Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 26 (1.7.1886)
- Article
- Rumänien : Bukarest [Nachricht]
- Date
- 1886-07-01
- Page
- 413 (sequence 2)
- Language
- German
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413 ersichtlich, das die ״rumänische Iudcnfrage" leine Volks׳ wirthschaftlichc, sondern eine religiöse ist, d. h. \\\ dem Zwecke ins;euirt, um die Juden ihrem angestammten Glauben abspenstig zu machen. Amerika. 2 Philadelphia, Ich möchte Ihren Lesern von einem Vorfall Kunde bringen, welcher hier die Leute, namentlich auch die ehrwürdigen Prediger, in große Aufregung versetzte. Der Schuldirektor Taylor hatte die Prüfung, welche für die Versetzung von einem Kursus in den andern maßgebend ist, gerade auf die beiden Schabuoth-Tagc anberanmt. Nun genirt eS leider die meisten Eltern während des ganzen JahrcS nicht im Mindesten, und auch die frommen NabbiS nicht, daß die Kinder am Sabbath schreiben und zeichnen. Steht doch auch der Vater zur selben Zeit im Kontor mit der Feder, hantiert doch die Mutter in der Wirthschaft, und die Nevcrcnds sagen zn dem werkthätigcn Treiben am Sabbath Ja und Amen. Aber am Schabnothfeste wird konsirmirt! Das ändert die ganze Situation. Was wären unsere NabbiS ohne Konfirmation? Was wäre die Reform ohne Konfirmation? Konfirmation ist das Allcrhciligste und Allcrwichtigste des antcrikanischen Indcnthums. Darum gewaltiger Aufruhr Die Rabbiner vereinigen sich zu ernster Bcrathnng, um das Unheil abznwcndcn. Sic erlassen ein Kollektioschreiben an den Schulmouarchcn, erhallen aber keine Antwort. Sic cutfcnbcn eine Deputation zn dem Gestrengen, — vergeblich! Da erfaßt eine edle Erregung die Gemüt her. Die Rabbiner erinnern sich, daß sie und ihre Konsirmanden Nachkommen Abrahams sind, der seinen Gehorsam gegenי Gottes Gebot in zehnfachen schwicrigen opferheischenden Prüfungen bewährte. Sie bcschwören, die Konfirmanden, würdige Enkel eines solchen AhnS zu sein uub das Martyrium, welches der grimmige Direktor über sic verhängt, freudig um der Konfirmation willen auf sich zn neh!nen, d. h. ungcprüft imb vielleicht gar unverletzt zu bleiben. Alles zur größern Ehre der heiligen Konfirmation! — Die ganze jüdische Hierachie ist von dieser Asfairc in Athen! versetzt; in allen Synagogen wird darüber gepredigt als von einer grausamen Judenverfolgung, als von dem fanatischsten europäischen Antisemitismus. Ich muß gestehen, daß ich diese gewaltige Entrüstung nicht zu theilen vermag. Genuß hätte der betreffende Schuldirektor Rücksicht nehmen können, aber cs müssen nicht gerade gehässige Motive sein, welche ihn davon abhaltcn Wenn derselbe sieht, wie wenig ernst den Eltern und Geistlichen seiner jüdischen Schüler bis zn dieser Stunde die Vorschriften ihrer Religion sind und auch ferner bleiben, dann kann er sich sagen, künuncru sich die! jüdischen Ettern, Rabbiner und Schüler, während deS! ganzen Jahres nicht um die Vorschriften des Juden-! thninS, dann brauche ich wahrlich auch nicht unr einer 1 von den Rabbinern zu ihren! eigenen Nutzen und Frommen eingcführten inhaltlosen Zeremonie willen mich im Mindcsten zu genieren. Das ist die Geschichte von der Philadclphier Haup!- und Staatsaktion, welche das Gute hat, daß die Herren Revcrcnds noch lange darüber predigen werden. Ich aber bin der unmaßgeblichen Meinung, daß diese selbst die Schuld tragen, wenn den religiösen Anliegen der Juden wenig Rücksicht gewährt wird. Crlsnnntc Immgen. Von S o m u e l Bert hold Nos «er. (Alle Rechte vort'ehalten.) (Fortsetzung.) ״Daß man doch auch etwas Gescheldtes von Dir hört. Ein origineller Junge, dieser Franz von Colmar, das muß ihm der Neid lassen. ,Bah, immer die alte Geschichte'/ ruft er heute beim Pferderennen, ,immer dieselben Wetten, ob dieses Pferd siegen wird oder jenes. Wartet, ich werde Euch einen neuen Sport geben. Mein Favorit heißt weder Pascal noch Macdonald, sondern Hedwig Friede! Ich habe nn! fünfzig Flaschen Champagner gewettet, daß ich nur zu winken brauche, damit jenes Judendirnlein mir willenlos in die Arme falle. Sic sind alle so und sic macht keine Ausnahme von der Brut. Heute Abend werde ich Euch meine Behauptung in ihrem eigenen Garten beweisen. Nun, wie gefällt Euch die Neuerung? Ihr seid Zeugen -hahaha — charmant!" ״Das ist eine Lüge," schrie Rafael, wie clektrisirt von dein Kanapee cmporschncllcnd, ״Du lügst, Du närrischer Duminkopf! Franz Colmar ist ein Offizier, und kein Offizier kann je eine solche Ehrlosigkeit begehen!" Leo schlug sich mächtig mit der Faust ans die Brust nud schrie noch lauter als Rafael: ״Dagegen verwahre ich mich — ich schleudere die Bezeichnung als Lügner Dir selbst zurück. Was ich gesagt habe, ist buchstäblich wahr, ich bin bei Allem dabei gewesen, ich bin bei dieser Asfairc die rechte Hand deS Herrn Rittmeisters. Ich komme soeben von der Villa Friede, wo ich dem Fräulein ein Bittet des Herrn NittmcistcrS übermittelt, in welchem er sic beschwört, ihm heute Abend an einem Punkte des Parkes ein Rendezvous zu gewähren." ״Und sic hat das Bittet entgegegcnommen?" ״Du verdientest, daß ich Dir nicht die geringste Auskunft mehr gebe, aber Deine rührende Einfalt be«