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Jeschurun · 1886-08-19 · Heft 33 (19.8.1886) · p. 526

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 33 (19.8.1886)
Article
Amerika : New York [Nachricht]
Date
1886-08-19
Page
526 (sequence 2)
Language
German
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526 schästSsinn und sehr wenig Neligionssiun bekunden. WaS vielfache Zerren an dem jüdischen Sabbath in Dort und Schrift hat den religiösen Enthusiasmus bei Vielen bedeutend abgekühlt, und es wurde ihnen der Sabbath und das Gotteshaus gleichgültig. Die beständigen Ncformpredigten in Neformgemcinden, die. der Belehrung und Erbauung bedürfen, haben überall die Gemeinden abgcschwächt und die Prediger verdächtig gemacht. Die immerwährende Negation auf der Kanzel, die alles Heilige verdächtigt und entkräftet, die Neligionsquellen in den Staub der herzlosesten Kritik hcrabzieht, statt Religion selbstgemachte Philosophie lehrt, statt zu erbauen, zu glänzen und zu überraschen beflissen ist, hat noch keinen Menschen religiös gestimmt, und ein Judenthum ohne Religion ist ein Hamlet-Drama ohne Hamlet; ein Iudenthum ohne seine heiligen Urkunden ist ein Bastard, dem Keiner besondere Aufmerksamkeit schuldig zu sein wähnt. Alle diese Faktoren haben zusammengewirkt, nicht etwa in Dr. Kohlcr's Gemeinde, sondern in sehr vieicn großen und kleinen Tempelgemciuden, den religiösen Sinn abzustumpfcn, und daher kommen die leeren Bänke in den Tempeln. Die Hauptursache aber liegt in dem. Ritus, der außerhalb der Minhag- Amerika-Gemeinden zum poesielosen, schwächlichen, schleppenden Protestantismen und fremdartigen Kultus herabgesunken ist. Die Kontur ist ängstlich nachgeahmt, aber eS fehlt daS orientalische Aroma, und in manchen Fällen ist nicht einmal die Kontur vorhanden, das jüdische Gemüth geht leer aus, und man muthct dem kulturbeleckten Halbjuden doch noch zu, am Sabbath regelmäßig den Tempel zu besuchen. So lange der jüdische Gottesdienst so protestantisch nnpoctisch angekränkelt und verschnörkelt ist, kann von einer Andacht in einer jüdischen Gemeinde die Rede nicht sein. Die Gemeinde erhebt sich, Die Gemeinde sagt Amen, Die Gemeinde verbeugt sich; Die Gemeinde sind Damen." So Herr Wisc. — Bedeutet dieses nicht die Bankeroterklärung der Nesorm in Amerika? Denn, Herr Wisc möge cS mir nicht übelnehmen, in dem ״Minhag-Amerika- Gemeinden^ ist es absolut nichl anders. ErksMle Irnmgen. Von Samuel Bcrthold Nosner. (Ällc Rechte Vorbehalten.) (Fortsetzung.) V. TagS darauf begab sich Rafael in daS Bureau des Doktor Richard Friede. Er wollte in erster Reihe sich nach dem Befinden HcdwigS erkundigen und des Weiteren ihn über die Einzelheiten des bedauerlichen Ereignisses, die ihm noch unbekannt sein mußten, aufklären. Mit diesen zwei Hauptbeweggründen waren aber die Motive dieses Ganges keineswegs erschöpft, eS war auch eine egoistische Regung mit im Spiele, Der Rückblick auf sein gestriges Auftreten erfüllte sein ManneSbewußtsein mit stolzer Selbstzufriedenheit; er war sich bewußt, würdig eines Mannes gehandelt und der gekränkten Ehre unbescholtener Menschen eine glänzcnde Revanche verschafft zu haben. War eS ihm nun zu verdenken, wenn eine Art edler Eigenliebe ihn in den Kreis dieser Menschen htnzog, in deren Mitte er daS Glück seines Lebens zu suchen halte, um vor sie m!t den erhebenden Gefühlen hintrcten zu können: nur haben diese geschätzten und geliebten Menschen ihr edelstes Gut, ihre Ehre, zn verdanken, ich habe sie mit meinem Leib und Leben gedeckt, mein Verdienst ist es, daß dieses holdselige Haupt sich nicht unter der Erinnerung an ein ungeahndet gebliebenes Bubenstück schamrot!) zu senken braucht!? War eS ihm zu verdenken, wenn er jetzt durch seine Gegenwart das Bewußtsein der Dankcspflicht auffrischen und die günstige Stimmung zu einer zarten Andeutung benutzen wollte, in welcher Weise man für daS Wagniß eines Lebens danken könne? Die Dankespflicht aufzufrischen! Als ob so etwas nothwcudig wäre. Die Erkenntlichkeit ist edlen Gcmnthcrn ein Bedürsuiß nach einer empfangenen Dienstleistung, und nach einer so hochwcrthigen vollends muß einem tugcndvollcn Herzen daS Dankgesühl mit derselben unwillkürlichen Nothwendigkeit entquillen, wie dem Blumenkelch nach erfrischendem Thaufall das Duftgcriesel. Und überhaupt ein Dank, wie er ihn im Auge hat.... ES müßte nicht mit rechten Dingen zugehen, Hedwig müßte eine unüberwindliche Ab- Neigung gegen ihn empfinden, wenn unter dem Einflüsse des letzten Geschehnisses nicht eine warme Neigung für ihn in. ihr erwacht sein sollte. War daS aber wahrscheinlich, ja sogar möglich? Er ließ einen beruhigten Blick an seiner stattlichen Gestalt hiuuntcrgleiten, und ein Lächeln umspielte seinen schönen Mund. Antipathie flößte er den Frauen nicht ein, dafür hatte er schon zahlreiche Beweise erfahren, unter welchen einer der überzeugendsten der unverhoffte Einblick in die Seele Ella's war. Und was die soziale Stellung anbelangt, die er seiner zukünftigen Lebensgefährtin würde bieten können, so glaubte er, daß auch diese geeignet wäre, den berechtigten Ehrgeiz eines Mädchens von der geistigen Qualität HedwigS zu befriedigen. Seine Eltern waren reich, wenn auch nicht in dem Maße, wie der rcnommirte Advokat; diese pekuniäre Differenz aber, sagte er sich, werde reichlich wett gemacht durch die glänzenden Erfolge auf dem Gebiete des Studiums, welche ihm bereits die Aufmerksamkeit weiterer Gelchrtenkreise zugezogen

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