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Jeschurun · 1886-07-15 · Heft 28 (15.7.1886) · p. 441

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 28 (15.7.1886)
Article
Deutschland : Hannover [Nachricht]
Date
1886-07-15
Page
441 (sequence 1)
Language
German
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M 23. -441 Zeschnru«, Korrespondenzen nnd Nochnchten. Deutschland. Hannover. Der Rechenschaftsbericht der hiesigen n")1 של ב״ח p'n oon 1885 weist nach, daß für Verpflegung und Unterstützung, ärztliche Hülfe, Apotheke re. die Summe von etwa 8000 .tk verausgabt worden. Eö wurden im Ganzen 52 Leichen auf dem hiesigen Friedhofe beerdigt. An Stelle des verstorbenen Herrn Leon wurde in der Vcreinöoersammlung Herr Julius Frensdorfs in die Direktion gewählt nnd der ans dem Vorstande ansscheidende Herr Kommerzienrath Molling wieder gewählt. M. Berlin, 13. Juli. An die ״Kreuzzeitung", welche keine Gelegenheit vorübergehen läßt, in treuer Wallung ihres Wächteramts die Welt vor den gesährlichen Juden zu warnen und neulich sogar sich nicht scheute, die gerichtliche Warnung vor einer Anzahl auswärtiger Kuppler mit leider jüdischen Namen unter der Ueberschrift ״Zur Judenfrage" zu bringen, — an die ״Krcuzzeitnng" möchte ich eine kleine öffentliche Bitte richten: In der Sonntagsausgabe Nr. 159 bringt sie unter ״Vermischtes" unmittelbar hinter einander die folgenden Nachrichten. ״*Naumburg a. d. Saale, 9. Juli. Das Schwurgericht verhandelte heute gegen drei Beamte des Borschußvereins in Osterfeld wegen Urkundenfälschung und Unterschlagung. Dieselben haben im Ganzen 183 000 Kassengelder unterschlagen und das Defizit durch falsche Buchungen verdeckt. Das Urtheil lautete gegen Kassirer Hering wegen Urkundenfälschung. Unterschlagung und Verleitung zur Urkundenfälschung auf zwei Jahre Zuchthaus, den Koutroleur Berger wegen Urkundenfälschung auf ein Jahr Gefängniß, den Kassirer der Vereinsfiliale in Tüchern, Geißler, wegen Urkundenfälschuug und Unterschlagung auf fünfzehn Monate Gefängniß. Alle drei erhielten außerdem noch entsprechende Ehrenstrafen. 6-. Altona, 9. Juli. Der jüdische Lotteriekollektenr PincuS ist flüchtig, nachdem er Betrügereien in großem Maßstabc begonnen hat. Die Betrogenen sind meist hiesige Burger, die vertrauensselig genug waren und den Pincus oft ihr ganzes sauer erspartes Ver^ mögen hiugcgcbcn hatten. Die Summe, um welche er hiesige Leute beschwindelt hat, beträgt mehr als 30 000 ^L Hinter den Flüchtigen ist bereits ein Steckbrief erlassen." Frage: Warum erachtet sie es für uothwendig, bei dem Altonacr Spitzbuben das GlanbenSbekenntniß zu betonen und bei den Osterfelder Spitzbuben dieses zu unterlassen? Welchen Zweck hat sie bei einer solchen Gepflogenhcit im Auge? Ich bemerke dabei ausdrücklich, daß ich cS allerdings sehr bedanre, daß es überhaupt Spitzbuben giebt, daß es mir sehr leid thut, auch preußische und deutsche Spitzbuben wahrzunehmen, daß ich eS tief beklage, auch jüdischen Spitzbuben zu begegnen, daß ich mich aber keineswegs beleidigt fühle, wenn in der Zeitung bemerkt wird, dieser oder jener Spitzbube sei ein Jude. — Ich hoffe, die ״Kreuzzeitung" wird nächstens auf meine bescheidene Anfrage antworten? □ Köln, im Juli. Rheinland ist nicht Brandenbürg und Eines schickt sich nicht für Alle. Die Weisheit gebietet oft dem ungestümen Drang des Herzens Einhalt und berechnende Klugheit legt der Zunge Zügel an. Am 24. v. M. tagte der evangelische Verein für christ- Uche Volksbildung in Rheinland und Westfalen zu Mülheim an der Ruhr unter Vorsitz des hiesigen Divisionspfarrers Di׳. Rocboll. In seiner großen Emleitungsrede berührte Herr Nochotl auch das Verhältniß des Vereins zu Stöcker. Man habe gefürchtet, daß die bekannten Stöckerprozesse der Wirksamkeit und Ausbreitung des Vereins schaden würden. Das sei nicht der Fall gewesen. Die gefürchtete oder von anderer Seite erhoffte Sterbestunde habe nicht geschlagen. Im Gegentheil, das Auftreten Stöckers habe ihm mehr genützt als geschadet. Nach einem von befreundeter Seite abgefaßten Berichte sprach Herr Or. Roch oll über die Stellung dcS Vereins zu Stöcker dann weiter: ״Um nun noch einmal unsere Stellung zu Hofprediger Stöcker genau anzugeben, wiederhole ich hier, was ich an einem andern Orte über meinen Freund ausgesprochen habe: Jedes paßt sich nicht für Alle! Stöcker ist ein ganz besonders beanlagter Mann, er steht auf ganz besonders geartetem Boden in Berlin; er schlägt sich mit ganz besonders entwickelten Parteien; er kann nicht Vorbild für Alle sein. Es ist widersinnig und unklug, wenn andere Leute es gerade so machen wollen, wie Stöcker. Dies wollen wir am Rhein vornehmlich betonen, die wir im Verein für christliche Volksbildung andere Wege einschlagen, um christlichen Sinn nnd christliche Gesittung ins Volk zu bringen, die wir die Fraktronspolitik hintansetzen und kein soziales Reform- Programm aufstellen und vertheidigen! Wir am Rhein streben darnach, durch Wort und Schrift auf den Geist des Volkes zu wirken, damit die rechte Gesinnung gegen Gott und Menschen, die uneigennützige Liebe des vor Gott Guten, und die ernste Verwerfung des Bösen allenthalben Platz greise, ohne im Interesse einer politischen Partei zu arbeiten! -Aber gehen wir mit dem Politiker Stöcker nicht auf allen Pfaden gemeinsam, dann geschieht es sicherlich mit dem Prediger und Evangelisten Stöcker, und als solchen haben wir ihn nach Köln auf den dritten Vereinslag gebeten und als solcher bleibt er uns lieb und theuer. Und seine Rede im Viktoriasaale hat manch Herz, das ihm grollte,

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