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Jeschurun · 1886-07-22 · Heft 29 (22.7.1886) · p. 461

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 29 (22.7.1886)
Article
Marokko [Nachricht]
Date
1886-07-22
Page
461 (sequence 2)
Language
German
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461 Zusammenrottungen, die Araber umgaben den Verwundeten, deckten ihn zu und schleppten ihn durch die Stadt indem sie schrien: ״Hier ist ein von einen! Juden umgebrachter Muselmann." Die Aufregung nahm zu, die Menge drängte sich nach dem Mell ah (Juden׳ viertel), indem sie die ihnen begegnenden Juden schlugen und verwundeten. Im Mell ah bcsürchtete man das größte Unglück. Die Behörden griffen energisch ein; sie ließen die Thore schließen in allen Straßen, welche nach dem Judenviertel führen; die wenigen nach dem Abzüge dcS Sultans in Fez zurückgebliebenen Soldaten, wurden bewaffnet und auf den Wällen dcS Mcllah ausgestellt. Der Pascha Si El-Hadj-Said zeichnete sich bei dieser Gelegenheit besonders aus; er entwickelte große Entschlosscnheit, indem er die Stadt zu Pferde an der Spitze einer starken Patrouille durchstreifte, die Ruhe-- störer mit strengen Strafen bedrohte und die Soldaten aufmunterte, gegen die Angriffe der Meuterer Stand zu Hallen. Diese Dinge trugen sich in Neu-Fez zu. Als die Nachricht in Alt-Fez anlangte, warfen sich die Araber auf die dort befindlichen Juden; diese retteten sich nach einem Fondal, wo alle israelitische Handels- Häuser beisammen stehen. Inzwischen erschien ein Ca'id . mit Eöcorte und veraulaßte die Israeliten, ihren ZufluchtSort zu verlassen, indem er ihnen versprach, sie bis in ihr Stadtviertel, zu beschützen. Angelangt an einem größeren Platz, wurden die Soldaten des Caid von der Menge umlagert, die die Juden mit Stockschlagen und Steinwürfen überfiel. Zum Glück langte Si-el-Hadj-Said mit seiner Patrouille an und zerstreute die Meuterer. Am nächsten Tage, dem 24. Mai, nahm die Aufregung ab, Dank sei cs den Maßnahmen des Gouverneurs. Tag und Nacht wurde das Mcllah bewacht, Patrouillen durchstreiften ohne Unterlaß die Stadt, jede Ansammlung von Arabern wurde untersagt. Am 26. Mai bei Tagesanbruch zeigten sich hinter den Wällen des Mcllah mehrere Hundert Leute, die zu Fuß und zu Pferde aus den Bergen herbei geeilt waren, auf die Neuigkeit hin, daß die Juden massakrirt und ausgeplündert würden; sie wurden leicht auseinander getrieben. Am 23. und 24. Mai hatte es einige dreißig Verwundete gegeben, worunter einige sehr ernstlich; man nennt unter den Verwundeten: Samuel Cohen 52 Jahre; Joses den Lczra, 40 Jahre; Menahcm Ben sin!on, 30 Jahre; Juda Dahan, 50 Jahre; Messud Dahan, 18 Jahre; Miman Eljricf, 35 Jahre; Moses Banaroj, 30 Jahre; Joseph Benaim, 25 Jahre; Jakob Wahnish, 24 Jahre; David Botbol. Diese Vorgänge hatten Rückwirkungen in Mequing und Seffron, wo Versuche zu Ruhestörungen gemacht wurden. Am 2. Juni, bis auf welche Zeit die letzten dem Zentral-Komitee zugegangenen Nachrichten zurückreichen, war die Ordnung in Fez fast wieder hergestellt. Es hatte wohl in der I Nacht ein Anfall der Araber gegen den jüdischen Friedhof׳ — der mit dem Mellah verbunden ist — stattgefunden, aber es kamen Soldaten herbei und schossen auf die. Angreifer, die die Flucht ergriffen. Marabonts fahren fort, das Volk gegen die Juden aufzureizen und den heiligen Krieg gegen die Christen zu predigen; sie verbreiten falsche Nachrichten, die den Unruhen neue Nahrung geben. Bald haben sie in Erfahrung gebracht daß der Sultan den europäischen Mächten den Krieg erklärt hat, bald, daß die Armee des Sultans, ernenn Sieg über die Ungläubigen davon getragen ES steht zu befürchten, daß diese Aufwiegelungen die bcklagenSwert heften Folgen haben. Türkei. * * Konstcnttittopel. Nach einer von dem ״Jcwish World" gebrachten Mittheiluug ist die etwa. 55000 Seelen zählende jüdische Bevölkerung von Konstantinopel in der glücklichen Lage, in der Person des Herrn MoseS Levy einen ebenso gelehrten wie energischen Oberrabbiner zu besitzen, dem als Präses Bechor Effendi zur Seite steht. Dieselben wollen das Gemeindewesen einer gründlichen Reorganisation unterziehen, die Hauptsächlich in folgenden vier Punkten gipfelt: I) Abschaffung der Flcischsteuer; 2) Errichtung einer Rabbinerschule nach abendländischem Muster; 3) Bestellung von Feuerleutm für jede Synagoge; 4) Die Aufhebung der ״Hokabazes". Die Bedeutung der ersten beiden Punkte leuchtet ohne Weiteres-ein, und wir versprechen uns viel von der Errichtung einer Nabbinerschule, falls dieselbe, woran wohl kaum gczweifett werden kann, im Sinne des gesctzestreuen Jndenthnms geleitet wird. Was den dritten Punkt betrifft, so ist diese Institution insofern von Bedeutung, als bekanntlich der größte Theil der Häuser in Konstantinopcl, und somit auch die Synagogen, aus Holz gebaut sind. In Bezug auf die ״HokabazeS" ist zu bemerken, daß dies Leute sind, welche das Privilcgium haben, bei jedem Familienfeste zu erscheinen und daran Theil zu nehmen. Amerika. Chicago, Juli. Im Grunde mag cS gleich sein, ob einer der Neformprcdigcr Unitaricr wird oder nicht, ob er sich tauft oder nicht. Denn was ist noch Jüdisches an ihnen? Das Sabbathgesetz entweihen sie bereits, Speiseverbote existiren für sie schon.längst nicht mehr. Milah wird sehr dilatorisch von ihnen behandelt. An ביאת משיח haben sie nie geglaubt; die wirkliche Göttlichkeit der Thora ist ihnen ein Ammenmärchen; und sie sind eben daran, ein ganz neues Ding zu erzeugen, welches sie amerikanisches Judenthm nennen wollen. Schade, daß da einige kleine Hindernisse obgewaltet haben müssen, denn die Cincinnatier

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