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Jeschurun · 1886-07-08 · Heft 27 (8.7.1886) · p. 429

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 27 (8.7.1886)
Article
Deutschland : Bad Kissingen [Nachricht]
Date
1886-07-08
Page
429 (sequence 2)
Language
German
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429 schaarten sich denn auch am heutigen Nachmittage in dem hiesigeü der Trauer um den dahiugeschiedeucn König entsprechend dekorirtcn GottcShausc die Mitglicder der jüdischen Gemeinde zusammen, um durch eine würdige Tranerfcicr des Heimgegangenen Fürsten Andenken dankbar zu ehren. Niete der hier anwesenden jüdischen Kurgäste schlossen sich ihnen an. Außerdem fanden sich die Herren Bürgermeister, Krcisamtmann, Amtsrichter, Bezirkskommandenr, sowie eine Anzahl nichtjüdischer Kissingcr Bürger ein. Ein Chorgesang cröffiicte die Feierlichkeit; es folgte die Rezitation von Psalm 3 6 und 17; sodann wurde in wohlgclnngcner Weise vom Vorbeier, Herrn Lehrer Ehren re ich, und dem Syuagogenchorc Psalm 13 gesungen. Darauf hielt Herr Distriktsrabbiner M. L. Bamberg er die Trauerrede. In schlichten aber wahrhaft znin Herzen gehenden Worten schilderte der Redner unter Zugrundelcgnng der Psalmworte: ימי שנותינו בהם שבעים שנה למנות ימינו בן הורע ונביא לבב חכמה mit besonderer Hervorhebung der Hauptmomente aus dem Thatcnlebcn des hochseligen Königs den Verlust, den Bayern, den Deutschland, den speziell die Inden Bayerns zu beklagen haben. Nach Rezitation der Psalmen 90 und 91 trug der Vorbetcr das Kaddischgebet vor, worauf die Thora aus bcm ארון הקודש genommen wurde. Das Gebet für das Wohl Sr. Majestät des Königs Otto, des Prinzregenten sowie des ganzen königlichen Hauses beschloß die würdevolle Feier. Oesterreich-Ungarn. *1* Pest, 29. Juni. Ich beeile mich Ihnen die erschütternde Trauerknnde zugchcn zu lassen, daß unser verehrter und würdiger Obcrrabbiner Herr Joachim Schreiber נ״ע zum bessern Dasein entschlummert .ist. Er zählte noch zu den letzten hervorragenden Schülern des חתם סופר und vertrat mit Energie und ungebrochcuem Muthe die Sache des orthodoxen Iudcnthums bis zum letzten Athcmzuge. Die Hülle des edlen Verblicheuen wird heute nach seinem Geburtsorte Preßburg zur Bestattung überführt werden. תיניציביה. A. Preßburg, 30. Juni. Namens der löbl. Schulkommissiou überreiche ich Ihnen den Jahresbericht der Handelsschule der orthodoxen israelitischen Kultusgemeinde indem ich noch hinzufüge. daß die Jahres- Prüfung an dieser Anstalt am 28. d. M. in Gegenwart des Schulinspektors, Herrn königlichen Rath Josef v. Roth, des Herrn Sekretärs v.'Papp, des löbl. Gemeinde-Vorstandes und vieler Anderer stattsaud. Das Resultat der Prüfungen ist ein in jeder Beziehung zufrieden stellendes und zeugt von der vcrstäudnißvollen Leitung, welche diesem jungen Institute ein sicheres Prosperiren sichert. Wir entnehmen diesem in ungarischer, deutscher und hebräischer Sprache abgcfaßten Berichte mit vieler Freude die gedeihliche Entwickelung der Handelsschule. Der Unterricht umfaßt, Ungarisch, Deutsch, Französisch, Geographie, Geschichte, Rechnen. Buchhaltung, Wechsclrecht, Handelskorrespondenz. Naturgeschichte. Geomctrie, Freihandzeichnen, dann aber auch חומש mit תחלים ירשי und גמרא. In dem Berichte heißt es u. A.: ״Schon unsere Weisen lehren: יפת תורה עם דרך ארץ, Gottesfurcht, Beobachtung der Neligionsgcsetze steht der Bildung dem Fortschritte nicht im Wege, beide lassen sich ganz harmonisch vereinigen; und eben diese Ueberzeugnng war es, welche die hiesige orthodoxe israelitische Knltusgemcinde bewog, ein Institut ins Leben zu rufen, worin die jüdische Jugend mit dem fürs Leben nothwendigen Maß von Kenntnissen und Wissenschaften tüchtig ausgerüstet, dabei aber zu frommen gesctzestrcuen Israeliten erzogen werden soll!" A. Prefzbnrg, 30. Juni. In der Voraussetzung, daß Sie vom Ableben des allbekannten Rabbiners der autonomen orthodoxen israelitischen Gemeinde Budapeft Herrn Joachim (Schreiber) Szofer זציל benachrichtiget wurden beschränke ich mich heute, Ihnen blos von der לויה desselben, welche hier stattgefnnden, Mittheilnng zu machen. Um 4 Uhr Morgens langte hier der Zug an, der die irdischen Neste des thenren Verblichenen aus Budapest brachte, welcher von mehr als hundert Herren begleitet war, unter denen wir außer dem Vorstande der Pester Gemeinde auch die Leiter der Durchführungs-Kommission, Di׳. TotiS, Dr. Schächter und mehrere Andere erblickten. In den Morgenstunden langten die Rabbiner und Gemeinde-Vorstände der Preßburger, Tyrnauer, Ncutraar Komitate und viele Andere aus Nah und Ferne an. Um '/'28 Uhr früh wurde der selig Verstorbene vom Bahnhofe abgeholt. Langsam bewegte sich der vierspännige Leichenwagen, begleitet von einer nach Hunderten zählenden Menge und einer sehr großen Zahl von Equipagen. Der Verkehr in den Gassen, durch welche der imposant traurige Zug sich bewegte, war einige Minuten gehemmt. In die Iudengasse gekommen, wuchs die Menge derart an, daß der Leichenzug nur mit großer Mühe sich weiter bewegen konnte. Auf der Hälfte des Weges wurde der Sarg aus dem Wagen genommen und bis zum Fried- Hofe getragen. Um '/2l0 Uhr aus dem Friedhose angelangt, hielt unser Herr Oberrabbiner Schreiber die Trauerrede, welche die große Versammlung mächtig ergriff und kein Auge thräncnleer ließ. Nach ihm sprachen der Bruder deö Verstorbenen, Herr Rabbiner Naftali Szofer, und der Neffe desselben, Herr Rabbiner Moses Szofer. Ihnen folgte Nabbi Wolff Schreiber aus Pest, dessen großartiger הםפר bis 212/ז Uhr Mittags dauerte, worauf der große Todte zur Ruhe bestattet wurde. ת׳נ׳צ׳ב׳ה.

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