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Jeschurun · 1886-08-05 · Heft 31 (5.8.1886) · p. 492

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 31 (5.8.1886)
Article
Deutschland : Stettin [Nachricht]
Date
1886-08-05
Page
492 (sequence 2)
Language
German
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׳..492 für die jüdische Nationalität so schmerzliche Erinnerungen, knüpfen, welche das Herz eines jeden Juden eher zur Trauer als zur Vergnügungssucht ftimmen sollten? Und das Nationalitätsgefühl ist ja der am häufigsten vorgeschobene Lückenbüßer der Helden moderner Phrasenkultur. Wenn man den Herren schon den Duft oder vielleicht auchkörperlichere Bestandtheile des Nehrückens und Schweinebratens verzeihen wollte,- der allenfalls an ihren Speisen haften bliebe, weshalb unterließen sie nicht ihren Ausflug ans Pietät in dieser Zeit, da der Genius der jüdischen-Nation sich trauervoll das Haupt verhüllt? Der Sommer , ist ja so lang. — Wie verhält sich das, geliebte Brüder, ׳zu Eurem Geiste — zum dritten Pferd? ״Ein Pferd, ein Pferd, ein Königreich für ein Pferd!" Oesterreich-Ungarn.׳ * Der vermeintliche Erlaß des österreichischen UnterrichtSministers wegen des Schreibens am Sabbath gehört, wie wir bereits mitgetheilt, in das Reich der Fabel. Der Lemberger ״Israelit", das Organ des Vereins ״Schomer Israel" veröffentlicht das Rejkript, welches der Minister auf die von diesen Verein in Uebereiser voreilig eingereichte Petition erlassen hat: ״Präsidium des k. k. Landesschulrathes in Lemberg Zl. 409. Ueber die an Se. Exzellenz , den Herrn Minister für Kultus und Unterricht gerichtete Eingabe vom 12. Mai 1866 wird dem Ausschüsse des Vereines ״Schomer Israel" bedeutet, daß die durch die Tagesblätter verbreitete Nachricht, laut welcher das h. Ministerium für Kultus und Unterricht den israelitischen Schülern an den hierländischen öffentlichen Lehranstalten die bisherige Besreiung vom Schreiben und Zeichnen an Samstagen entzogen haben soll, vollkommen unbegründet ist, indem eine dahin gehende Verordnung nicht erlassen wurde. Lemberg am 16. Juli 1886. Für den k. .k. Statthalter:. Loeb.l m. p. 1). Lemberg, Juli. Unser KultuSgemeinde-Vorstand hat sich zu einer Eingabe an. das Ministerium des Innern veranlaßt gefühlt, welche die Bitte zum Inhalte hat, daß es den Juden gestattet sei, eine Aenderung der ihnen bei der Geburt zugelcgten Vornamen zu bewirken. Es sind nämlich derartige in letzterer Zeit wiederholt von Einzelnen an die betreffenden Be- Hörden, gerichtete Bitten unberücksichtigt geblieben. Mit. der an den Vorstand beliebten Begründung dieses PctitumS wird man sich schwerlich einverstanden erklären können. Der Vorstand stellt die Sache so dar, als ob cs eine ״reine zivilisatorische und höchst lobenöwcrthe Bestrebung" sei, ״welche, wohl der Billigdeukcnden. vollste Sympathie finden sollten", wenn Juden ihren jüdischen Vornamen, verändern wollen. Dagegen dürfte aber, wohl ein entschiedenes Veto einzutegen. sein. Die Namen Abraham, Isaak, Jakob, MoseS, Aron, Samuel,.David, Salomon gehören in den Augen ״Biüigdenkendcr". respektive Vernünftiger, der ältesten Zivilisation an, und es ist absolut nicht abzusehen, warum man dafür etwa Adolf, Ignatz, Isidor, Moritz,. Arnold, Sigmund,. Dagobert, Siegfried substituiren soll. Auch Sara, Lea, Malka find mindestens so ״zivilisirt" wie Rosalie, Lconore, Negine. Achten, wir uns doch selbst, fürchten wir doch nicht, uns als Juden erkennen zu lassen, so haben wir ganz gewiß einen größcrn Anspruch auf Achtung, .. als wenn wir in solchen kindischen und thörichten ״Be- - strebungen" beharren.. -6- Nagy-Halmadi (Araber Komitat), 26. Juli. Der Obergcspan des Preßburger KomitatS, Herr Graf Stefan Esterhazi, welcher hier begütert ist, hat der hiesigen jüdischen Gemeinde das hochherzige und werthvolle Geschenk eines Hauses nebst Garten für eine Synagoge gemacht. Diese edle That verdient um so größere Anerkennung und erfüllt die Gemüther der hiesigen Juden mit um so innigerer Dankbarkeit, je feindseliger sich manche andere hochgestellte Persönlich-, feiten gegen die Inden zeigen. In dem neuen Gottes- Hause wird für das Wohl des gnädigen Grafen, und seines Hauses inbrünstig gebetet werden. Italien. * Röm, 23. Juli. Dem in Livorno erscheinenden ״Lnnario Jsraelitico" entnehme ich, so schreibt ein Korrespondcnt der ״Frankfurter Zeitung", folgende interessante Daten über die italienischen Juden. Ihre Anzahl beziffert sich auf 45050. Auf ganz Italien (allerdings Jtalia irrcbenta inbegriffen) entfiele demnach nicht mehr als 1 Prozent von den Juden Europas. Italien hat - weit weniger Juden, als etwa Wien allein. Eigentliche Judengemeinden giebt es in Italien 84. Der Autor des ״Luuario Jsraclitico" scheint Jrredentist zu sein, denn er zählt Triest zu Italien. Die Mehrheit der Juden in Triest besteht jedenfalls, aus italienischen ־ Juden, 5570 an der Zahl. In Rom wohnen 5600 Juden. Die römischen Juden haben nicht einmal einen Oberrabbiner und sind eine schlecht organisirte Gemeinde. Die zweitgrößte Judengemeinde Italiens ist in Livorno, 4050 Juden. Turins Judenzahl beträgt 2600; Venedig hat 2500, Florenz 2400, Ferrara 1750, Ancona 1700, Modena 1700, Mantua 1430, Mailand 1100 Juden. Der Autor ist ein so großer Patriot, daß er die unpopulärste That Cavour's ignorirt und Nizza zu Italien zählt; es hat 1000 Juden, Verona 975. Eineder berühmtesten Judengemeinden Italiens hat Padua, 950 Seelen stark. An ihrer Spitze steht der ehrwürdige Rabbi Ende Lolli, Professor des Hebräischen an - der Universität zu Padua^ Schüler und Nachfolger dcS. berühmten Luzzatto, der, ein Meister derhebräischen-

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