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Jeschurun · 1886-07-22 · Heft 29 (22.7.1886) · p. 459

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 29 (22.7.1886)
Article
Deutschland : aus dem Elsaß [Nachricht]
Date
1886-07-22
Page
459 (sequence 2)
Language
German
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volle Verse gekleideten Ansichten über die Nichtjuden hegen: ״Seitdem ich denke, seitdem ich fühle, Seitdem ich historisch weiß, daß viele Sogenannte Christen nur Ungeziefer sind, Und, wie die Läuse in dem Grind,.' Von Brand, Gift, Eiter und Krankheit leben, Fühl' ich vor Unmuth mein Herz sich heben. Und wahrend Andre nur Furcht und Vorsicht Dulden und hinter den Ohren sich kratzen, Möcht' ich vor Galle und Wahrheit zerplatzen Und werfen sie beide Euch ins Gesicht." Oder: ״Denn aus dem allerschlechtesten Juden Macht man noch einen Christen, einen guten. Diamanten kann man zu Kohlen zerreiben. Aber Kohlen werden immer Kohlen bleiben." Wir verwahren uns ganz energisch gegen die Zumuthuug, daß solche Ansichten im Judenthnm im Allgemeinen verbreitet sind, und bedauern auf's Tiefste die Verirrungen jenes Herrn, wie sie sich in den angeführten Zeilen knndgeben, — und zwar da§ um so mehr, als, wie auch in einer ungesehenen literarischen Zeitschrift betont wird, eine derartige Christcnhetze nur böses Blut zn machen geeignet ist. Auch wir halten eS für überflüssig, uns hier in eine weitere Polemik mit dem anscheinend hirnverbrannten Verfasser zu ergehen, da ja gewiß jeder rechtlich Denkende davon überzeugt ist, daß diese im Gehirn eines Einzelnen entstandenen Wahnideen sicher nicht Gemeingut der jüdischen Nation sind. Diejenigen aber, welche daraus zn Ungunstcn des Judenthums Kapital schlagen wollen, werden sich auch durch noch so schlagende Gegenbeweise von ihrem Vorhaben nicht abbringen lasien. Oesterreich-Ungarn, r. Aus Galizien, im Juli. In Ihrer geschätzten Zeitschrift hat die Nachricht von einem Erlasse des Ministeriums, durch welchen die DiSpensirung der jüdischen Schüler vom Schreiben und Zeichnen am Sabbath in den Mittelschulen Galiziens verboten sein soll, ebenfalls eine Stelle gefunden, wie Sie auch der Vorstellung, welche der Vorstand des Schomer-Jsrael- Vereins deswegen an den Herrn Kultusminister gerichtet, Erwähnung thun Lassen. Gestatten Sie mir hierzu einige Bemerkungen. Es erscheint mir nämlich sehr auffallend, daß von dem cislcithanischcn Ministerium eine solche Verfügung, welche allerdings mir der früher in dieser Materie erlassenen und vielbesprochenen des ungarischen Herrn IlnterrichLSministcrs nbercinstimmen würde, lediglich für das Kronland Galizien erlassen sein sollte. Ich habe kürzlich Gelegenheit gehabt,׳ nrich zu erkundigen, ob man in Mähren etwas von einer solchen Verordnung weiß, erhielt aber zur Antwort, daß dieses nicht der Fgll ist. Ebenso habe ich merkwürdiger Weise nicht in Erfahrung bringen können, ob denn dieser Erlaß auch in Galizien überall zur Ausführung kommt. ES kommen für mich noch ocrschicdcne andere Umstände hinzu, welche mich an der Existenz dieses Erlasses zweifeln lassen. Ich bitte Sic, diese meine Zweifel öffentlich kundzugeben, damit für authentische Nachrichten von berufener Seite Anlaß gegeben wird. (Wir kommen diesem Ersuchen hierdurch nach und sind gern bereit, authentischen Mittheilnngen über diesen Erlaß die Spalten unserer Zeitung zur Verfügung zn stellen. Anmerkung der Redaktion.) * Lemberg, 14. Juli. Der neuernannte römischkatholische Bischof von Tarnow, Lobvs, hat jüngst auf einer BisitationSreise, die er zum erstemnale in seiner Diözese unternahm, die Stadt Dembica passirt, wo er von der Ortsbevölkerung feierlichst begrüßt wurde. Au die zu seinem Empfange erschienene Deputation der dortigen Äudengemeinde hielt der Kirchenfürst eine längere Ansprache, deren Spitze unverkennbar gegen die Antisemiten gerichtet war. Nachdem er den Re- Präsentanten der israelitischen Kultusgemeinde für die ihm zu Theil gewordene Aufmerksamkeit seinen Dank ansgcdrückt hatte, hob der Bischof nachdrncklichst hervor, daß die katholische Kirche auf den Grundvesten der mosaischen Lehre beruht, und daß beide Neligionsbckenntnisse auf dieselbe Quelle, nämlich ans die göttliche Offenbarung und die Satzungen der Patriarchen znrückzuführen sind. Schon dieser Umstand spreche dafür, daß die Katholiken und Juden friedlich und in brüderlicher Liebe mit einander leben, sowie jede Nassenanfeindung vermeiden sollen; das Bestreben, den sozialen Frieden zu stören, müsse von allen einsichtigen Leuten rückhaltlos vcrurtheilt werden. (N. Fr. Pr.) Holland. H Rotterdam, 15. Juli. Nach dem soeben ansgegebenen Jahresberichte hatte das ״Zentral Israel. Waisenhaus für Holland in Utrecht" am 31. Dezember v. I. 60 Zöglinge: 39 Knaben und 21 Mädchen; davon wurden 2 unentgeltlich verpflegt, 1 gegen eine Vergütung von 60 fl., 23 ä 125 fl. und 34 ä 160 fl. Den allgemeinen Unterricht empfangen die Kinder in einer öffentlichen Schule, den jüdischen in der Anstalt. Für letzteren sind die Knaben in drei Klaffen gethcilt, die Mädchen bilden zusammen eine Klaffe. In der höchsten Knabenktaffe umfaßte der Unterricht: Uebersetzung des ganzen Pentateuchs, der Gebete, der Haphtharoth, der Bücher Esther, Ruth u. s. w., Sprüche der Väter, hebräische Sprache, jüdische Geschichte, Geographie des Heiligen Landes, Mitzwoth, Schulchan Arutch, ״Leinen". Für die Knaben, welche

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