Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 26 (1.7.1886)
- Article
- Österreich-Ungarn : aus Ungarn [Nachricht]
- Date
- 1886-07-01
- Page
- 412 (sequence 2)
- Language
- German
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412 müssen. Undiesmal führte sie ein übler Geruch so bei der Nase herum, daß sie den Almemor für einen Lchrkathedcr, die Thorarotlen für Lesefibel ansahcn. Am!9. l. M. setzte sich in Tolna (Toluaer Komitat) der VezirkSmcchaniSmns in Bewegung, um. bei dem im Bau sich befiudendcu Schulhause der jüdischen Gemeinde daselbst einen von Inden geschlachteten Christen׳ leichuam zu fischen. Was könnte denn wohl sonst der üble Geruch bedeuten, der nach einer anonymen Anzeige dort herrschte! Natürlich durfte kein Jude davon erfahren; der Bezirksarzt, ebenfalls Jude, wurde übergangen und so schlich die Kommission einzeln auf den Schauplatz, um vereint jene Entdeckung zu machen, die ihnen den Lorbeer cinbringcn sollte, den der nachlässige Vary in Tisza-ESzlar seinen plumpen Händen entgleiten lieg. Der Geruch wird immer intensiver, endlich stöht man auf etwas Festes. Doch, o Schicksal! Kein Leichnam, keine Knochen, einfache Bohnen sind's, die in Füulniß übergehen. Doch unser Vice-Stuhlrichter verzagt nicht. Wie Jener, der, als er seinem Freunde klagte, daß ihm dieser Fuß, auf seinen rechten Fuß zeigend, schmerze, auf die Entgegnung des Freundes, daß er nichts wahrnehme, ärgerlich erwiderte: Ist es nicht dieser Fuß, so ist cS der andere; so setzte die Kom׳- Mission ihre Arbeit unverdrossen in! Tempel fort, den sie nunmehr zn!n Schauplatz ihrer Thätigkcit auserkoren, beschnüffelte alle Steine, untersuchte die BuudeSlade, bis sie endlich die Waffen streckte. Nach einer Korrespondenz im ״Pestcr Lloyd" soll der ganze Apparat zu Frommen der Juden funktionirt haben, um die etwa auftauchenden Gerüchte durch eine gründliche Untersuchung gleich im Keime zu ersticken, womit auch die außerordentlichen VorsichtS!uaßrcgeln gerechtfertigt erscheinen, da man die Möglichkeit der Annahme, daß die Juden von der beabsichtigten Untersuchung Spur erbalten und den Leichnam bei Seite geschasst, von vornherein entgegentreten wollten!! In den Tempel seien die Herren nur aus Langeweile gegangen, und sie wollen daselbst nur bis zur Auffindung der Leiche (?) verweilen. — Graf Pan! Fcstctich jnn. hat mit seinem Antisemitismus entschieden kein Glück. In Ungarn verdankt er ihm seinen finanzietten Ruin — und als er deshalb nach Amerika auSwanderle, erlangte er in Newyork die Erlaubniß, im ungarischen Vereine Vorträge zu halten. Als er aber diese Gelegenheit benutzte, sein antisemitisches GlanbenSbekenntniß abznlegen, waren die Zuhörer gar nicht zufrieden. Die EintritSgeldcr wurden mit Beschlag belegt und sodann dem Rabbiner I)r. Kohut zur Bertheilung an jüdische Arme übergeben. Italien. * Nmn. Juni. Der gegenwärtige Vizepräsident deS Parlaments, Herr Maurogonato zählt zu unfern Glaubensgenossen. Rußland. * Warschau, 21. Juni Laut bestimmt austretenden Gerüchten besteht in RegierungSkrcisen das Projekt, die Zahl der jüdischen Studircnden an den Universitäten, insbesondere die der Jurisprudenz Beflisscncn, zu beschränken. Es heißt, daß nur zehn Prozent Juden sich der Advokaten-Laufbahn (zur Vcamten-Lausbahn werden sie prinzipiell nicht zugelassen) widmen dürfen, während die Zahl der bereits sungircnden jüdischen ״geschworenen Advokaten" an einem Landesgcricht zehn Prozent des gesammtcn daselbst befindlichen AdookatcnkörpcrS uicht überschreiten darf. Der sich ergebende Ucberschuß jüdischer Advokaten soll an anderen Gerichten proportional vcrthcilt werden. Den jüdischen Winkeladvokaten soll in Zukunft die Ausübung ihres Berufes überhaupt nicht mehr gestattet werden. (Poscner Zeitung.) N u 11t ante n. p. AnsNumäilici,, Juni. 3m Distrikt Be kan, auf dem Gute deS Herrn Stürza, sind kürzlich die dort ansässigen Inden mißhandelt und ausgetricben worden, nachdem man deren Häuser denrolirt hatte. Die darüber geführte Beschwerde hat keinen Erfolg gehabt. In N oinan und anderen Drten rüsten sich zahlreiche jüdische Familien zur Auswanderung. ...z. Bukarest, Juni. Wenn mau behauptet, daß die Verfolgung und Unterdrückung der Juden lediglich aus nationalökouomischc Beweggründe zurückzusühren sei, so ist das eine Unwahrheit. Man müßte sonst geradezu blind sein, um nicht zu schauen, daß das bisherige barbarische Verfahren allerdings die Juden ins Elend stürzt, aber daneben auch dem ohnehin uicht allzugroßcn Natioualwohlstaud unheilbare Wunden schlägt. DaS ehemals blühende Jassy, die bedeutendste Handelsstadt Rumäniens, ist bereits rninirt. Handel und Wandel liegen darnieder, Magazine stehen verödet, cm Falliment reiht sich an das andere. Warum? Weil der VelricbSflcitz und die Energie deS Juden fehlt,!veil mau in fanatischer Verblendung dm eigentlichen Motor des rumänischen Handels thcils an den Bettelstab gebracht, IheilS über das Weltmeer gcja'gt hat. Aber der heilige Eifer verblendet die maßgebenden Persönlichteilen. So wird anS Tultschea von der Ausweisung eines angesehenen und wohlhabenden jüdischen Kaufmanns, Josef Ellmann, berichtet. — Während die jüdische Ans- Wanderung von Jassy noch fortwährend anhält, rüstet man sich auch hier zur Emigration. Alle Vorstellungen zum Verlassen dcö von der Negierung bisher befolgten judenfcindlichm Prinzips erweisen sich als durchaus vergebcnS. Wenn die Juden sich taufen lassen wollten, so würden sie mit Ehren überhäuft werden, wie einige Fälle darthua. Es ist deshalb aus diesem Umstande