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Jeschurun · 1886-07-08 · Heft 27 (8.7.1886) · p. 428

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 27 (8.7.1886)
Article
Deutschland : Berlin [Nachricht]
Date
1886-07-08
Page
428 (sequence 2)
Language
German
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428 ihn nicht an; denn der Glaube an seinen Erlöser tröste ihn- Staatsanwalt Meier hielt die Angeklagten für schuldig und beantragte folgende Strafen; Gegen Gcrson von 45 Mark und die beiden anderen von je 30 Mark, waranf der Gerichtshof auch erkannte. 0. Berlin, Ende Juni. Der ZcntralauSschnß des Deutschen Rabbiner-Verbandes hat hier getagt. Man möchte gern wiederum eine allgemeine Versammlang aller Genossen veranstalten. Man hatte solches schon im vorigen Jahre thun sotten, aber man traut sich nicht so recht an die Oeffentlichkeit. Die Einigfeit ist eben eine nicht ganz gesichertere. Nicht, daß die Herren in Betreff der allgemeinen Basis sehr difscrirten, aber eS hat sein Mißliches, die geehrten Mitglieder, etwa 90 Rabbiner, Zusammenkommen zu lassen. Da könnte der Eine oder der Andere etwas ausplaudern, was im gegebenen Augenblicke nicht recht opportun wäre. Deshalb wird es wohl auch in diesem Jahre nichts werden. **Würzburg. Am 29. Juni, Morgens 9 Uhr, tagte die VII. Generalversammlung des israelitischen LehrcrvercinS für das Königreich Bayern zu Bamberg in den Räumlichkeiten der verehrlichen Gesellschaft Ressource, die die Güte hatte, uns dieselben zur V.rfügung zu stellen. Die Versammlung war sehr gut besucht, sowohl von den ordentlichen Mitgliedern, als von den Gästen, die dazu geladen waren. Der Vorsitzende, Schuldirektor Stern - Wnrchurg, begrüßte die Versammlung in warmen und begeisterten Worten, wobei er zugleich einen Akt der Pietät, einen Akt der Liebe und Dankbarkeit gegen den verstorbenen König Ludwig II. übte, indem er hervorhob, daß Sr. Majestät für das Schulwesen unendlich viel gcthan hat, und daher der Lehrerstand ihn': zum ewigen Dank verpflichtet ist. Stets werden wir Lehrer in Liebe und Dankbarkeit das Andenken unseres Allerhöchstseligen Königs ehren. Dieser Liebe und Dankbarkeit wurde Ausdruck gegeben durch Erheben der Anwesenden von ihren Sitzen. Hierauf nahm der königliche Rechts-׳ anwalt Di׳. WoLfSthal, Vorstand der israelitischen Gemcinde, das Wort. Er begrüßte die Versammlung im Namen der Gemeinde in beredten und herzlichen Worten, und wünschte dem Lehrcrstandc, besonders dem jüdischen, alles Gute, daß derselbe sowohl in geistiger als in materieller Hinsicht erstarke. Alsdann schritt man zur Tagesordnung. Der Sekretär des Vereins, Rath. Eschwcgc-Höchbcrg, breitete sich aus über die Geschichte und Entwickelung des Vereins. daß man demselben seit seinem Entstehen überall freundlich entgegcnkomme und in jeder Hinsicht denselben materiell unterstützte, was auch auö dem Geschäftsbericht des Kassircrs, Dr. Brannschweiger-Würzbnrg, deutlich hervorging. Dieser entwarf ein klares, übersichtliches Bild über die Einnahmen und Ausgaben des Vereins seit seinem Bestehen vom Jahre 1880. Auö demselben entnehmen wir, daß der Verein bereits ein Vermögen von 12000 Jlfx besitzt, und im vcrstossenen Jahre nahe an 600 JL an Wittweu und Waisen an-Unterstützungen verabreicht hat. Es verdient hervorgchoben zu werden, daß zu diesem Vermögen die Gemeinden, freiwillige Spenden und Geschenke und die außerordentlichen Mitgliedcr allein über die Hälfte beisteuerten כן ירבה. Den edlen Spendern möge hiermit öffentlich der tiefinnigft gefühlte Dank iviedcrholt ausgesprochen werden. Dann wurde der Maximalbetrag eines UntcrstütznngStheils für die Jahre 1687, 1888. 1889 ans 60 Jk festgesetzt. Hierauf referivte der Vorsitzende über die Modalitäten der Unterstützungsverlheitung. Außerdem fanden noch kollcgialische Besprechungen der inneren Angelegenheiten statt. Alsdann schritt n!an zur Neuwähl. Die bisherigen Verwalttmgömitglicdcr wurden wieder gewählt und zwar Schuldirektor Stern als Vorsitzender, trotzdem er wiederholt erklärt hat, eine Wiederwahl nicht annehmcn zu können, Eschwege- Höchberg als Sekretär und Dr. Braunschweiger-Würzbürg als Kassirer, ebenso wurden säinmtliche Ausschuß- Mitglieder bis auf eins wicdcrgewählt. Erst gegen 2 Uhr verließ die Versammlung den prachtvollen Saal mit dem Bewußtsein, angenehme nutzbringende Stunden verlebt zu haben. Ein gemcmsameS heiteres Mahl wurde im Gasthofe Goldschmidt genommen. Für das Tischgebet nntrde eine ziemlich hohe Summe Geldes gelöst. Den übrigen Theil des Tages verbrachte man in Begleitung des dortigen Lehrers Herrn Frankel in dem allerliebsten Hain. Gegen 8 Uhr Abends verließ inan die Stadt und kehrte in froher Stimmung in sein Heim zurück. 1. Bad Kissingen, 27. Juni. In die Trauer um den so früh und so jäh;vom unerbittlichen Tode dahingerafftcn edlen bayrischen LandeSfürstcn stinunen auch die jüdischen Bayern mit derselben Innigkeit und Aufrichtigkeit ein, wie ihre nichtjüdischcn Landsleute. Wie die Kirchen, so füllen sich auch die Synagogen des Landes an den dazu bestimmten Stunden mit Andächtigen, die noch einmal so recht deutlich sich vor die Seele führen möchten, was ihnen ihr Heimgegangener König gewesen, was sic mit ihm zu Grabe getragen haben, um die mit den Gebeten für das Seelenheil des ihnen in der Jahre Vollkraft dahingerisscucn Herrschers zugleich ihr heißes Flehen zum Allmächtigen richten, auf daß er in Zukunft das erhabene Fürsten- ' Haus vor Heimsuchung bewahre und auch des entschlafenen Monarchen Nachfolger der jüdischen Bevölkcrang dasselbe Wohlwollen entgegenbringen, welches der höchstselige König Ludwig ihr in so reichlichem Maße gnädigst hat zu Thcil werden lassen. So

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