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Jeschurun · 1886-08-05 · Heft 31 (5.8.1886) · p. 493

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 31 (5.8.1886)
Article
Italien : Rom [Nachricht]
Date
1886-08-05
Page
493 (sequence 2)
Language
German
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493-- unk überhaupt der orientalischen Sprachen, die Radbiner Italiens heranbildcte. Jetzt aber besteht die Rabbincrschule von Padua nicht mehr, und Mantua ist nunmehr die Hochschule der italienischen Rabbiner; Rabbi Mortara leitet diese Schule. Die Zahl von 500 erreichen rcsp. überschreiten folgende Gemeinde: Casale mit 800, Neapel 650, Pisa 640. Genua 550, Reggio 545, Bologna 520, Vercelli 500. Sollte Sicilicn leine Juden haben, daß Palermo gar nicht auf der Liste unseres Alltors steht? Und die Handelsstadt Dari sollte keine Juden haben? Man sprach in Nom jüngst von der Ernennung des berühmten Paduaer National- Ökonomen Luigi Luzzatti zum Unterrichtsminister — und dieser ist zufällig Jude, was in Italien nebensächlich ist. Man argumentirte einfach so: Coppiui, der gegenwärtige Unterrichtsminister, ist auch dem Namen nach nur ein Köpfchen (Coppino ----- Köpfchen), ein Unterrichtsminister sollte aber ein Kopf sein, was der Jude Luzzatti zufällig ist. Die Möglichkeit, daß Luzzatti, ein intimer Freund des Ministerpräsidenten Depretis, Minister werde, ist noch nicht ausgeschlossen. Auch unter den Vizepräsidenten der Kammer ist ein Jude, der reiche Venetianer Maurogonatv, eine der ersten Kapazitäten Italiens auf dem Gebiete der Finanzen. Der jüdischen Deputirten giebt es viele, z. B. Franchctti und Arbib. Auch im Senat sitzen Juden, z. B. Tullio Massarani, der bekannte Mailänder Kritiker, der Italien im vorigen Jahre am Grabe Viktor Hugo's vertrat. An den Universitäten Lehren viele jüdische Professoren, und Italiens größter Sprachforscher ist der an der Mailänder Akademie lehrende Graziado Ascoli, ein Görzer Jude von Geburt. * Ltvorno. 3n Nr. 27 haben wir berichtet, daß in der berühmten großen Synagoge zu Livorno eine Orgel angebracht werden soll nud unsere Ver- Wanderung über das Livorncser Rabbinat und iuSbesondere aber den uns rühmUchst bekannten Herrn Oberrabbiuer Elia Benamozegh ausgesprochen, indem wir die Frage auswarfm: ״ist derselbe mit der Einführung einer Orgel einverstanden, oder wird dieselbe gegen seinen Willen cingeführt? Herr Benamozegh erwidert diese Frage in der zu London erscheinenden hebräischen Wochenschrift ״Halcbcmon" vom 27. TamuS (30. Juli) dahin. Das Rabbinat zu Livorno besteht aus drei Mitgliedern, von welchen aber zur Zeit nur Herr Benamozegh und ein Kollege in Funktion sind. Als man die Orgel in der Synagoge cinzuführen beabsichtigte, wurde von der Gemeindeverwaltung die gutachtliche'Arnßerung sämmtlicher Gelehrten in der Gemeinde eingcsordert, wie solches dort stets Brauch sei. Diese erstatteten Gutachten gingen nun nach drei Richtungen auseinander. Die Einen crklärten die Einführung einer Orgel überhaupt für narrlaubt sowohl für Sabbaih- und Fest-, wie Werktagen. Die Zweiten erklärten die Orgel an Werktagen für erlaubt,׳, an Festtagen nur gestattet, wenn durch Nichtjuden ge<. . spielt, am Sabbaih aber für unerlaubt. Die Dritten.׳?: erklärten die Orgel nicht nur für erlaubt an allen- Tagen und durch Nichtjnden und Juden gespielt, sondern für ein hervorragend frommes Werk. Herr Benamozegh vertrat das Gutachten der Zweiten. Die . Orgel wurde aber auch für den Gebrauch am Sabbaih: bestimmt. Wir haben wohl nicht nöthig zu erklären, daß wir die Einführung einer Orgel in den jüdischen.5׳ Gottesdienst für durchaus unerlaubt erachten. Herr Benamozegh hat scim Ansicht, nach welcher nur am; Sabbath der Gebrauch der Orgel unstatthaft sein soll, - nicht näher begründet. Thatsache ist aber nach seiner Mitlheilung, daß in Livorno auch am Sabbath die Orgel in Verwendung kommen wird, also — daselbst : der Sabbath in der großen Synagoge durch eine auch nach der Ueberzcugung des Herrn Obcrrabbiners Ben-- amozegh verpönte Handlung entweiht wird. Wie dir Redaktion des ״Halcbanon" über die Haltung des Herrn ' Benamozegh ihre Befriedigung anSsprcchen mag, können - wir nicht begreifen. Rußland. * Petersburg, 24. Juli. Die ״Pol. Corr." meldet: Die antisemitische Strömung iu Rußland hat in den letzten Jahren nichts von ihrer Kraft verloren^ sondern nimmt eher noch au Intensität zu. Zwar ist es seit dem Jahre 1882 zu keinem größeren Exzesse gegen die Juden gekommen, denn die Behörden sind sehr wachsam und wissen einen solchen stets zu verhindern; die Erbitterung der Bevölkerung gegen die Inden ist aber des« halb nicht geringer geworden, und nach wie vor werden - dieselben als die Urheber der wirthschastlich ungünstigen Lage, in der sich namentlich der russische Bauernstand befindet, angesehen. Auch in Negierungskreisen ist die Stimmung gegenüber den Juden nichts weniger als׳ eine günstige, wie aus mehrfachen, in der jüngsten Zeit getroffenen Maßregeln derselben hcrvorgcht. So ist kürzlich, eine Verordnung erlassen worden, welche verschärfte Vorschriften über die Militärstellung der Juden enthält, von denen behauptet wird, daß sie sich zum größten Thclle der Wehrpflicht zu entziehen wissen. Auch eine kürzlich erlassene Verordnung des Justiz- Ministeriums, der zusolge alle jüdischen Schreiber und Schriftführer in den Kanzleien der Untersuchung-- geeichte entlassen werden sotten, ist in dieser Richtung symptomatisch. -z- Petersburg, 1. August. Wenn es wahr sein sollte, was von der ״Nowoje Wrcmje" berichtet wird, dann wäre eS allerdings traurig um uns bestellt, dann gingen mr einer Aera des Unglücks entgegen, gegen welches die Leiden der Vergangenheit irr

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