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Jeschurun · 1886-07-01 · Heft 26 (1.7.1886) · p. 409

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 26 (1.7.1886)
Article
[Rezension] / X.
Date
1886-07-01
Page
409 (sequence 1)
Language
German
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Mm. Zeschnruri, 409 Lc Divoree au point de vuc Israelite. Consultation jmr M. le Graml-Rabbin Michel A. Weil! Paris 1886. Wenn Flachheit und Leichtfertigkeit Zusammenwirken, so ist das Produkt ein schales, leichtsinniges Opus. Bewegt sich dieses auf dem harmlosen Gebiete deö Scherzes und der Frohlauue, so geht man mit leichtem Achselzucken an ihm vorüber. Wenn aber das ernste und heilige Gebiet der Religion eS ist, auf welchem die Flachheit und Leichtfertigkeit ihr Spiel zu treiben sich untersängt, dann verdient dieses die ernsteste und schärfste Zurückweisung. In Folge der seit dem 8. Mai 1816 anfgehobeucu Ehescheidung in Frankreich konnte auch eine jüdische Ehe daselbst nicht unter staatlicher Anerkennung gelöst werden. Mit dem Gesetze vom 29. Juli 1884 aber, das die Ehescheidung in Frankreich wieder einführte, taucht die Möglichkeit eines Konflikts zwischen ' der jndischreligiöscu und der Zivil-Ehescheidung ans. Gesetzt, ein staatlicher SeitS geschiedener Eheman weigerte, sich seiner Ehefrau einen 121 zu erthcilen, so wäre die staatlich geschiedene Frau nicht in der Lage, eine neue Ehe eingehen zu können. Der Herr Oberrabbincr Michel A. Weil! versucht nun in der vorliegenden Schrift eine Lösung dieses Konflikts. Unter Außerachtlassung einer jeden ernsthaften wissenschastlichen Untersuchung werden hier nichtige und hohle Phrasen, auf deren Widerlegung einzugehen kaum der Mühe lohnt, geboten, verbränlt mit falsch angewendetcn GesetzcSstellen, um zu dem horrenden Schlüsse zu kommen, daß in allen Fällen, in welchen der Ehemann sich weigert, die Zivil-Ehescheidnng durch die Ucbcrgabe eines 121 zu vervollständigen, der Ehefrau gestattet sei. sich anderweitig zu verhcirathcn, wenn ein rabbinatlicher Akt alifgcnommcn ist, in welchem erklärt wird, daß der ZivibScheidungSakt durch den GerichtSschrciber ausgenommen sei, und dieser rabbinatliche Akt ihr in Gegenwart von zwei jüdische Zeugen übergeben wird!! Kann man sich einen ärgeren Hohn ans den Ernst des Gesetzes denken! Und dieser Hohn wird von einem Oberrabbincr unter vielen salbungsvollen Worten geübt. Als ob cS daran noch nicht genug wäre, übersendet der Oberrabbincr von Frankreich. Herr Isidor, dieses Machwerk mit einer Ansprache an das gesammte französische Rabbinat und erbittet ׳sich dessen Meinung über diesen Vorschlag des Herrn Weil!, dem er für diese Initiative ״nicht genug danken und ihn nicht genug beglückwünschen kann," den er ״seinen gelehrten (sic!) Kollegen und Freund זה דודי וזה רעי" ncmit! O, der Schmach! X. Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. -a- Berlin, 27. Juni. Sie weichen nicht — das heißt nicht so leicht — aber sie wanken in bedrohlicher Weise. Und doch stürzen sie nicht ganz, die Antisemiten. Das muß man ihnen lassen, ein zähes Leben hat das Ungeheuer Antisemitismus, und noch ist cs gistgeschwollm genug, um Unheil zu streuen mit dem Geifer seines voll Gistzähne starrenden Rachens. Ja, ein kleines Fiasko erlebt der Antisemitismus oft, aber — Unkraut vergeht nicht. — Immer und immer wieder laufen die Judenfeinde Sturm gegen das Vollwerk der Semiten, sie holen sich blutige Köpfe, — doch die Köpfe sind hart genug, um auch durch die dicksten Wände hindurch brechen zu können.-Da haben sie wieder einmal einen Kongreß veranstaltet, über dessen Verhandlungen der wcrthe Leser sich selbst ein Urtheil bilden kann. Dem ״Deutschen Tageblatt" ist darüber folgende Mittheilung zngegangen: ״In den Psingsttagen hat in Kassel ein antisemitischer Kongreß getagt, der von Vertretern ans allen Theilen Deutschlands besucht war und in einer alle Theilneymcr befriedigenden Weise verlief. Das wichtigste Resultat des KongresseS war: die Einigung über die leitenden Prinzipicn und letzten Ziele dcS Antisemitismus. Mst seltener Einmüthigkeit wurde anerkannt, daß das intcrnationale Jndcnthnm einen unversöhnlichen Gegensatz zu anderen Völkern bilde und besonders von dem deutschen Volksthum durch eilte unüberbrückbare Kluft getrennt sei. Die semitische Nassen-Eigcnart, Moral und Lebensauffassung sei grundverschieden von der gerinanischen und müsse deshalb der Gedanke einer Verschmelzung beider Volksstämme als ein Unding zurückgcivlesen werden. Dazu komme noch, wie vcrschiedenc Redner anssührten, daß der Jude in einer bewußten und durch sein Rationalgcsctz gebotenen Feindseligkeit zu den übrigen Völkern stehe, seine Sonderart bewahren und durch wucherische und ausbeuterische Maximen die eingeborene Bevölkerung zu unterdrücken suche; der Jude wolle und könne nie ein wahrer Deutscher sein. Demnach gestalte sich die Indenfrage zu einer Existcn.zsrage für das deutsche Volk, bei welcher religiöse Gesichtspunkte keineswegs in Betracht kamen. Man müsse die Religion auö dem Spiele lassen, um die Frage nicht zu verwirren und den Antisemitismus nicht, in ein falsches Licht zu stellen. Daraus ergebe sich die Nethwendiakeit einkr Ausscheidung der jüdischen Nasse und eine Einschränkung ihres Eillflusses auf allen Gebieten dcö öffentlichen Lebens, dadurch, daß man die der jüdischen Ration voreilig gewährte Gleichberechtigung mit der deutschen auf gesetzlichem und 324254

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