Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 32 (12.8.1886)
- Article
- Deutschland : Breslau [Nachricht]
- Date
- 1886-08-12
- Page
- 507 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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507 XX Brcslarr, 9. August. Ich beeise mich, Ihnen die Nachricht zukommen zu lassen, daß Herr Rabbiner Ti kt ni gestern verstorben ist. ת׳נ׳צ׳ב׳ה. üf 5tarjsrnhe, im Juli. Eine Frage von prinzipieller Bedeutung wird, wie die ״N. Bad. Landeszta." mittheilt, nächstens die Gerichte beschäftigen. Im Jahre 1601 starb in einem Landort an der bayerisch-würtemdcrgischen Grenze ein sehr reicher Israelit, welcher sein Vermögen zu gleichen Theilcn seinen zwei Neffen, sowie einer Nichte seiner verstorbenen Frau, vermachte. Doch wurde gleichzeitig im Testamente bestimmt, daß dieselben Sicherheit zu leisten haben und eine endgültige Entscheidung durch ein Kodizit, welches beim Gericht hinterlegt und erst am Todestage des Erblassers in 25 Jahren eröffnet werde, getroffen wird. Am 27. v. M. wurde nun dies Kodizill eröffnet, und der Inhalt dcöselben besagt kurz und deutlich, daß die Erben des über 1 000 000 -//׳׳. betragenden Vermögens dasselbe nur dann endgültig haben sollen, wenn diese oder ihre Nachkommen noch dem strcng׳orthodoxen Iudenthum angehören. DaS ist nun aber bei keinem einzigen der jetzt in Paris und Wim Lebenden der Fall; mehrere sind zum Christcnthum übergetreten. Für diesm Fall hat der Erblasser bestimmt, daß der auf diese treffende Theil des Vermögens der Hcimathsgemeinde desselben zur Dotirung der Synagoge zufalle. Dort sind ober jümmtliche Israeliten verzogen oder auSgestorbcn und das Gericht hat jetzt über die Auslegung des KodizilS zu bestimmen. Oesterreich-Ungarn. S־A. Njhely, L August. Noch blutet die durch den jüngstens erfolgten Tod des Pester Nabbinerö, Herrn Ehaim Sofer נ״ע, wie durch den vor kaum vierzehn Tagen erfolgten Tod des Ungvarer Rabbiners, Herrn Mannheimer ))"5, uns geschlagene Wunde, und schon wieder ist einer der ältesten und angesehensten Gelehrten des IndenthumS, und zwar wiederum in Ungarn, von hier geschieden. Herr Rabbiner Solomon Ganzsried נ״ע, der länger als fnuszig Jahre RabbiuatSasscssor in Ungvar war, ist verschieden. Ec kehrte gcsten am heiligen Ruhetage zur endlichen Ruhe heim, nach kurzem Kranksein im Alter von 92 Jahren, und heute, am Ercw Nosch- Ehodesch Aw, in welchem Monate wir über die Ver- Wüstung unserer beiden heiligen Tempel trauern, wurde er betrauert und beweint von der ganzen Gemeinde und von zahlreichen, zu seinem Leichenbegängnisse herbeigeeilten berühmten Rabbinern und anderen Glaubensgenossen zur ewigen Ruhe geleitet. Die Ungvarer Gemeinde (und mit ihr ganz Israel) kann mindestens insofern sagen גדול חרבן בית שני מחרבן בית ראשון, größer ist der Verlust des zweiten Tempels, als der des ersten Tempels (wir denken an die tiefen Worte des Talmud: קשה מיתת צדיקים כשרפת בית אלוקי׳), als sie beim Tode ihres Rabbiners Mannheimer צל׳? noch ihren großen RabbinatSassessor Ganzsried hatte.; Aber jetzt ist auch dieser ihr genommen. Der Ver- } storbcne ist Verfasser mehrerer geschätzter Werke:! קצור שלחן ערוך, קסת הםופר, לחם ושמלה, תורת הזבח, אהלי שם ושם יוסף, אפריון. Er nahm aus dem Kongresse (1866) eine hervorragende Stellung ein und trat mit Eifer und Würde für die Interessen des orthodoxen JudenthumS auf. זבותו יגן עלינו ועל כל ישראל. Frankreich. *** Paris, Erew Tifchobear. In diesen Tagen, in welchen wir uns mit dem tiefsten Schmerze an den Fall der jüdischen Metropole und des Hciligthums, sowie an alle LeidenSzciten unserer Brüder im Galuth erinnern, kommt uns ein Trosteöruf aus Spanien, dem Lande, in dem wir einst eine so hohe Stellung j einuahmen, dem Staate, welcher seit seiner Undsnk-! barfett gegen die Juden, die zu seiner Vlüthe im Mittelalter so großen Anlheil genommen, wie durch die Strafe des Himmels seine Großmachtstellung verloren. Mau will uns dorthin zurückrufcn. Möge die ״freie Vereinigung für die Iuteresseu des orthodoxen IndenthumS" die Gelegenheit benutzen, dort, wo bereits eine Anzahl Israeliten aus allen Ländern sich wieder! gesammelt, die aber alle Institutionen eines jüdischen GemciudelebenS entbehren, einen gediegenen Grund zu legen, damit תורה חוזרת על אכסניא שלה die Thora j ihre alte Pflegestätte wieder einuehme. Herr Isidor Lopez Lapinja, ein Nichljude, Mitglied der Madrider geographischen Gesellschaft, schreibt den hiesigen ״ArchiveS Jsraelile" über die spanische Indcnfrage unter Andern Folgendes: ״Seit der Erklärung der Religionsfreiheit durch die Konstitution von 1809 konnte man das Problem der Iudcnfragc nicht unbeachtet lassen. Von allen Seiten wurde einstimmig und laut die vor Jahr- Hunderten dekretirte Vertreibung der Juden verurtheilt! Man suchte diesen Fehler, der so unheilvoll für Spanien gewesen, wieder gut zu machen. Man kann zwar nicht sagen, daß man schon einen endgültigen Plan entworfeu, um unsere alten Landsleute wieder aus unseren nationalen Boden herauzuzieheu, die Tendenz aber und das Verlangen darnach besteht hier offenbar. Die Thatsache, daß Niemand hier die Ausbrüche des AntiscmitiSmnS Rußlands, DcutschaudS und anderer Länder gebilligt, beweist, daß eS heute vielleicht in ganz E!u.opa kein Land gicbt, daS gegen die Juden günstiger gestimmt ist, als die iberische Halbinsel. Das Buch DrumontS ist zwar in einem einzigen spanischen Blatte ״Et Liberal", tobend erwähnt, die betreffenden Zeilen