Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 32 (12.8.1886)
- Article
- Türkei : Salonichi [Nachricht]
- Date
- 1886-08-12
- Page
- 509 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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509 Türkei. * ©(lioitid)t. Wie einem jüdisch spaniolischen, 311 Konstantinopel erscheinenden Blatte berichtet wird, ist in Salonichi kürzlich ein exaltirter und anscheinend an seine eigene Fabel glanbender russischer Jude, der sich PinchaS-Elijah nennt, ansgetaucht und hat sich als der Vorläufer des Moschiach, als Elijah den Tisbiten, ansgcgeben. Merkwürdiger Weise fand der Mann bei dem ungebildeten Theile der Bevölkerung Glauben. Er veranstaltete pomphafte Umzüge unter Psalmengefangen und Schofartönen. Einer seiner begeistertsten Anhänger war eine Wittwe, welche vorgab und wahrscheinlich auch glaubte, daß ihr verstorbener Gatte ihr im Traum erschienen sei und die Aechtheit des vermeintlichen Propheten Elijah bestätigt habe. Da kam der Vorstand auf die vernünftige Idee, zur Beschwichtigung des fancitisirten Volks den Mann zu bereden, die Frau zu heirathen. Diese war gern einverstanden. Nach der Hochzeit aber wollte das Volk nicht mehr' an den Mann glauben, da Pinchas-Elijah als Hoher- Priester doch keine Wittwe ehelichen dürfte. Das Ehepaar hat darauf Salonichi verlassen. Erkannte Irrnngen. Bon Samuel Bert hold N osner. ''־ י' ' (.'Ule Nechte uorM;«ltcn.) (Fortsetzung.) ״Um des Himmels Willen, Franz." raunte der neben ihm sitzende Freund ihm inS Ohr, ״fasse Dich, sonst bist Du verloren." ״Laß nur," gab er hohl zur Antwort, ״es wird schon vergehen." Obwohl alle diese Vorkehrungen mit der Peinlichstm Vorsicht betrieben worden waren, gelang eS doch nicht, das Geschehene ganz zu verheimlichen. DaS geheiinnißvolle Hinn!ld Hergehen erweckte den Argwohn der Gesellschaft und man konstruirte die un׳ möglichsten Kombinationen. DaS Fernbleiben des Fräuleins, das Fehlen so vieler Persönlichkeiten, die früher anwesend waren und endlich die eilige Entfernung des Hausherrnpaares ließen als bestimmt vermuthen, daß sich hinter den Kulissen etwas Außerordentliches, wenn nicht gar Bedeutungsschweres zugetragen haben mußte. Eine gedrückte Stimmung herrschte im Salon, welche das Beisammensein als Vereine Last empfinden ließ; es zog Jeden aus dem Bereiche der Villa fort, über welcher ein unsichtbares hängniß zu schweben schien. Jeder' dachte nur daran, seine Haut in Sicherheit zu bringen, was aber ans denen werden sollte, die hier Stand halten mußten, und ob Diejenigen, denen man so viele genußreiche Stunden verdankte, nicht vielleicht eines helfenden und schützenden Freundesarmes benöthigt sein würden, das berührte nicht den Jdcenkreis eines Einzigen. Von den Hauöleuten zeigte sich Niemand, und so schlichen denn die Gäste ohne Abschied hinaus, bestiegen ihre Wagen und rollten von dannen. Der Abend, der so harmonisch begonnen hatte, endigte in einer schrillen Dissonanz. Am schrillsten aber klang diese Dissonanz in den Ohren des Ehe- Paars Friede, welches mit Wiederbclebnngsversnchen an der noch immer ohnmächtigen Tochter beschäftigt war. Obwohl die Verbindmigskcttc zwischen dem Momente, da sie ihre Tochter in Glückseligkeit schwelgend in den Park entließen, bis sie sie in dieser trostlosen Lage wiederfanden, ihnen noch verborgen war, so kombinirtcn sic doch aus dem plötzlichen Verschwinden Franz von Eolmars, Nafaels und der Frenndc Beider eine Bermnthnng, welche der Wirklichkeit ziemlich nahe kam. Das Bespritzen mit eiskaltem Wasser und die Versuche mit sehr starken Parfümerien brachten Hedwig endlich zum Bewußtsein: sie schlug die Augen auf. ״Was macht Ihr da?" fragte sie langsam, ihre Eltern mit einem verwunderten Blick fixirend. Dann richtete sie sich in sitzender Stellung auf und ließ die Blicke in staunender Nathlosigkeit durch den wohlbekannten Raum nmherirren, als suche sie etwas, was ihr die Situation enträthseln konnte. Plötzlich blieb ihr Auge starr an einem Punkt haften; sie schüttelte sich wie in einem starken Frostschauer — dann hob sie die Hände vor das Antlitz und brach in bitteres Schluchzen aus. * Die Wagen mit den Duellanten rollten indeß immer weiter und das Stampfen der Pferde, das Knirschen der Räder klang befremdlich und störend in den stillen Frieden der Thäler und Berge, über welchen das Mondlicht schneeweiß ruhte. Die Sekundanten spähten nach rechts und links, um einen verborgenen und passenden Ort zu entdecken. Endlich waren sie bei einem solchen nngelmigt. Es war eine düstereThalschlucht, welche Zwischen zwei schiefen, spärlich mit Tannen bestandenen Berghängen eingeklemmt lag. Mit traurigem Murmeln rann eine Wasserader von einem der Berge herab und sickerte, mit glitzernden Silberschnppen übcrsät, quer durch das Thal. DaS Vorhandensein von Wasser, welches bei einer voraussichtlichen Verwundung von großem Nutzen sein konnte, gab den Ausschlag für die Wahl dieses Platzes. Hier stiegen Alle zur Erde, und die Wagen wurden einige hundert Schritte vorwärts geschickt. Den von der Norm des Zweikampfreglements vorgeschriebenen Versuch der Sekundanken, eine gütliche Beilegung des Konflikts zu proponiren, unterbrachen beide Parteien entschieden mit der Versicherung der ,Fruchtlosigkeit einer jeden weiteren diesbezüglichen Bestrebung. Es wurde demnach die Festsetzung der Moda-