Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 26 (1.7.1886)
- Article
- [Rezension] / D.
- Date
- 1886-07-01
- Page
- 406 (sequence 2)
- Language
- German
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406 historische Skizze zum ״Chaj den Mekiz" von Steinschneidcr beschließt' den Kommentar, dem am Ende noch ein alphabetisches Verzeichniß der Anfänge der im Diwan enthaltenen und ein zweites der uns anderweitkg bekannt gewordenen Gedichte Jbn Esras angefügt sind. Die reiche, im Ganzen 260 poetische und noch einige prosaische Stücke enthaltende Sammlung ist, wie aus einem Vergleiche ihrer Einleitung mit der Vorrede zu dem Diwan des Juda Ha-Leoi ersichtlich ist, von demselben Autor, von Ieschnah ben Etiah Ha-Levi, veranstaltet worden, ein Umstand, auf den der Herausgcber in seiner Vorrede wohl hätte Hinweisen können. Auch vermissen wir eine klare Auseinandersetzung des von ihm beobachteten textkritischcn Verfahrens, aus dessen Einzelheiten emzugehen hier nicht der Ort ist. Im Uebrigen hat sich derselbe durch seine dem Professor Steinschneider zum siebzigsten Geburtstage gewidmete Gabe ein sehr arierkeimeiiswerthcs Verdienst um die hebräische Literatur erworben. Neben der oben erwähnten, von Rosin unternommenen Arbeit wird die vorliegende Gedichtsammlung nicht nur für die Würdigung der literarischen Wirksamkeit Jbn Esra's einen wesentlichen Beitrag liefern, sondern unS auch einen tieferen Einblick in seinen bekanntlich verschieden beurtheilten Charakter vcrstatten und manches neue Licht auf seine mannigfaltigen Lebensbezichnngcn werfen. Besonders interessant sind in dieser Hinsicht die beiden Gedichte (Nr. 203 und 205), in denen er in ergreifenden Tönen den schon anderweitig bekannt gewordenen Uebertritt seines Sohnes Jizchak zum Islam beklagt. Wir lassen zum Schlüsse das zweite derselben, das zugleich, als eine .Probe der Jbn-Esra'schen Muse dienen mag, in einer freien deutschen Uebcrsctzung hier folgen, durch die freilich von der kunstvollen, aus Perlen der heiligen Schrift zusammengesetzte Mosaik des Originals keine Anschauung gewonnen werden kann. Nur in den refrainartig gebildeten Endzeilen der Strophen haben wir die Anklängc an entsprechende Stellen der Thora beizubehalten versucht. Stimm' an um den Sohn, o Vater, die Klag' ״Den einzigen, den du geliebt, den Jizchak!" Mich traf ein herber Jammer, den noch kein Herz empfunden, Mein Kind Hab' ich — 0 ungeahntes Weh! — verloren! Der Stütz' und Stab' mir war' in altersschwachen Stunden. Zum Schmerz und schwerem Leid nur ward er mir geboren! Wie sollt' ich noch froh sein, ״da hiuschied und starb Jizchak?" Drei Jahre, Nacht und Tag. lass' rinnen ich die Thronen, Seit er von Wahn bethört mir starb in fremden Landen; Nichts stillt des Herzens Schrei, sein ewig klagend Sehnen, Bis wieder heim er kehrt, bis wir uns wieder fanden! Wie traf mich so harte Pein, ״ist dies das Schicksal Jizchak's!" Lass' ab, mein Freund, dein Trost reißt neu nur auf die Wunden, Nennst du den Namen nur, erwachen grause Qualen! In Trümmer fiel mein Glück, nicht kann es mehr gesunden, Da sie die Augenweid, des Lebens Licht mir stahlen! Zu Ende geht es mit mir, ich füht's, ״da geendet hat Jizchak!" Du Lenker aller Wesen, vernimm des Vaters Flehen, Dir seit der Kindheit Tagen in Liebe Dir ergeben! Lass' Deines Trostes Hauch mein blutend Herz durchwehen, Führ' ihn zu Deiner Lehre, gieb ihn zurück dem Leben! Dem Knaben schon ״hast jene Du beschiedeu, dem Jizchak!" D. Malldelirngkil. von Friedrich R o t 1. (Nachdruck verboten. (Fortsetzung.) Ein halbuuterdrückteö Aechzcn war die einzige Antwort, die ihr ward. ״Um GottcS Willen, Max, so sprich doch," stehte die Blinde, ״ich kann Dich nicht scheu, aber ich höre Dein Aechzcn, ein schweres Unglück muß Dich getrosten haben — vertraue eö Deiner Mutier an, mein Sohn. — Ist Tirza clivoS zugcstoßcu?" fügte sie nach einigen Minuten banger Erwartung hinzu — ״ist sie —" sie brachte das schreckliche Wort nicht über ihre Lippen. ״Tirza lebt," erwiderte Müller tonlos. ״Gottlob!" flüsterte die Blinde. ״Aber ich, Mutter, ich kann das Leben nicht länger ertragen!" stieß er heftig hervor. ״Sprich nicht so gottlos, Max, wir müssen in Ergebung tragen, waö Gott uns anferlcgt." ״Was Gott unS auferlegt!" rief er mit wildem Lachen. ״Mein Sohn! mein Sohn!" rief die entsetzte Mutter, ״möge Gott Deinen Hohn Dir verzeihen!" ״Ich habe ihn nicht gehöhnt," erwiderte Müller nach Fassung ringend. ״Mutter," fuhr er leiser fort, indem er sich dicht neben die Blinde setzte, ״Mutter,! Du hast ganz recht, wir müssen in Ergebung tragen,