Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 25 (24.6.1886)
- Article
- Deutschland : Frankfurt a. M. [Nachricht]
- Date
- 1886-06-24
- Page
- 395 (sequence 2)
- Language
- German
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395 Vereinigung freudigen >HerzcnS eine bedeutsame Institutiou, welche unter Gottes Beistand für die Erstarkung und Erweckung acht jüdischen Gebens und Geistes segensreich wirken wird. In der nächsten Nummer werden wir ausführlicher berichten. * Gotha, Juni. Der ״Iüd. Presse" wird von hier geschrieben: Wie ich Ihnen berichtete, hat der aus Preußen anSgcwicscnc Zigarrcuhändler Stein gegen den hiesigen Stadtrath wegen Herausgabe einer NaturalisationS- Urkunde, der ihm dieselbe ans Veranlassung der preußischen Negierung durch Verfügung des herzoglichen Staats- Ministeriums zu Gotha wieder abnahm, die Klage angestrengt. In der Prozeßsache entschied nun das zuständige Landgericht in Gotha, daß die Naturalisation dcö Klägers Stein, nachdem ihm die Urkunde ausgehändigt worden war, nicht zurückgezogen werden konnte, und daß ihm seine Eigenschaft als Reichs- und Staatsangehöriger anS keinem Grunde adzusprechen gewesen, daß also auch der Kläger Stein nicht als Ausländer zu betrachten sei. Der Vertreter des Herrn Stein halte einige Tage nach der Publikation dieses vom Landgericht erlassenen Unheils an das StaatSministcruim eine Eingabe gerichtet und in derselben unter Hinweis auf die UrtheilSgründe ge׳ beten, dem Stadtrath Anweisung ans NcuanSstcllnng der Naturalisations-Urkunde und Herausgabe derselben an Stein zu geben. DaS StaatSministcrium hat hierauf vor einigen Tagen ablehnenden Bescheid crthcilt und dabei besonders betont, daß die rechtliche Auffassung desselben durch das ergangene Urtheil in keiner Weise erschüttert sei. In Folge dessen hat Stein, der sich auch mit einem den Verhältnissen entsprechenden Gesuche direkt an den Herzog gewandt hat, gegen das ermähnte Urtheil Vcrnsnng eingelegt. Wenn die oberen Instanzen das Urtheil des Landgerichts aufrecht erhalten, so muß schließlich die Klage gegen das StaatSministerium angestrengt werden. GL Königsberg, i. Pr. Ich theile Ihnen die folgende Auslassung der ״KönigSbg. Hart. Ztg." mit, welche gewiß sehr bcachtenSwerth ist:" Der traurige Zustand unseres Handels ist am besten ersichtlich, wenn man dir Zufuhren vergleicht, welche die Ostpreußische Südbahu im Monat Mai dieses Jahres und im Vorjahre nach Königsberg geführt hat. Bis zum heutigen Tage sind das G:>5 Waggons, darunter *385 an der russischen Grenze übernommene, gegen 58!0 und resp. 5384 vom I. bis zum 20. Mai 1880. Was für Betrachtungen rnscn diese Zahlen hervor! ES ist nicht möglich, zahlenmäßig uachzuweiscn, ein wie großer Bruch׳ thcil dieses Rückganges ans die Ausweisung polnischjüdischer Händler zu setzen ist. Aber der Am heil ist nicht gering zu veranschlagen, und wenn diese für den KönigSberger Handel so unheilvolle Maßregel nicht bis zum Herbst zurückgenommen wird, so sicht leider zu befürchten, daß das Königsberger Geschäft dauernd schwer geschädigt bleibt. Oestcrreich-U ngarn. T. Salzburg, 16. Juni. Die hier tagende Hauptversammlung des Deutschen SchnlvereinS war sehr zahlreich von den Ortsgruppen aus allen Theilen Oesterreichs durch Dclcgirte beschickt worden und nahm unter regster Theilnahme einen feierlichen Verlauf. Die Äcnßerungcn, welche von judenfeindlicher Seite gemacht worden waren, durch das verheerende Gift des Rassen- und Rcligionöhasscs die Kreise des Deutschen Schul- Vereins zu insiziren, nahmen ein klägliches Ende. Der Präsident Di׳. Weit!os sagte in seiner ErösfnungSrede über die antisemitischen Bestrebungen 11. A. aoI־ gendeS: Mit einer in der EntwickelungSgcschichte der Menschheit ganz merkwürdigen Unduldsamkeit will an manchen Orten die Förderung einer gemeinsamen, nur durch die Anspannung aller verfügbaren Kräfte zu bewaltigenden Arbeit dadurch hcrbeigcsührt werden, daß die Zulassung zu derselben von einer Glaubens- oder Abstammungsfrage abhängig gemacht wird. Wir aber glauben, nach dem Vorbilde Friedrichs dcö Großen Jeden nach seiner Fal׳on selig werden lassen zu sollen, wenn er nur im Schnlvercin seine Schuldigkeit thut. Diesen Gesichtspunkt haben wir ernst und unerschütterlieh fcstgehalten, als zu verschiedenen Zeiten Bewegungen gegen die Theilnahme der Antisemiten an den leitenden Organen deö SchnlvereinS zu Tage getreten sind. Diesen Standpunkt halten wir aber auch fest, wenn nunmehr von anderer Seite versucht wird, den Zankapfel des Antisemitismus selbst in den Schnlvercin hineinzutragen. Seit Jahren haben wir uns bemüht, den Schnlvercin in jenem Geiste zu erhalten, in welchem wir zu dessen Leitung berufen wurden, als eine rein nationale Schöpfung, als einen Sammelpunkt aller Deutschen und ihrer Freunde, ohne Rücksicht ans jeden Pacteistaudpnnkt. Konnten aber all diese Bemühungen nicht verhindern, daß der Friede in unserem Vereine gestört wurde, so konnten und durften wir dem vollzogenen FriedcirSbrnche nicht mit schwächlicher Nachgiebigleit begegnen, sondern mußten demselben in getreuer Erfüllung der uns durch unsere Satzungen und unsere Ueberzenguug auferlcgtcn Pflicht mit aller Entschiedenheit entgcgeutretcn." AnS dem Beifallssturm, den diese Erklärungen des Präsidenten heroorrief, konnten die anwesenden Antisemiten entnehmen, daß sie in der Hauptversammlung wenig Aussicht für die Befriedigung ihres gehässigen Gelüstes finden möchten. Der Antrag einer Ortsgruppe auö Obcrösterrcich, welcher israelitische KnltnSschnlcn von den Benisizieu dcS Vereins anSgeschlossen wissen wölkte, wurde unter lebhaften Bravornscn zurückgezogen. Dagegen fand aber" eine sehr