Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 25 (24.6.1886)
- Article
- Über die Juden in Russisch-Zentralasien
- Date
- 1886-06-24
- Page
- 389 (sequence 2)
- Language
- German
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389 Orten sich auffjaltcnbcn Juden beisteuerten. Auch einzelne Nichtjuden spendeten ihren Beitrag zu dem frommen Werke, so daß man mit dem Bau beginnen konnte. Derselbe gerieth jedoch in Stocken, weil die Gelder nur noch spärlich cinlicfen und leider auch Uneinigkeiten wiederum sich geltend machten. Die beiden genannten Vorsteher legten ihr Amt nieder. An ihre Stelle traten die Herren S. A. L. und S. A. K. Die Einigkeit wurde wieder hergcstcllt und man rüstete sich von Neuem zum Werke. Aber in der Kasse herrschte Ebbe. Der unermüdlichen Thatigkeit und aufopferungsvollen Hingebung gelang cS jedoch aller Schwierigkeiten endlich Herr zu werden 1111b den Gau rüstig zu fördern, so daß endlich zum 16. Ellul 5645 die Einweihung der Synagoge feierlich vorgenonuncn werden konnte. Man sieht cS dem Berichte des Herrn Krutik au. welche innige und freudige Befriedigung die Gemüthcr alle ob des endlich Gelungenen empfanden. Er giebt eine eingehende Beschreibung der EinweihungSscierlichkeitcn, an welcher auch die übrige Bevölkerung lebhaften Anthcil nahm. Und wahrlich, es ist wohl begreiflich, was in den verschiedenen Reden, die zur Weihe des erhebenden Augenblicks gesprochen, als Ausdruck der ernst und freudig, bewegten Herzen sich kund gab. Der Dank gegen Gott, der den aus weiter Ferne in die asiatischen Steppen gekommenen jüdischen Kricgsleuten hier eine friedliche Wohnstätte bereitet und ihnen das Wohlwollen der Negicrung und der übrigen Bevölkerung gewährt, auf daß sic als sichtbares Zeichen ihrer Treue für die heilige jüdische Religion diesen schönen und würdigen Ban der jüdischen GotteSverehrnng heute weihen konnten. Hierauf erfolgte der Vau einer Mikwe, und cs entwickelte sich ein von frommem Sinne getragenes Leben, so daß, wie Herr ft'rutif mit Stolz hervorhcbt, die Gemeinde sich andern frommen jüdischen Gemeinden würdig zur Seite stellen kann und sich auch au ihr des gottbegeistcrtcn Sängers Wort bewahrheitet: Die in Thränen säen werden im Jubel ernten. In Wjcrnoe sind jetzt alle Gemeindcinstitutioucn in völlig gesctzcnlsprcchender Weise vorhanden: Synagoge, Mikwe, Schechita. Mohcl. Vierundzwanzig der jüdischen Familienväter sind thcils ausgediente, theilS noch aktive Soldaten und elf gehören den! Bürgcrstande an. Zwei jüdische Ncrzte, i!n hohen Ansehen stehend, leben außer jeglichem religiösen Verkehr mit den andern Juden und tragen auch zu den Gcmeindclastcn nicht bei. Der Bericht schließt mit der Bemerkung, daß die Inden des russischen ZeulralasienS sich eines vcrhältnißmäßigen Wohlstandes erfreuen. Reichthum ist bei ihnen nicht zu finden, aber auch keine bittere Armntl). Sie sind durchweg aufrichtig fromm in-Gesinnung und Handlung, zeichnen sich durch strenge Rechtschafscnheit in Hart bei und Wandel aus und genießen der vollen Achtung der Behörden und dcrMitbevöllcrung. Ihre Kinder erziehen sie zu Frömmigkeit und Arbeit In den ersten Lebensjahren erhalten sie Unterricht in den hebräischen Fächern und der russischen Sprache. Spater besuchen dieselben die öffentlichen russischen Schulen. Sie leben im Allgemeinen hier ruhiger und friedlicher, als ihre Glaubensgenossen im eigentlichen Rußland. a Jus kt?,«,.jta&niiitr Gmmdt 1795-1812. (Fortsetzung.) 2(111 9. Februar sind zum Kultusminister entboten worden: כ״ה ,פו״ם ב״ה אברהם בז ר׳ אהרן פדינץ חנה בן כ״ה מאיר ווינר .בענדיט בן כ״ה משד. פריגץ und ב׳ ליזר בן ב״ה אייזק ווינג, die drei erstgenannten erschienen. Der Minister sprach mit ihnen darüber, daß cS nicht schön sei, daß sie am jüngsten Samstag bei der Abkündignng der zweiten Publikation des Oberrabdiners ״Bravol" gerufen, daß solches nur zur Erwccknng von Unruhen führen könnte. Er bat sie, da sie zur Partei dcS ObcrrabbinerS gehörten und sehr gute Freunde von diesem seien, den Obcrrabbincr zur Mäßigung zn bewegen und ihn zur Nahe zu stimmen, mit in der gegenwärtigen Zeit nicht so streng vorzngehen. Sie haben dem Minister geantwortet, daß ר, אברהם פריגץ an jenem Sabbath nicht in der Synagoge gewesen, die anderen beiden wohl, aber wer könne und würde nicht Dem znjanchzcn, was durch' einen so gelehrten Mann für Recht befunden wird. Und was die Bitte betreffe, den Oberrabbiner zur Mäßigung zn bewegen, er strebe und trachte nichts 2lndercS zu thun, als allein die wahren jüdischen Gesetze unserer Vorfahren zu handhaben. — Der Minister hat sich init ihnen auch über 2lngclcgcnheiten von geringerer Bedeutung unterhalten, und sie sind mit allen Ehren von ihm entlassen worden. Ich mag nicht unerwähnt lassen, daß diese Einladung auf Ändringcn des Chefs C. Asser erfolgt ist. Am 10. Februar hat da« Konsistorium Bericht erhalten, daß unsere rituellen Gebräuche in Kraft bleiben. Samstag, 11. Februar, ließen Parnassim im Namen des Ministers und des Konsistoriums in allen Synagogen abknndigen, daß sich Niemand mehr erlaube, bei Publikationen von Parnassim, des Oberrabbiners oder des Konsistoriums Unruhe zu machen oder Einleitung zn aufrührerischen Gesprächen zn geben, bei Straft, laut 2lrt. 85 der fünften 2lbtHeilung des Strafgesetzbuches, von fünf Jahren Einschließung im NasphuiS (Zuchthaus) oder sechs Jahren Verbannung. 21» demselben Tage erhielt auch der Oberrabbiner ein Anschreiben des Kultusministers, daß die alten