Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 32 (12.8.1886)
- Article
- Über das Binden der Schlachtthiere
- Date
- 1886-08-12
- Page
- 502 (sequence 2)
- Language
- German
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502 schonend zur Erde gelegt werden, ohne besonderen Schmer; oder gar Rippenbrüchc dadurch zu erleiden. Nebenbei sei bemerkt. Laß ein Thier, das durch den Fall einen Nippenbrnch erleidet, nicht geschachtet werden darf, und, falls dieses erst nach dem Tode des Thieres gesehen wird, der Genuß des Fleisches verboten ist. Deshalb hat man schon stets dafür gesorgt, daß die Thierc keine inneren Verletzungen während deS Niederlegeus treffe. Man legte dem Thiere einen Sack oder Stroh unter, und rief dem Gesellen zu, nicht zu schnell zu ziehen. Außerdem gebietet der eigene Vorthcil diese Vorsicht, da bei hartem Falle die Keulen der Thiere leiden und ihr Fleisch unansehnlich wird. Selbst nichtjüdische Metzger, die mit koscherem Fleisch handeln, werden dies bezeugen. Während des VindenS muß das Thier mit einer Blende vor den Augen versehen an einer Kette oder einem eisernen Ringe. befestigt stehen, weil das Thier bekanntlich die Hand deS Menschen fürchtet. Ein Geselle faßt dann die Hörner des Thieres, und während er des Thieres Hals mit den Fingern sanft kratzt, ruft er den! Thiere ״Siond! o ha!" oder andere dem Thiere bekannte beschwichtigendc Worte zu. AlSdann läßt sich dieses das Binden schon gefallen. — Wird dieses namentlich bei einem unruhigen und muthigen Thiere verabsäumt, so sträubt es sich gegen das Binden, und dieses mag dann wohl in den Augen des Zuschauers als eine Quälerei erscheinen. — Hierauf wird der Kopf des Thieres auf die Hörner gestellt, der Schächter steht schon mit einem von ihm geprüften schnittrcinen Messer bereit. Er durchschneidct damit in kaum glaublicher Schnelligkeit die Luft- und Speiseröhre und auch die Adern des ThicrcS. Das Blut ergießt sich sofort in starker Strömung aus dem Thiere, und diese ganze Prozedur währt höchstens zwei bis drei Minuten. Das Thier ist dem sichern Tode hiermit übergeben, denn kaum suhlt eS den Schnitt, so tritt schon die Bewußtlosigkeit ein. — Man komme in unsere öffentlichen Schlachthäuser und überzeuge sich hiervon. — WünschenSwerth ist es aber, daß Niemand das Binden vornehme, der es nicht versteht, oder der ängstlich dabei ist. Der Schächter indcß wird erst zum Schächten zugelassen, wenn er bei einem praktisch und theoretisch gebildeten Schächter dieses religiöse Fach gehörig erlernt hat und cS anszuübcn versteht, ferner wenn er das Schächtmesser so schleifen kann, daß cS scharf und ohne die geringste Scharte ist. Hierauf hat er sich einer Prüfung bei einem Rabbiner zu unterziehen, und dieser ertheilt ihm alsdann nach bestandenem Examen die Erlaubniß zu schachten. Unsere Schächtwcise ist genau von den MeligionLgesetzen geregelt und in allen Einzelheiten bestimmt und darf darum auch nur einem Vertrauensmann übergeben werden. Noch sei bemerkt, daß wir gegen Klein- und- Federvieh dieselbe Schonung wie beim Großvieh beachten. So heißt es in den religionSgesetzlichen Vorschriften: ״Mit. eittem zu großen oder zu kurzem Messer dürfen wir weder Kleinvieh noch Geflügel schachten, da diese während des Schächtcns einen Druck ans die Gurgel der Thiere ausüben." Jeder BorurtheilSlose wird die angegebene Bindeweise der Thiere billigen müssen. Es sott mich herzlich freuen, wenn man überall damit so verfährt, dann wird auch die fälschliche Beschuldigung aufhören müssen, daß der Jude durch das Binden die Schlachtthiere quäle. Wandelungen. von Friedrich R o t t. (Nachdruck verboten- (Fortsetzung.). ״Dank." flüsterte Bella, indem sie seine Hand an ihre Lippen zog, ״ich bin sofort reisefertig. . Sie eilte hinauf in ihr Zinnner, er blickte ihr kopfschüttelnd nach, dann aber beeilte auch er sich, seine Vorbereitungen zur Reise zu beenden. In unglaublich kurzer Zeit!rat das junge Mädchen wieder in sein Zimmer in vollständiger Rcisetoilette, mit einem leichten Handkoffer.- Der Sanitätsrath, der seine Fassung bereits vollständig wieder erlangt hatte, nickte ihr freundlich zu. ״Du bist noch schneller als ich — freilich auch um einige Jahre jünger — und ich bin Dir Dank schuldig, daß Du den alten Mann nicht allein reisen lassen willst." Bella'S Augen süllten sich mit Thränen, doch sie erwiderte nichts. Die treue Haushälterin brachte Thee und Rum und drang in ihren Herrn, vor der Abreise eine Tasse zu trinken, auch Bella, so sehr sie sich sträubte, mußte sich dazu zwingen. Dann aber war eS höchste Zeit,- der Wagen hielt bereits vor dem Hause, der alte Maun und das junge Mädchen reichten der treuen Dienerin die Hand, dann stiegen beide ein und fuhren zum Bahnhof. Schweigend hatten sie die kurze Strecke zurückgelegt, was sollten sie auch reden — daS Herz war beiden übervoll. ׳ Der Sanitätsrath hatte kaum die Karten gelöst, als cS zum Einsteigen läutete, sie eilten auf den Perron und bald saß Bella wieder anihres alten Freundes Seite, und der Zug brauste dahin, durch die milde, laue Sommernacht. Sie befanden sich allein im Knpce, doch 'noch hatte keines ein Wort gesprochen. Endlich brach Bella das Stillschweigen.