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Jeschurun · 1886-07-22 · Heft 29 (22.7.1886) · p. 460

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 29 (22.7.1886)
Article
Holland : Rotterdam [Nachricht]
Date
1886-07-22
Page
460 (sequence 2)
Language
German
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460 die Schule bereits verlassen haben und ein Handwerk erlernen, ist am Samstag und Sonntag ein WiederholungsknrsnS eingerichtet. Die Mädchen lernen außer den speziell jüdischen Fächern, die religiösen Vorschriften für Frauen wie Koschermachen von Fleisch, Geflügel u. s. w., die Einrichtung der Küche mit Nücksicht auf Milch- und Fleischspeisen. 21 Knaben erlernen ein Handwerk, und zwar werden 12 Schneider, 3 Schuhmachcr, 2 Mützenmacher, 2 Friseure, 1 Möbelschreiner, 1 Buchbinder; 2 Knaben bereiten sich für das Lehrfach vor. Von den Mädchen erlernen 2 das Putzfach, 3 sind in der Haushaltung beschäftigt, 5 in der Weißzeugabthcilung, 2 in der Küche. Die Mädchen, welche in der Anstalt beschäftigt sind, erhalten für'ihre Leistungen kleine Vergütungen. Der finanzielle Zustand der Anstalt ist ein erfreulicher. Möge er es stets bleiben. Rußland. I). Moskau, 15. Juli. Man spricht und schreibt so viel über die große Anzahl von jüdischen Militärpflichtigen, welche sich dem Dienste entziehen. Wie cS damit jedoch in manchen der vielen Fällen bestellt ist, davon nur ein Beispiel. Ein aus Mariapol gebürtigcr Jsraetite, Apotheker, Namens Frauch, hielt sich in Rostow aus und wurde dort asscntirt unb zum Militär genommen. Nachdem er seiner Dienstpflicht genügt hatte, ging er nach Moskau. Dort aber erhielt er den Befehl, sich in Mariapol zur Ableistung seiner Militärpsticht zu stellen. Er rcmoustrirtc dagegen. Es wurden Schriftstücke gewechselt. Inzwischen aber nahm man in Mariapol, weil der Jude Franch sich vcrineintlich dem Militärdienst cmzogen hatte, einen andern Juden Skolnikow zum Militär, welcher den mittelasiatischen Truppen zugetheilt wurde. Franch aber sigurirt natürlich in der Liste als Militärflüchtiger, obgleich er jahrelang gedient hat! Und wegen dieses Jrrthums muß ein Anderer in Asien schweren Dienst thun! * Kowno, 12. Juli. Nach dem ״Woschod" ist das Verbot des Haltens von Schreibern jüdischer Konfcssion nicht auf die Kanzleien der Advokaten allein beschränkt, sondern auch auf Notare ebenfalls erstreckt. Diese Verfügung, durch welche eine große Anzahl geschickler und zuverlässiger Menschen brodlos gemacht wird, ist keineswegs im Sinne ihrer Arbeitgeber. Diese suhlen sich vielmehr gleichfalls dadurch schwer getroffen und beklagen den Verlust ihrer besten Hülsskräste. * Soshkew (Gouvernement Kiew). In der ״Hazcsirah" findet sich ein Bericht ans dieser kleinen Stadt, welcher einen Beitrag zur Widerlegung der sätschlichen Anschuldigungen ׳ liefert, als ob die Inden sich der wirklichen Arbeit entziehen und lediglich auf mühelosen Erwerb ihr Augenmerk richten. Es wird von Herrn S. L. Wisniwezki aus Soshkiew nachgewiesen, daß in dem Städtchen etwa 100 jüdische Handwerker, namentlich Schlosser, Zimmcrleutc und Maurer leben. Ferner, daß sich sehr viele als Tagelöhner mit Feldarbeiten beschäftigen. 2 Diittcrlmrg, 10. Juli. Die Freude über den unserer Stadt gewährten Besuch II. KK. HH.Großfürsten Wladimir und Großfürstin Maria Pawlowna wurde auch in alten Kreisen der jüdischen Bevölkerung lebhaft gctheilt. Einer jungen Israelitin, Maria Grünbcrg, wurde die hohe Ehre zu Theil, Namens der Schülerinnen des TöchtcrgymnasinmS eine von demselben angefertigtc prachtvolle Decke der Großfürstin zu überreichen und dafür den huldvollen Dank der erlauchten Prinzessin entgegenzunehmeu. Die hohen Herrschaften besuchten auch das jüdische Krankenhaus und ließen sich über dessen Verhältnisse eingehend von dem Rabbiner Vortrag halten. m. Niga, 12. Juli. Es hat gewiß für weitere Kreise Interesse und legt ein rühmliches Zcugniß für den vornrtheilsfreim und humanen Sinn der betreffenden Schulbehörde ab, daß bei dem diesjährigen Abitnrimtmexamen aus Nücksicht auf einen einzigen jüdischen Schüler zwei Sonnabende von dem Prüfungstcrminc ansfielen und durch zwei Wochentage ersetzt wurden, Marokko. * Das Zentral-Komitee der All. Israel. Univers. hat folgende Mittheilungen aus Fez erhalten: Es ist bekannt, daß verschiedene europäische Mächte seit einigen Monaten mit der marrokanischcn Regierung verhandeln, wegen neuer Handelsverträge, die es ihren Landesangchörigcu gestalten würden, Getreide und Rindvieh aus Marokko auszuführen. S. M. der Sultan ließ durch ein Manifest dasjenige bekannt machen, was er die Forderungen der europäischen Mächte nannte, dasselbe wurde am 18. Mai öffentlich in Fez vorgetragen. Dieses Manifest verursachte große Aufregung unter den Muselmännern, die sich durch dm Export von Getreide und Rindvieh schon Hungers sterben sahen. Die Araber nahmen den Fremden gegenüber eine drohende Haltung an, und die Behörden mußten Maßregeln treffen, um die Ordnung aufrecht zu erhalten. Doch war die Stimmung unter den Muselmännern eine sehr gereizte und man fühlte wohl, daß der geringste Zwischenfall genügen würde, neue Ruhestörungen hcrvorzurufm. Derselbe ereignete sich am 23. Mai. Ein Jude und ein Araber gcriethen in Streit; der Araber zog seinen Dolch, um dm Juden damit anzugreism; dieser, indem er ihm denselben entriß, verwundete ihn an der Hand. Eine bei dem Streit gegenwärtige Araberin schrie: ״O Islam, ein Jude tobtet einen Araber!" Es bildeten sich

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