Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 33 (19.8.1886)
- Article
- Pirqe avot
- Date
- 1886-08-19
- Page
- 517 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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517 Hohlheit und Nichtigkeit ihrer Reden und weiß, wie sie auf Unwissenheit und Entstellung der Wahrheit beruhen. Wisse auch, unter wessen Aussicht du deine ganze Lebensarbeit, lernend und übend, vollbringst, und wie Er, in dessen Dienst du arbeitest, dein treues Wirken nicht ohne segensreichen Erfolg sein lassen wird. *)15. Rabbi Tnrphon sagt: Der Tag ist . kurz, die Arbeit groß, die Arbeiter sind faul, der Lohn ist viel, der Hausherr drängt. DaS Leben ist kurz, und die Aufgabe, die zu lösen ist, ist für Jeden eine große. Gleichwohl sind die Menschen lässig in Erfüllung ihrer Aufgabe, jagen nach Genuß, als ob sie morgen sterben, und lassen sich mit Erfüllung ihrer Pflichten Zeit, als ob eine ganze Ewigkeit ihnen zu Gebote steht, und doch ist der zu c1> wartende Lohn ein vielseitig großer: das Bewußtsein der Zufriedenheit Gottes und seiner beglückenden Nähe, das süße Bewußtsein treu erfüllter Pflicht, der göttliche Beistand in diesem Leben und die unser erwartende Glückseligkeit im jenseitigen. Und wenn dies Alles unsere Trägheit nicht zu überwinden im Stande ist, so sollte der Gedanke der Dienstpflicht, die wir unserem ersten Dienstherrn schulden, uns zur muntern Thätigkeit spornen. Denn unser Dienstherr, Gott, läßt das Werk, das Er vollbracht wissen will, nicht an unserer Trägheit scheitern. . Was seine Gesellen nicht mit munterer Diensttreue vollbringen wollen, das weiß er trotz ihrer verdrossenen Widerwilligkeit zu erzwingen, und der Gang seiner Weltlcitung erzielt ihm muntere Knechte und willensfreudige Arbeiter für die Zwecke seiner Welthaushaltung. **)16. Er pflegt zu sagen: Dir liegt nicht ob, das Werk zu vollenden, du bist aber nicht befugt, davon müssig zu bleiben. Hast du viel תורה gelernt, gicbt man dir vielen Lohn und treu ist dein Arbeitgeber, dir den Lohn, deiner Leistung zu zahlen, wisse aber, daß der Lohn des Gerechten im Jenseits zu erwarten steht. DaS Gute, das Gott auf Erden vollbracht wissen will, ist nie für die Leistung eines Einzelnen berechnet, Jeder kann nur einen Bruchlhei! des Ganzen leisten, und nur durch das Zusammenwirken Aller kann das Heil geschaffen werden, das auf Erden erblühen sott. Allein, wenn auch Keiner ein Ganzes schaffen kann, so hat doch Jeder das voll und ganz zu leisten, was in seinen Kräften steht, darf Niemand sagen, was ich leisten kann, ist doch nur ein Geringes und darum die Hände in den Schooß legen. Für die Sache mag cS ein י* יכי:«•ישרן אומר היום קצר והמלאכה כרכה והפועלים עצ^ים והשכר הרנה וכעל הכית דרחק• י# הוא היה אומד sS ע^יך המלאכה ינמור ו^א אתה כן חורין ייהכסד1 ממנה אס למרת הורה הרכה נוהנין S!־ שיכר הרכה". ונאמן הוא הוא כעל מלאכתך שישלים לך שנר פ־נליהך ודע שמתן שירן hv צדיקים?1עתיר ליבוא• Geringes sein, für dich ist cs ein Großes, ist dein Alles, und bliebest du allein für das Gute, leiste dein treues redliches Tagewerk und überlasse cs deinem Meister, dein treu und redlich Geleistetes zu Andern; zu fügen, mit dem Er das Heilcswcrk seines Willens vollbringt. Und leistest du viel, sei es lernend oder übend, obgleich du mit dem Größten, das du leistest, das Maß dessen nicht überschreiten kannst, was von dir nach bet! dir verliehenen Kräften und Mitteln zu muartcn war, und die vollendetste Hingebung immer nur ein Bruchtheil des zu leistenden Ganzen bleibt, so wird dir dennoch je nach der Größe deiner Leistung ein großer Lohn. Ermiß aber den Lohn deS Guten nicht nach dem, waö dem Menschen in diesem Leben zu Theil wird. Der wahre Lohn des Guten blüht erst im künftigen Leben. (Fortsetzung folgt.) Mündelungen. von Friedrich Nott. ,. , (Nachdruck vcrdoieil, (Fortsetzung.) ״Ich Mttß mich Ihnen selbst vorstellen, liebes Fräulein. Mein Name ist Albertine, das ist für Sie genügend, denn als Adoptivtochter meines Vaters grüße ich Sie als Schwester und erlaube mir auch, Sie nur beim Vornamen zu nennen. Also, liebe Bella, herzlich willkommen, und sage ich Ihnen meinen aufrichtigen Dank, das; Sie unfern thenern Vater in seiner Besorgniß nicht allein gelassen haben." . Bella drückte herzlich die ihr dargcbotene Hand und bald befanden sich die beiden jungen Damen in so vertraulicher Unterhaltung, als hätten sie einander seit Jahren gekannt. Albertine, die über das Befinden ihres Kindes jetzt vollständig beruhigt war, plauderte in heiterster Weise. Sie hatte den vereinten Bitten ihres Mannes und ihres Vaters, sie möge nach der Aufregung und der Anstrengung der verflossenen Nacht vor Allem der Ruhe pflegen, nicht entsprochen, sie fühlte sich so überglücklich, ihr Kind außer Gefahr zu wissen und ihren Vater bei sich zu sehen, daß sie keine Müdigkeit empfand. Der Sanitätsrath aber hatte ihren Vorstellungen nachgegcben und sich auf ein Weilchen nicdergelegt. ״Allein hätten wir das wohl schwerlich durchgesetzt," fügte Albertine hinzu, ״aber mein Bruder hat meinem Vater zugercdet, und ihn; kann man so leicht nichts abschlagen. Haben Sie das nicht auch schon׳ gefunden?" Bella schien diese Frage zu überhören, sie hatte die dünne Goldkctte so beharrlich gedreht, daß sie