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Jeschurun · 1886-08-19 · Heft 33 (19.8.1886) · p. 527

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 33 (19.8.1886)
Article
Erkannte Irrungen
Date
1886-08-19
Page
527 (sequence 2)
Language
German
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527 haben und ihn zu der Hoffnung auf eine ruhmreiche Karriere berechtigten. Darum befand er sich auf dem Wege zur Kanzlei des Herrn Doktor in der angenehmsten, zuversichtlichsten Stimmung. In der Kanzlei erfuhr er, der Herr Doktor sei noch nicht von der Villa hereingekommen. Rafael wurde besorgt; wer weiß, ob..Herr Friede nicht durch den physischen Zustand Hedwig's auf der Villa znrückgchalten werde, die große Erschütterung konnte einen nachhaltigen, schlimmen Eindruck aus die Nerven des Mädchens zurückgelassen haben. Doch er beruhigte sich mit der Ueberlegung, daß die Anwesenheit des Doktors in der Villa auch in dem allgemeinen Gefühle moralischer Deprimirung. unter welchem die Familie derzeit noch stehen müsse, ihre logische Begründuug finde; dieses moralische Unbehagen verleidet sicher dem rastlosen Manne die Aufnahme der regelmäßigen Arbeit und läßt ihn die Abgeschiedenheit im engen Familienkreise dem lärmenden Stadtgetriebe vorziehen. Das war ihm ein Grund mehr, ihn zu bestimmen, sich unverzüglich in die Villa zu begeben. Er wußte, wie peinvoll es ist, einsam einer trübseligen Stimmung preiSgegeben zu sein, und wie dankbar in einer solchen Lage Alles begrüßt wird, was einige tröstende Anregung verleiht und den trüben Gedanken eine andere Richtung giebt. Er nahm daher eine Ikohnkutsche und ließ sich ins Gebirge fahren. Er traf das Friedc'fchc Ehepaar beisammen; Richard Friede stand am Fenster, mit ans dem Rücken gekreuzten -Händen, die Frau Dvktor saß in einem Fauteuil und blickte mit roth geweinten Augen vor sich nieder. Beim Eintritt Rafaels fuhr der Hausherr heftig auf und blickte ihm mit einem halbfragenden, halb finstern und ganz unfreundlichen Blick entgegen, ohne daß er sich von seinem Platze rührte. Doktor Friede erwiderte seinen Gruß mit einem stummen Kopfnicken und blickte ihn immer noch so an wie zuvor. Rafael wurde von diesem Empfang unangenehm be§ rührt, aber er erklärte sich ihn aus-der Stimmung, welche jetzt in der Billa herrschen mußte und deren Verschenchung ja der Hauptzweck seines Besuchewar. Einen Stuhl jedoch, meinte er, hätte man ihm trotz aller Verstimmung doch anbieten können und sollen. ״Empfangen Sie. meine Herrschaften/׳ begann Rafael, ״den Ansdruck meines wärmsten Beileids und Bedauerns über die unqualisizirbare Unverschämtheit, mit welcher gestern ein Bube in Offiziersgewand —11 ״Wen meinen Sie?" siel Doktor Friede gereizt ein. ״Wen anders sollt' ich meinen, als Franz von —" ״Vergessen Sie nicht," rief Herr Friede mit hefliger Geberde, ״daß Herr Rittmeister von Colmar ein Freund meines Hauses ist; ich werde eö nie dulden, daß unter meinem Dache in dieser Weise von meinen Freunden gesprochen wird!" Rafael maß sein Gegenüber mit einem starren Blick, welcher zu sagen schien: Einer von uns Zweien muß verrückt sein, entweder ich oder du! Dann aber besann er sich eines Besseren, er erinnerte sich, daß Doktor Friede ja noch gar nicht den Sachverhalt kenne und demgemäß keine Ahnung davon habe, in welcher Weise Colmar erst kürzlich seine srenndschaftlichen Gefühle ihm gegenüber an den Tag gelegt hat. ״Üa so — ich habe ganz vergessen," hob Rafael nach einer kurzen Pause wieder an, ״Sie wissen ja noch nicht..." (Fortsetzung folgt.) Inserate werden die :;spaltige Petitzeile oder deren Raum mit 25 Pfg. berechnet. Für den Inhalt derselben übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung. JnsertionS. und Adonnementö.Annahme für Frankfurt a. M. auch bei Herrn I. Kauffmann daselbst, ohne Preiserhöhung. welche zum Beginn des WlntcrsemestcrS welche zum Beginn des WlntcrsemestcrS Elementar׳ und Religionslehrer zu engagiren wünschen, sind ersucht, sich an den! Unterzeichneten zu wenden. Rabbiner Dr. Plato, Köln.! Ein junges, bescheidenes Mädchen (Jüdin)! augenblicklich ohne Stelle, sucht uns sofort ' bei mäßigen Ansprüchen eine Selle, am! Liebsten bei einer einzelnen Dame oder zu > Kindern. Anfragen unter 8 31 an die j Exp. d. Zeitung. l Hotel-Restaurant raunschwei כשר Bad Homburg.! Lehrerseminar in Köln. * Aspiranten, welche mit dem' Beginn des Wintersemesters einzutreten wünschen, wollen sich baldizst unter Einsendung von; Zeugnissen und eines Lebenslaufes an : den Unterzeichneten wenden. Der Direktor Rabbiner Dr. Plato. In meinem Hanse können noch einige Knaben Ausnahme finden. Dieselben em. j psangen bei vorzüglichster Pflege eine sorgfäli tigc Erziehung. Xsaac Hirseli, Juliusstrasse 14. Juliusstrasse 14. כשר Restauration כשר Hannover, Artilleriestraße 29.! Meyer aus Halberstadt.

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