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Jeschurun · 1886-07-08 · Heft 27 (8.7.1886) · p. 430

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 27 (8.7.1886)
Article
Österreich-Ungarn : Preßburg [Nachricht]
Date
1886-07-08
Page
430 (sequence 1)
Language
German
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430 M. Prehbnrg, 2. Juli. Alle Vorstellungen der Stadtgemcindc, die Kosten der zur Bewältigung der Jndenexesse im Jahre 1882 nach hier gelegten Militärmacht von sich abzuwälzen, sind vergeblich gewesen. Der Minister hat endgültig entschieden, daß die Stadtgcmciudc dieselben mit 5000 Gulden jetzt ohne ferneren Verzug bezahlen soll. Italien. * Livorno, 30. Juni. Zn unserem schmerzlichen Erstaunen erfahren wir, daß in der berühmten großen Livornescr Synagoge eine Orgel angebracht werden soll. Wir können diesen Vandalismus kaum fassen. Als einen solchen stellt sich der ästhetischen Anschauung die Verunzierung alter ehrwürdiger Synagogen durch eine der neuesten neologischcn Geschmacksverirrung entstammende Institution dar. Im Uebrigen begreifen wir das Livornescr Rabbinat nicht. Hatte dasselbe bei einer solchen Neuerung nicht mitzureden? Der dortige Oberrabbiner Herr Elia Bcnamozegh erfreute sich bis jetzt auch im Anslande deö Rufes eines gelehrten und frommen Mannes. Ist derselbe mir der Einführung einer Orgel einverstanden, oder wird dieselbe gegen seinen Willen eingesührt?? England. London, 2. Juli. Aldcrman Jsaacs ist znm Schcriff gewählt worden. Er ist der dritte Israelit, welcher innerhalb der letzten Jahre zu» eine so hohe Würde berufen wird. Es ehrt dieses sicherlich die hiesige jüdische Gemeinde ebenso wie die englische Gesellschaft überhaupt. — Das Jubiläum der Königin wurde selbstverständlich auch in allen jüdischen Kreisen innig gefeiert. Haben doch die Inden auch als solche Veranlassung genug, um der erhabenen Monarchin, welche den brittischen Thron ziert, den Zoll der Dankbarkeit und Berehrung darzubringen. Wenn die Bekenner des JudenthnmS in ihrem weiten Reiche glücklich und frei wohnen und von gehässigen, vorurtheilSvollen Angriffen verschont bleiben, so ist auch dieses friedliche Glück ihr Werk. AuS jüdischem Herzen dringt das innige Gebot znm Himmel empor: 00t save the Queen! N nßland. y. Warschau, Ende Juni. Eine wichtige Entscheidnng ist dieser Tage vom Senate ausgegangen. Es kam bis jetzt nicht selten vor, daß Inden bestraft Mn den, weil sie bei einem außerhalb der Synagoge veranstalteten gemeinsamen Gottesdienste betroffen wurden. Nunmehr ist aber erkannt worden, daß solche gottesdienstliche Vereinigungen überall nicht verboten sind und deshalb auch nicht unter Strafe gestellt werden können. * Kowno. Der ״Hazcfirah" wird von einem furchtbaren Unglück berichtet, welches am 25. Juni in Kowno sich ereignet hat. In einem jüdischen Verkaufsladen in der Nähe des neuen Bethhamidrasch trat ein Soldat, um einen Einkauf zu machen. Bei dieser Gelegenheit zündete er mit einem Schwefclholz seine Pfeife an und warf dasselbe fort. Unglücklicherweise siel cS in ein Faß mit Nafta, welches sofort in Flammen aufging. Die brennende Flüssigkeit ergoß sich und erfaßte mehrere Personen, welche in ihrer Verzweiflung weiter stürzten und das Feuer auf Andere mittheilten. So wurden zehn Menschen von dem Feuer ergriffen, drei sind bereits gestorben und die Anderen schweben in Todesgefahr. Nu mänien. .'. Jassy, Ende Juni. Der AuSwandcrnngScifer ergreift immer weitere Kreise. Nur fort von hier, nur hinweg ailS einem Lande, daS unS Schmach oder Elend bietet! Also hört man reden. Vorige Woche sind wiederum!35 Personen abgcreist, in der Absicht, via Bremen nach Amerika zu gehen. Auch aus Roman, Bukarest n. a. O. mehren sich die Auswandererzüge. Maimle Jttünp. Von ®rtinitd Bert hold 31 ofner. (;HUc Rechte 1>t>vl>cl;alte!10 (Fortsetzung.) Dieser kam bald mit einer Karte deö Rittmeisters heran«, ans welcher stand: ״Es tljut mir aufrichtig leid gegen den Zwang der Verhältnisse nichts ausrichten und Ihrem Wunsche nicht willfahren zu können." Nach diesem dürfte man sich versucht fühlen anzunchmcn, der Herr Rittmeister stehe vor seinem Gencrale, oder habe nichts cringcrcS zu thun, als im Aufträge des KriegSiuinisterS eingehend die Frage zu erörtern, ob n!an bei der Kavallerie die thcnrcn Pferde nicht durch eine wohlfeilere Thiergattnng, etwa durch brasilianische Känguru'« ersetzen könnte und in welcher Form die derzeitigen strategischen Operationen der neuen Einrichtung umzngcstalten wären? — Das war wohl nicht der Fall, aber deswegen war die wirkliche Beschäftignng deö Herrn Rittmeisters auch wichtig genug, um seine Handlungsweise zu rechtfertigen — er saß im traulichen Zirkel einiger Kameraden beim schäumenden Champagnerglase.-DaS Vergnügen, dem unleidlichen, naseweisen Judenschlinge! eine so empfindliche Lektion erthcilen zu können, steigerte um einige Grad seine Champagnerfröhlichkeit.

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