Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 24 (17.6.1886)
- Article
- Amerika : Cincinatti [Nachricht]
- Date
- 1886-06-17
- Page
- 380 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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380 unter Direktion des Herrn Wise stehende, ausgesprochen der Reform huldigende, ist im Anfänge von den Gründern als eine Nothwendigkeit gerade wegen der Cineinnatier Reform hingestellt, bald darauf aber höchst unschuldig mit der Motivirung gleichsam entschuldigt worden: Amerika sei groß genug für zwei Nabbiuersemiuarc, habe der Westen ein solches in Cincinnati, so könne der Osten ein solches in Newhork besitzen. Das hätte Wise schwerlich gethan. Bei der in Newyork kürzlich stattgefundenen Nabbiner-Versammtung hat der Präsident, Herr Rabbiner Gut heil, die fremden Amtsbrüder bei sich zu Tische gebeten und dabei ausdrücklich betont, das; das Mahl ganz koscher sein werde. Ist das nicht bezeichnend? Nun hat Herr Wise. als der anerkannte Führer der amerikanischen Reform, zum 28. Juni eine Nabbinerkonferen; hier veranlaßt. An derselben werden natürlich die famosen Pittsburger, ebenso die Herren Rabbiner des Südens in corpore theilnehmen. Höchst diplomatisch ist auch ein Meeting der Wissenschaftlichen Rabbiner-Bereinigung, wobei Herr Wise ebenfalls belhciligt ist, zur selben Zeit in Eineinnati angesetzt, und endlich werden die Deputirten der Sabbaihschuleu hier tagen. Cincinnati wird also im letzten Viertel dieses Monats ein Wallfahrtsort für jüdische Neverends werden, und in seinen Straßen wird es von Rabbinern wimmeln. Herr Wise wird es gewiß verstehen, diese von ihm fein berechnete Beranlassnng zu benutzen, um seinen destruktiven Bestrebungen ein weites Feld zu bereiten. Er wird es nicht minder verstehen, sich mit neuem Glanze zu umgeben. Eineinnati wird über Newyork siegen.-Wir gehen wirklich trostlosen Zuständen entgegen. Das Judenthnnl könnte in Amerika zu einer ungeahnten Blüthe gelangen, es kömiten in diesem gesegneten freien Lande jüdische Gemeinden entstehen, in welchen echt jüdisches )?eben mtd Wissen gepflegt wird, aber-Gott erwecke unter uns den rechten Mann, der es versteht, in Treue und Ernst uns zum Guten und Wahren zu führen!! Philadelphia Der ständige M. L. G.* Korrespondent des ״Ameriean Israelite" legt in der Nr. 48 dieses bedeutenden Organs der Reform ein Bekenntniß von der Hohlheit und Nichtigkeit der Reform ab, welches um seiner Ausrichtigkeit willen alle Beachtung verdient. Wenn Herr M. L. G. in Nochester solches schreiben und Herr Isaak Wise in Eincinnati solches veröffentlichen mag, dann ist der Stab über das gewissenlose, durch die and Europa eingewanderten sich in Amerika als Rabbiner anfspielcnden Männer in Szene gesetzte Treiben gebrochen. Es ist ein schamloses Spiel mit dem Heiligsten, das sic ansführen. Dieses Selbstbekemttniß hat Herr M. L. G. allerdings nicht zur Rückkehr zur Wahrheit geführt; er träumt vielmehr noch immer einen Traum von einem glorreichen zukünftigen amerikanischen Indenthum, welches von den in Amerika selbst geborenen und ansgebildeten Rabbinern, natürlich in der famosen Cineinnatier Nabbinerschule, begründet werden wird. Sonderbarer Schwärmer! — Wohl gemerkt, Herr Isaak Wise ist auch ein europäischer Emigrant; die Anonymität des Herrn M. L. G. in Nochester wollen wir nicht lüsten. Also Herr M. L. G. schreibt und Herr Wise druckt u. A. Folgendes: Das alte Iudenthum haben sie, die Reformer, thatsächlich weggeworfen, aber wirklich lebenskräftiges Neues nicht an seine Stelle gesetzt. Die Rabbiner lassen sich von eigensüchtigen Zielen leiten, suchen ihr eigenes persönliches Interesse zu fördern. Sie verstehen wohl Andern zu predigen, in ihnen selbst steckt aber nichts von gutem Willen und Opferfähigkeit; sie sind die allerletzten, solche Tugend zu üben. Deshalb scheint es kein anderes Mittel zu geben, als dasjenige, welches MoseS angewendet: die europäischen Rabbiner müssen vierzig Jahre in der Wüste bleiben und dort untergehen, einige amerikanische Iosuas werden dann die Netter sein! — Oie Laien sollten zu ihren Rabbinern sprechen:. Fürs erste gebrauchen wir keine Reform mehr, wir haben deren jetzt genug. Führt Ihr uns also weiter, so gelangen wir zu einer völligen Auflösung und Verwilderung. Ihr habt uns seit dreißig Jahren Tempel׳ Reformen gegeben, aber unfern Kinder leine Religion gelehrt. Mit dem Zeitgeiste seid Ihr geschritten, aber den Geist des JudenthnmS habt Ihr ertödtet. Die Prinzipien der Humanilät, von denen Ihr soviel geredet, sind gerade so weit gut wie sie reichen, aber sic reichen nicht weit. Es fehlt die Gottesfurcht! Eure philosophischen Spekulationen können wir nicht gebrauchen; wir gebrauchen Religion. Mit Miseren Kinder habt Ihr experimentirt, Eure Experimente sind mißlungen. Wir sind Eures Lobes müde, denn es ist nichts zu toben. Wir sind des Pompes und der Krokodilsthränen an den KonfirmationStagen niitbe! — Dies der Inhalt des Bekenntnisses von dem Bankerott der vielgepriesenen amerikanischen Reform, abgelegt von berufener Seite. Die Herren von der Neforul, die dergestalt in optima forma den Konkurs der Reform und ihren eigenen erklären, wird es natürlich zu schwer, nunmehr den ehrlichen und graden Wcg zu beschreiten, den ganzen Plunder der Reform über Bord zu werfen, der Lüge Valet zu sagen und zu der einzigen jüdischen Wahrheit, dem alten Judeuthum in Aufrichtigkeit und Treue zurückzukehren. Sie meinen, es ans andern Wegen versuchen zu können und wollen trotz der totalen Insolvenz das Neformgeschäft mit anderen ebenso schwindelhasten Fonds fortsetzen. Darum vereinigen sie sich in der Metropole der amerikanischen Reform, in Cincinnati, um auf Mittel und Wege zu sinnen, wie die Lüge und die Thorheit — über andere Kapitalien verfügen sie nicht