne ihres durchlauchtigsten, größten und würdigstcn Sohnes, unseres großmächtigstcn Kaisers und Monarchen Joseph deö Zweiten, deß Majestät werde erhoben und dessen Macht steige immer mehr empor. Gleich die Sonne von Jedermann in der Welt gesehen wird, und von ihrem Lichte und ihrer Wärme alle Geschöpfe erquickt werden, eben also ist der glorreiche Name und Ruhm unseres durchlauchtigsten Kaisers Joseph des Zweiten bei aller Welt bekannt.-Wie glücklich haben wir uns also zu schätzen, daß wir uns Unterthanen eines so großen, vortrcssliche.n und mit allen vollkommenen Herrschcrtugendcn, gelehrten Monarchen nennen können, eines Monarchen, durch dessen Milde und Gerechtigkeit so viele Länder beherrscht werden, dessen nur Huld und Gnade anzeigendes Antlitz allen glücklichen Unterthanen gleichsam ein neues Leben verspricht. — Wir haben also auch eine Zeit der Freude und des Frvhlockens, folglich habe ich nicht Unrecht mit dem Prediger Salomo von עת ספור und עת רקוד zugleich zu reden. (Schluß folgt.) Manhelnuges. von Friedrich Rott. ,-.-v-.(Nachdruck Verb otcn. (Fortsetzung.) ״Sie sind Wittwc?" fragte Walther voll Thcilnähme. Sie murmelte einige unverständliche Worte, blickte schen um sich und versuchte, sich von der Bank zu erheben, doch ihre Kräfte versagten. ״Wollen Sie sich doch vor Allem erholen, sobald Sie sich wohlcr fühlen, werde ich Ihnen einen Wagen besorgen, der Sie zu Ihrer Wohnung führt. Doch augenblicklich wage ich cs noch nicht. Sie hier allein zu lassen." Sie murmelte abcrinalS einige Worte; er suchte durch freundlichen Zuspruch ihre Erregung zu beschwichtigen und allmählich gelang eS ihm auch, sie in ein Gespräch zu ziehen; im Lause desselben nannte er ihr seinen Stand und Namen. Sie blickte vertrauenövoll zu ihm aus. ״Sie sind so gütig, mein Herr, so sehr, sehr gütig." ״Bitte sehr, es freut mich außerordentlich, daß ich in der Nähe war, als der unangenehme Anfall Sie traf. Wenn Sie sich jetzt wohl genug fühlen, um einige Minuten hier allein verweilen zu können, so werde ich Ihnen eine Droschke besorgen." ״Ich danke Ihnen, mein Herr — Sic sind so außerordentlich gütig, daß ich —" sie zögerte einen Moment, fuhr jedoch gleich darauf fort, ״daß ich eS beinahe wagen könnte, eine große Bitte an Sie zu richten." ״Es würde mich innigst freuen, Ihnen gefällig sein zu können." Sie überlegte einige Augenblicke. ״Es ist eigenthümlich — ich hatte bisher noch nie die Ehre Ihrer Bekanntschaft — und dennoch habe ich solch inniges Vertrauen sowohl zu Ihrer Einsicht als zu Ihrer Güte —" ״Es würde mich aufrichtig freuen, wenn mir Gelegenheit geboten wäre, Ihr Vertrauen zu rechtfertigen." ״Wenn ich eS wagen dürfte, in einer äußerst wichtigen Angelegenheit mir Ihren Nath zu erbitten — wenn Sie mir vielleicht eine Zeit bestimmen wollten, zu der ich Sie belästigen dürfte — ich würde mich Ihnen außerordentlich verpflichtet fühlen."

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