Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 32 (12.8.1886)
- Article
- Die freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judenthums
- Date
- 1886-08-12
- Page
- 500 (sequence 2)
- Language
- German
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500 Erbitterung geführte^KampfeS vergaß, den die Reform gegen das gesetzcStreue Judenthum geführt, andererseits aber legt diese naive Harmlosigkeit gerade kein rühmenSwerthes Bekenntniß von der kurzsichtigen Einfalt ab, die nicht die Schlange schaut, welche unter den Blumen züngelt. Und deren Entdeckung erheischt doch nicht einmal besonders scharfe Augen. So kunstvoll auch das Phrasengewebe gesponnen, so bedarf cs doch nur einer ruhigen, nüchternen Prüfung, um Einschlag und Kette zu erkennen und durch die losen Maschen die kaum nothdürftig verhüllte Hydra der Reform zu erblicken. Die Hydra der Reform! Denn vielköpfig, wie jenes fabelhafte Ungethüm, erscheint die Reform, als die ausschweifende der Berliner Reform, als die radikal neologische der Geiger'schen Hochschule, als die sich in die Gelehrtenrobe hüllende des linken Breslauer Flügels, als die verschämt austretende, den gleichen Mantel auf beiden Schultern tragende des rechten Breslauer FlügeiS. Wie bereits erwähnt, hatte der deutsch-israelitische Gemeindebund nranfauglich den radikalen Lehmann-Wachtel'schen Kopf gezeigt, aber schnell wieder cingezogen. Daß man sich dadurch und durch dieses Programm täuschen lassen konnte, grenzt, wie gesagt, ans Wunderbare. (Schluß folgt.) a Ans kr AHMmr Gemeinde 1795-1812. (Fortsetzung.) Am 2. August ist wieder ein Transport von 18 jüdischen jungen Leuten, die sich für das Judenkorps hatten anwerben lassen, nach dem Haag abgegangen. Samstag, 5. August, begann der Gottesdienst in der Großen Synagoge bereits 11m 6!/2 Uhr, weil der Oberrabbiner zwischen Schachariß und der Thora- Vorlesung - eine Predigt halten mußte. Er sagte in derselben, daß der König ein sehr guter König für die Juden sei und Alles änweude, um sie glücklich zu machen; daß sie folgenS der Resolution für das Judenkorps wohl Juden bleiben können und mehr dergleichen: daß die Versprechungen des Königs und seiner Minister sehr schmeichelhafter Art seien; eS komme allein׳ auf sie an, daß sie stets vor Augen haben müßten, Juden zu sein und stets darauf bedacht zu bleiben, weder Gott noch den König zu erzürnen. — Das ganze Konsistorium war in der Synagoge in Funktion. Der Präsident H. H. de Lemou hat für zehn Gulden dem Oberrabbiner הוצאה והמפה gekauft. Nach Beendigung des Gottesdienstes hat das ganze Konsistorium den Oberrabbiner in seine Wohnung begleitet. Der Oberrabbiner ging voran, zu seiner Rechten der Präsident De Lcmon, zu seiner Linken I. D. Meyers. Die Uebrigen folgten je zwei und zwei. Als sie sich aus seiner Wohnung entfernten, hat De Lemon die מזוזה geküßt. Viele Personen waren an diesem Sabbath nicht in der Synagoge, Andere verließen sie, als die Predigt begann. Indessen getraute man sich nicht, etwas zu sagen. Der berüchtigte Jacob MarcuS, der Generalwerber für das Judenkorps, war mit dem Kapitän, den beiden Lieutenants und verschiedenen Korporals des Judenkorps in der Synagoge; wer durfte vor dieser Sorte von Menschen in der gegenwärtigen Zeit etwas sagen? Auch der portugiesische Oberrabbiner mußte eine solche Predigt halten; auch im Haag und in Rotterdam mußte eS geschehen. Sonntag Abend, 6. August, kam der zweite Lieute* nant משה נייאמעגץ zum Oberrabbiner und kündigte ihm im Namen des Gcncralwerbers Jacob Marcus an, daß zwölf junge Leute für das Judcnkorps, die am folgenden Tage nach dem Haag transportirt werden mußten, zu ihm kommen würden, um sich von ihm segnen zu lassen. Der Oberrabbiner mußte eS denn auch thun, als die jungen Leute zu ihm kamen. Am 10. August sind von der portugiesischen Geinctnbc fünf Waisen aus dem Waiscnhanse, laut königlichcm Befehl, nach Utrecht gebracht worden, um dort in die Militärschule ausgenommen zu werden. Sie sind jedoch noch an demselben Abend zurückgekehrt. Dic Gründe davon soll wohl Niemand erfahren. Am 11. August sind jüdische Werber für das Judenkorps mit Tambours durch die Jndenvicrtel gezogen. Der Eine verkündete auf Jüdisch, der Andere auf Holländisch, daß ein Jeder, der im Judenkorps Dienst nehme, zwei Dukaten extra Handgeld erhalte. ES boten sich nur Wenige an. Diese Ankündigung wurde im Vorportal der Synagoge und in der Synagoge selbst angeheftet, auch in allen Straßen, wo Juden wohnen. Am 16. August sind fünfzehn junge Leute, die sich für das Judcnkorps hatten anwerben lassen, nach dem Haag. Am 24. August mußten die früher erwähnten fünf portugiesischen Waisen nach AmerSsoort, um ins Inftitut ausgenommen zu werden, doch drei kamen sofort wieder zurück und auch die anderen beiden am folgenden Tage. Am!.September ist wieder ein Transport jüdischer Soldaten nach dem Haag abgegangen. Am 7. November ftatib im Königlichen Courant die Ernennung von zwei Mitgliedern für das Ober-