Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 32 (12.8.1886)
- Article
- Frankreich : Paris [Nachricht]
- Date
- 1886-08-12
- Page
- 508 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- Odesa 1× ep/1000834
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kamen aber aus der Feder des Korrespondenten des Pariser ״Figaro", des Herrn Masco, und die Redaktion des ״Liberal" hat ausdrücklich dazu bemerkt, das; sie die Meinung dcö Herrn BlaSco nicht theile. Bon dem Tage an, wo unser Volk die Juden, die cS säst gar nicht mehr kennt, wirklich kennen lernen wird, wird es dieselben nur hochschätzen, im Gegensätze zu den Jrrthümcrn einer Zeit, die heute glücklicher Weise weit hinter uns liegt. Rußland. * Warschau, 5. August. Nach der ״Hazcsirah" sind in den hiesigen Tabacksabriken!407 jüdische Arbeiter. Die Redaktion führt darüber Klage, daß in vielen von Juden errichteten Fabriken jüdische Arbeiter gar nicht oder nur in beschränkter Zahl Ausnahme finden. Die jüdischen Fabrikbesitzer sollten ihren Glaubensgenossen die Arbeitsstätten nicht verschließen und ihnen gern am Sabbath frei geben. Odessa, August. Im hiesigen Bezirke befinden sich an der Heilkunde beflissene Israeliten: 03 Aerzte, 0 Acrztinncn, 2 Thicrärzte, 9 Zahnärzte, 35 Hebammen, 10 Wundärzte, 19 Apotheker und 4 Apothekcnverweser. :||: Kamicnz (Podolicu), 4. August. Dem ״Woschod" wird von hier berichtet, daß ein Befehl ergangen ist, nach welchem alle Juden, welche nach, dem Jahre 1857 sich hier niedergelassen, binnen zwei Monaten die Stad! zu nteiden haben. * Torgvwige (Gouvernement Kiew), Ende Juli. Am Sonntag den!8. Juli fand in Torgowize Jahrmarkt statt, zu welchem eine Masse Bauern ans dem Umancr, Swenigorodcr und Elisabethgrader Kreise gekommen war. Zwischen den einheimischen und auöwartigcn Händlern kam eS bei dieser Gelegenheit zu Mißverständnissen. Die einheimischen Händler, großenthcils Inden, führten bereits früher bei der Ortsbehörde darüber Klage, daß die auswärtigen Händler — eben־ falls säst lauter Juden — ihnen große Konkurrenz machen, und petitionirten, den Letzteren den Handel auf den Jahrmärkten zu verbieten. In Berücksichtigung dieser Beschwerde verfügte der Urjadnik die Verlegung des Marktes für die auswärtigen Händler nach einem von der Stadt mehr entfernten Orte, so daß die einheimischen Händler ihren besonderen Markt hatten. In Folge dieser Maßregel rednzirten aber die auswärtigen Händler die Preise ihrer Maaren derart, das; sie alle Käufer nach ihrem Markte lockten. Die einheimischen Händler wendeten sich daher nochmals an ihre Ortsbchörde mit der Bilte, den auswärtigen Juden den Markthandel ganz zu verbieten. Um also allen weite-- reu Beschwerden ein Ziel zu setzen, ließ der Urjadnik nur solche auswärtige Händler zum Markte zu, welche sich durch entsprechende Handelsdokumente legitimire» konnten. Als derselbe auch am 18. Juli von den massenhaft zngeströmtcn Händlern die Dokumente verlangte, kam cs zu Streitigkeiten, in welche sich auch Fremde ein mengten. Dazu verbreitete sich noch unter den Bauern das Gerücht, daß nach einem kaiserliche,! Ukas der Zitz zu fünf Kopeken per Arschin verkauft werden müsse, aus welchem Grunde zwischen Käufern und Händlern ebenfalls Streitigkeiten entstanden. Die zweifachen Streitigkeiten nahmen bald einen ernsten Charakter an, so daß binnen wenigen Minuten der ganze Markt in Aufruhr stand. Unzählige Banden von 50 bis 100 Bauern stürmten pfeifend und johlend in die jüdischen Läden, wo sic Alles zerbrachen, zerrissen und vernichteten. Der Urjadnik rettete sich mit schwerer Mühe vor der ihn verfolgenden Menge in daö Haus des russischen Kaufmanns Smirnow, von welchem die Menge die Auslieferung desselben kategorisch verlangte, bis sie durch die Erklärung beschwichtigt wurde, daß der Urjadnik durch eine Hinterthür entflohen sei. Während der Unruhen fand gerade in der Stadtkirche ein Gottesdienst statt. Als der Geistliche JanowSki von den Unruhen hörte, begab er sich im vollen Ornate mit dem Kreuze in der Hand hinaus und forderte die Menge auf, ihre Unthaten cinzustellen. Die überzeugende Rede dcS Geistlichen verfehlte nicht ihre Wirkung, und die Bauern begannen, sich etwas ruhiger zu verhalten. Es wurden sofort Maßregeln getroffen, um den weiteren Zufluß von Bauern zu verhindern. Das Resultat der Unruhen war, daß acht jüdische Läden vollständig ausgeplündert waren und den Besitzern derselben ein Schaden von mehr als 20 000 Rubeln zngcfügt wurde. In Privathänsern 'der Inden wurde alles Meublement zerstört, und retteten sich die Meisten vor der wüthenden Menge in die Keller. Als die Ordnung wieder her-- gestellt war, langte der Kiewer Generalgonverncur im Städtchen an, welcher sofort eine strenge Untersuchung einleitete. Es wurden in zahlreichen Bauernhäusern Durchsuchungen vorgenommen, wobei eine Menge geranbter Maaren und werthvoller Gegenstände gefunden wurde, welche die Bauern nicht gutwillig ausfolgen wollten. In Folge dessen kam es zu heftigen Szenen zwischen der Polizei und den Bauern, welche zahlreiche Verhaftungen zur Folge hatten. (N. Fr. Pr.) - Nostoiv, 1. August. Bei der bevorstehenden Verschmelzung der Stadt Rostow am Don mit dem Gebiete der Dou'schen Kosaken, wo den Inden das Domizil untersagt ist, sollen dieselben auch das Aufeuthaltsrccht in der genannten Stadt verlieren.. Die Besitzer von Liegenschaften erhalten eine dreijährige Frist zur Veräußerung derselben, während die sonstigen Inden die Stadl binnen einem halben Jahre zu verlassen haben.