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Jeschurun · 1886-07-29 · Heft 30 (29.7.1886) · p. 477

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 30 (29.7.1886)
Article
Indien [Nachricht]
Date
1886-07-29
Page
477 (sequence 1)
Language
German
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477 Indien. * DaS ״Ausland" enthält folgenden Bericht aus der Feder eines Gelehrten, anscheinend eines Missionars. ״ES giebt zwei Iudenlotonien in Indien, in dem fruchtbaren Tiefland an feiner Westseite, von Bombay bis Cochin. Es sind: 1) Die Beni-Jsrael, Äbkömmlinge der verlorenen zehn Stämme, in der Nähe von Bombay; 2) die weißen und schwarzen Juden um Cochin herum, deren Väter nach der Einnahme von Jerusalem, 70 Jahre nach Christi Geburt, dorthin flohen. Die schwarzen Juden sind Abkömmlinge von Sklaven der weißen Juden. Außer diesen beiden Klassen kommen noch viele Juden aus dem zentralen und westlichen Asien besuchsweise nach Bombay und treiben daselbst eine Zeit lang Handel. In den jüngst oergangeuen 50 Jahren, bald nachdem der ehrwürdige John Wilson die freikirchtiche Mission in der Stadt Bombay begann, haben die ausländischen Missionare unter den Beni-Jsrael gearbeitet. Als im Jahre 1843, dem Jahre des Bruchs, Dr. Wilson Indien verließ, um einen Besuch in Schottland zu machen, war die israelitische Gemeinde so dankbar gegen ihn und seine Brüder für olle ihre Dienste, daß sie ihm eine spezielle Dankadresse überreichten. Die Wirkung seiner Schriften in hebräischer und Maratti-Sprache, seine häufigen Predigten und seine Knaben- und Mädchenschulen unter dieser seltsamen Gemeinde war die, daß sie die götzendienerischen Gebräuche aufgegeben haben, in welche zu verfallen sie von den umgebenden Hindus und Parst versucht wurden, und daß sie nun ein lebhaftes und intelligentes Interesse für die Bibel als das Wort Gottes bezeugen. ES kann kaum ein Zweifel darüber obwalten, daß diese Kinder Israels Nachkommen der zehn Stämme sind. Ihr Ursprung reicht soweit zurück, daß sie die einzige Kongregation von Hebräern sind, welche keine Handschrift des Sepher-Torah oder GesetzbucheS besitzt. Di׳. Wilson hat schon vor nahezu einem halben Jahrhundert der Asiatischen Gesellschaft in Bombay, den Fall folgendermaßen vorgestellt und dafür geworben, daß die Christen dieselben lehren sollten, wie die freikirchliche Mission seither immer gethan hat: ״Die beinahe allgemein unter ihnen verbreitete Verwerfung des Namens Jude, auf welchen sie ohne Zweifel stolz gewesen wären, wenn sie ihn verdient hätten, und die deutliche Bezeichnung als Beni-Jsrael (Söhne Israels), welche sie für sich in Anspruch nehmen, das Nichtvorkommen der beliebten jüdischen Namen Judah und Esther unter ihnen und. das Vorherrschen von Namen, welche hauptsächlich mit der früheren Geschichte des von Gott hochbeguadeten Volks zusammenhängen, scheinen mir Umstände zu sein, welche die Ansicht, daß sie wirklich Israeliten sind, ein Nest der Nachkommenschaft der Stamme sind, die durch die assyrischen Könige aus ihrer Heimath hinweggeschleppt wurden, wesentlich bestärken. Man darf die Beni- Israel betrachten als einen Stamm von besonderem, Interesse, sogar unter dem Samen Abrahams, in Verbindung mit dessen Schicksalen sich die wunderbarsten Schickungen der Vorsehung entwickelt haben, welche uns entweder in der heiligen oder profanen Geschichte ausgezeichnet worden sind. Wenn man ihre Lage den Hindus, unter denen sie wohnen, richtig erläutern und erklären würde, so könnte dies die Illustration des geschichtlichen Zeugnisses für die Wahrheit der heiligen Schriften erleichtern, welche die allgemeine Urkunde jener Begebenheiten, die sich außerhalb der Grenzen dieses Landes zngetragen haben, für viele zu einer äußerst schwer verständlichen Sache machen. Sie haben sich, als Ganzes, niemals der christlichen Erziehung abgeneigt erwiesen und sind immer erbötig gewesen, die Bibel anznnehmen und zu lesen." €üm\w\t Irrungen. Von Samuel Berthold Rosner. " ' (Alle RcchU Vorbehalten.) (Fortsetzung.) . Diesen Gedanken erstickte er, noch ehe er ihn zu Ende gedacht hatte. War nicht die Anwesenheit des Rittmeisters der beste Zeuge gegen ihn? Cr hätte nicht erscheinen dürfen, sowie es überhaupt mit allen Beziehungen zwischen ihm und dem Hause Friede hätte aus sein müssen, wenn er beabsichtigt hatte, von dem erbetenen Zusammentreffen fern zu bleiben und so dm Beweis zu liefern, daß es sich von vornherein um einen unsittlichen Scherz gehandelt habe. Es blieb ihm keine andere Zuversicht, als das richtige Gefühl HedwigS. Eine Bewegung,' die jetzt durch den Salon ging, zog seine Aufmerksamkeit von seinen Gedanken ab. Die Flügel einer in ein Nebcugcmach führenden Thüre hatten sich geöffnet und die in der ganzen Pracht ihrer Schönheit strahlende Hedwig trat am Arme des fremden Künstlers in den Salon. Rafael heftete mit forschender Spannung seine Blicke auf das Gesicht Hedwigs, er wollte aus ihren Mienen entziffern, ob das Vertrauen, das er in sie gesetzt, gerechtsertigt sei. Er gewann nicht die erhoffte Beruhigung, es dünkte ihm, daß ein würdegcbictender, in die Schranken weisender Ernst die Stelle der sonnigsten, fast überschwänglichen Lust einnehmen müßte, wenn das Bittet des Rittmeisters bei Hedwig die gebührende Ausnahme gefunden hätte. Doch er schloß noch nicht sein Urtheil ab, er wollte die Entscheidung dem Momente überlassen, wo das Paar in seinem Ruudgange durch den Salon bei der

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