Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 30 (29.7.1886)
- Article
- Österreich-Ungarn : Graz [Nachricht]
- Date
- 1886-07-29
- Page
- 475 (sequence 2)
- Language
- German
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475 ebenso korrupt wie die übrige Presse und nehme Schwindel.׳ Inserate auf. Von Schönerer und der Mehrzahl der österreichischen Abgeordneten gilt der Ausspruch dcS Abgeordneten Krauß vom ״Deutschen Klub": ״Man muffe zwei Ansichten haben: eine, die man zum Ausdruck bringt, und eine, die man für sich behält. Schöncrer'S Handlungen stinnncn durchaus nicht überein mit seinen Worten. Schönerer spricht gegen die Ausbeutung des Volles, gegen das Kapital und vergißt, daß er selbst ein Ausbeuter und Großgrundbesitzer ist. Bei der Abstimmung über die Fideikommisse hat er im Parlamente gefehlt. Die Arbeiterpartei nehme ebenso Stellung gegen daö jüdische wie christliche Kapital, sei international nnd bekämpfe den Antisemitismus." % Urrgvür, 23. Juli. Es ist keine hyperbolische Redewendung, wenn ich in schmerzlicher Bewegung Ihnen die Kunde bringe שר וגדול נפל. בישראל! Denn wahrlich, in dem in der Nacht dcS 17. Tamns zum ewigen Dasein eingegangcnen Rabbi Ehajim Zcwi Mannheimer זצ״ל, Bczirksrabbincr der hiesigen Gemciude und Umgebung, ist ein wirklicher Großer und Fürst aus dem Kreise der Erdenwallcr geschieden. Groß an Geist, ein Fürst der Wissenschaft, ausgezeichnet an Tugend, so stand der Verblichene auf der Zeiten Wacht, als Hüter des Gesetzes, als Führer der Gemeinden Israels, als Lehrer der Thora. In seinem 73. Lebensjahre beschloß dieser wahrhaft Große und Edle sein Wirken auf Erden. Sein Andenken wird im dankbaren Gcdächtniß des Volkes sortlcben, während sein 7כ1ת uns zum Segen gereichen möge allezeit. Auf ihn finden die Worte jenes alten Redners buchstäbliche Anwendung, der an der Bahre Nabinas also gesprochcn: תמרים הגיעו ראש על צדיק כתמר נשים ״ לילות כימים על משים לילות בימיםNeiget trauernd, Cedcrn, das Haupt ob des cedcrugleichcn Frommen! Brüder, 'lasset uns Nächte und Tage klagen wegen dcS Hinscheidcnö dessen, der Nacht und Tag nicht von der Gotteslchre gewichen!" Die Kunde seines Ablebens hatte eine große Anzahl Leidtragender — כל בית ישראל יבכו השרפה אשר שרף ד' — unter ihnen einige zwanzig Rabbiner, hierhergeführt, um dem großen Todten die letzte Ehre zu erweisen. DaS Leichengcsolge zählte nach Tausenden.-ת׳ג׳צ׳ב׳ה׳. * Krakau, 22. Juli. Heule passirtcn hier etwa hundert nach Amerika auSwaudcrnde jüdische Familien, Männer, Frauen und Kinder ans Rumänien. Es sind dies größtcnthcilS wohlhabende, und anständige Familien, welche durch die zunehmende große Verfolgmig, die, wie sic mitthcilcn, gegen die dortigen Juden stattfindct, zur Auswanderung gezwungen sind. Holland. & Amsterdam, 25. Juli. Wenn mich Jemand vorn zur Thür hinauswirft und ich benutze später eine Gelegenheit, zur Hintcrthür wieder ins HauS zu gelangen, beweise ich dann Toleranz oder eine zu verachtende Kriecherei? In dieser Form wird doch Jeder das Letztere als feststehend annchmcn. Jedoch erklären wir uns deutlicher. Wie den Lesern Ihres geschätzten Blattes bekannt sein dürfte (siehe Nr. 34 des vorigen Jahrgangs), weigerte die Generalversammlung dcS Vereins ״zum Nutzen der Allgemeinheit" bei der Statutenrevision ihre ״christlichen Prinzipien" in ״humanitäre" zu verändern und fiel bei dieser Gelcgmheit manches scharfe Wort für (rcsp. gegen) die Inden. Bei einer vor einigen Monaten ftattgcfimbcncn Vorstandswahl wurde Herr A. C. Wcrthcim vorgeschlagen und gewählt. Soweit ginge die Sache uns vielleicht nichts an, da Herr Wcrthcim nicht Namens dcS Judenthums die Wahl nkzeptirte. Wenn jedock Herr Advokat B. Denckamp aüS Rotterdam in seiner Rede bei der jüngsten Versammlung der holländischen Abtheilung der ״Alliance Israelite" auf diese That dcS Herrn Wcrthcim als einen Akt der Toleranz hinweist und gerade wegen dieser That den Herrn Wcrthcim dem Judcnthum als Muster hinstellt, so halten wir uns verpflichtet, Namens des Judenthumentschieden Protest eiuzulcgcn. DaS Judenthum hat hiermit nichts zu thun, außer vielleicht die That selbst zu vcrurthcilen. Unsere hierländischen jüdischen Zeitungen halten cS nicht der Mühe wcrth, hierüber eine Notiz zu bringen. Oder sollten sie vielleicht die Ironie nicht bemerken, die in den Worten dcS Herrn Denckamp liegt? Es scheint nämlich, daß miscrc Herren Neologen ihre Interessen mit denen des Judenthums identifiziren. Auf die Rede des Herrn Denckamp, die des Interessanten noch mehr bietet, komme ich zurück, sobald solche im Wortlaut vorliegt. Schweiz. ל Bern. Ein Beweis, daß die Inden in landwirthschastlichcr Beziehung auch etwas zu leisten im Stande sind, durste sein, daß zur Bekämpfung und Beobachtung der Philoxcra oder Reblaus ein Glaubensgenosse, Herr Jacob Drcyfnß, Sekretär der landwirthschaftlichcn Abtheilnng in Bern, als eidgenössischer Experte ernannt worden ist. Derselbe bereist momentan im Aufträge des Bnndesrathcs diejenigen Gegenden in der Schweiz, in welchem Weinbau betrieben wird. — Wie man den neuesten Zeitungen entnimmt, haben die schweizerischen Thicrschntzvcrcine beim DundeSrathc das Gesuch gestellt, er wolle daö ״Schächten" untersagen angesichts der Art. 4 (Rechtsgleichheit) und 50 (Gewährleistung deS Gottesdienstes innerhalb der Schranken der Sittlichkeit nnd der öffentlichen Ordnung) der Bundesverfassung. Der BundcSrath wird schwerlich ans das Begehren cintrcttn, weil kein konkreter NekurSfall vorliegt.