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Jeschurun · 1886-08-05 · Heft 31 (5.8.1886) · p. 494

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 31 (5.8.1886)
Article
Rußland : Petersburg [Nachricht]
Date
1886-08-05
Page
494 (sequence 2)
Language
German
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494 den Hintergrund zu treten hatten. Es wird nämlich behauptet, daß die schon so lange arbeitende Kommission zur Regelung der jüdischen Verhältnisse keineswegs die Aufgabe habe, irgend welche neue Verordnungen ins Auge zu fassen, sondern ausschließlich berufen sei, in reifliche Erwägung zu ziehen, wie der Umgehung und Nichtbeachtung der bereits vorhandenen, die Juden bcschränkenden Gesetze zu steuern sei! Es ist kaum zu glauben, daß dieses Schreckliche wahr sein sollte; — Gott erbarme sich unser und unserer Kinder! XX Tagcrnrog, 24. Juli. Eine unheimliche Ungewißheit schwebt über der Zukunft der in hiesiger Stadt und Rostow wohnenden Juden. Die hiesige jüdische Bevölkerung mit der in der Umgegend lebenden wird auf etwa 15 000 Seelen zu schätzen sein; in Rostow (am Don) nebst Umgegend leben etwa 5000 Juden. Die Beziehungen zu der christlichen Bevölkcruug sind durchaus friedlichster Art. Die Juden haben sich in Sprache und Kleidung ganz russisizirt? und widmen sich den verschiedensten Zweigen der Erwerbsthätigkeit. Bekanntlich ist im Jahre 1879 den Juden verboten worden, im douischen Militärbezirke zu wohnen. Damals mußten Hunderte von jüdischen Familien ihr unbewegliches Eigenthum versilbern und ihre Heimaths'orte verlassen. Sie zogen meistens in diese Gegend am Asowschen Meere. Welchen Einfluß diese zwangsweise Vertreibung aus den douischen Orten ausübte, illustrirt am besten die folgende Tharsache. No wo -TscherkaSk ist der Hauptort im douischen Lande. Die von dort und der Umgegend auSgewiesenen Juden wandten sich nach Nach itschewan und Rostow. In Nowo-TscherkaSk, einer Stadt von etwa 35 000 Einwohnern, war aber kein Handwerker mehr verblieben, weil das Handwerk ganz in den Händen der Juden lag, so zwar, daß die Nowo-Tscherkasker genöthigt waren, sich für ihre Bedürfnisse in dieser Hinsicht nach Rostow und Nachitschewan zu wenden! — Jetzt aber sind Taganrog und Rostow zu dem Militärbezirke des Don geschlagen worden, und es taucht die Frage auf, ob das Verbot von 1879 sich nunmehr auch auf diese beiden Städte und deren- Gebiet bezieht. In diesem Falle werden 20 000 jüdische Seelen zur Auswanderung gezwungen, oder mit anderen Worten zur Armuth verurtheilt! In diesem Augenblicke tagt eine Kommission in Nowo-Tschcrkask über diese Frage. Gebe Gott, daß sie günstig beantwortet werde. fül Piliz (Gouvernement Kjetzi). Der Rabbiner, Herr Pinkuö Rotenberg, fordert zu Spenden für die armen abgebrannten Glaubensgenossen von Wolvram aus, wo 130 Häuser ein Raub der Flammen geworden sind. 350 jüdische Familien sind von Allem entblößt. * Kubcr. Aus dieser Kreisstadt des kaukasischeu Gouvernements Baku, in welcher acht Synagogen sich befinden, berichtet man der ״Hazefira" Folgendes. Es wohnen hier etwa tausend jüdische Familien, fast die Hälfte sämmtlicher in Kaukasien lebender Juden. Sie haben den Sephardischen Ritus, kleiden sich wie Perser und Muselmänner, deren Sprachen sie auch reden, während ihnen das Russische nicht sehr geläufig ist. Nach unter ihnen herrschender Tradition stammen sie von den israelitischen Gefangenen Tiglath-Pilessers ab. Ihre Gebräuche bei der Feier des SabbathS und der Feiertage, der Hochzeiten und Trauungen weichen von denjenigen aller anderen Juden vielfach ab. Ihre Lebensgewohnhciten sind diejenigen der Muselmänner. Sie waren von jeher hier in ihrem Erwerbe nicht beschränkt, auch kannte man kein Ghetto bis jetzt, vor etwa zwei Jahren, mehrere der allgemeinen russischen Judenordnungen, beim Abschluß von Käufen, bei Pachtungen rc. eingeführt sind. Viel Wissen ist bei den jüdischen Kaukasiern nicht zu finden. Sie werden von den wilden Horden des. Landes vielfach ausgeplündert und gemordet. Es vergeht fast keine Woche, in welcher nicht von einer an einem jüdischen Händler verübten Mordthat berichtet wird. Ebenso taucht leider auch die alte Fabel von dem jüdischen Blutdurst am Peßach öfters auf und bringt die Inden in Gefahr. So ist solches erst vor einigen Monaten der Fall gewesen. Das angeblich geschlachtete Kind fand sich zum Glück nach einigen Tagen lebend ein, während welcher Zeit die Juden des hetreffcndcn OrtS (Mign in Schirwan) sich in Wäldern und Höhlen vor der mordlustigen Meute retten mußten. R u m ä u t e n. E Jassy, 30. Juli. Im Laufe der vorigen Woche sind von hier aus wiederum fünfundsechzig Juden abgerelst, um in Amerika ein neues Heim sich zu gründen. tilißnnte Irrungen. Von S a m u e l Bert hold Nosner. ' (Alle Siechte Vorbehalten.) (Fortsetzung.) Wie grellrother, unheimlich flackernder Fackelschein!... ״Wehe ihm," murmelte Rafael zwischen den zusammengcpreßtcn Zähnen, nachdem die letzten Akkorde der Konzertmusik verklungen waren und er den VerzücknngSrausch von seiner Seele geschüttelt hatte, ״wehe ihnr, wenn er den herostratischen Muth haben sollte, dieses Ideal weiblicher Herrlichkeit in den Staub zu zerren, mit Schmutz zu bewerfen — mit seinem Blute werde ich es wieder reinwaschen!" Wie ein glühender Le.vastrom ergoß cS sich in seinen Adern,

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