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Jeschurun · 1886-06-17 · Heft 24 (17.6.1886) · p. 378

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 24 (17.6.1886)
Article
Deutschland : Berlin [Nachricht]
Date
1886-06-17
Page
378 (sequence 2)
Language
German
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379 ist es gelungen. Weß das Herz voll ist, deß läuft der Mund über. Die Petenten nennen die jüdische Schlacht- Methode einen ״ehrwürdigen Brauch, der zunächst nur humane Zwecke verfolgte," um diesen ehrwürdigen, aus humanen Beweggründen hervorgegangcnen Brauch dann aber mit Hexcnprozessen auf eine Linie zu stellen! Also sind diesen zart besaiteten Seelen die Hexcnprozcsse noch ״ehrwürdige" Bräuche, die ״humane Zwecke" verfolgen! Das ist doch wahrlich seltsam und zeigt eine eigenthumliche Auffassung der Humanität! Uns will dedünken, daß die berüchtigten Hexenprozesse mit allen Anderen, nur nicht mit Humanität in irgend welchen Zusammenhang gebracht werden können. Die fanatische Wuth und alle Bestialität, welcher nur immer der entartete Mensch fähig ist, vereinigten sich in den Hexen- Prozessen zum Morden und Brennen. Wenn inan unter Fanatismus die rücksichtslose Geltendmachung eines Gedankeus verstehen will, und unter Inhumanität die Verlctzung der berechtigten Gefühle Andersgläubiger und die Vcrkümnreruug des Lebensgenusses seiner Mitmenschen zu bezeichnen geneigt ist, so dürfte vielmehr für diese Petition mutatis nmtandis die Heranziehung der .Hexenprozesse zur Vergleichung geeigneter erscheinen, wenn denn diese letzteren hierbei mit zur Sprache gcbracht werden sollen. Die Bittsteller werden gewiß nicht in Abrede nehmen wollen, daß sie der rücksichtSlosen Verfolgung der Zwecke des Thierschutzes entspringt und keine Rücksicht auf die Israeliten ninunt, denen dadurch der Genuß der Fleischnahrung entzogen wird. 6. Berlin, Juni. Im Monat April fanden 2003 Eheschließungen statt. Bei l 742 Eheschließungen waren Mann und Frau gleicher Konfession, und zwar waren 1663 evangelische, 31 katholische, 48 mosaische Paare. Evangelische Mischehen waren 112 mit 101 katholischen. 9 mosaischen, 2 dissidenten Frauen. Katholischt Mischehen waren 133 mit evangelischen Frauen, mosaische Mischehen waren 14 mit evangelischen Frauen. 2 Dissidenten ehelichten evangelische Frauen. H Würzbnrg, 11. Juni. Ein alter Advokat, der hier die allgemeinste Achtung genoß, ist gestorben. Es ist dies der kg-l. Rechtsanwalt Dr׳. Abraham OhlcSheimer. Das Leichenbegüngniß fand unter starker Äctheiligung statt. Der Verstorbene setzte letztwillig das israelitische Kranken- und Psründncrhaus dahier zum Universalerben seines nicht unbcträglichen Vermögens von oiL 70,000 ein. Außer kleineren Legaten gedachte derselbe in seinem Testament insbesondere auch der hiesigen städtischen Armen aller Konfessionen mit 900 JL Dieser Akt des fast als Sonderling erschienenen Mannes verdient ganz besondere Anerkennung und ist für die genannte Anstalt um so erfreulicher, als dieselbe dadurch in ihrer Existenz und Wirksamkeit fast vollständig gesichert ist. Durch dieses großartige Vcrmachtniß hat sich der Verlebte in hiesiger Gemeinde das schönste Denkmal gesetzt. Möge er viele Nachahmer finden, e. *** Fürth, 10. Juni. Das ״Fürther Tagebl." berichtet: Gestern Nachmittag hatte ein schulpflichtiges Knäbleiu das Unglück, nächst dem Fronmüllcrssteg in die Rednitz zu fallen. Schon schwebte sein Leben in äußerster Gefahr, als plötzlich Herr Rabbiner Dr. Neubürger, der des Weges daherkam, in den angcschwottenen Fluß sich stürzte und mit eigener Lebensgefahr das dem sichern Tode geweihte Kind deu Wellen entriß. Oesterreich-Ungarn. (4. Wie«, 11. Juni. Unsere antisemitischen Heißsporne im ReichSrathe gcberden sich immer wüthiger. Nach der sattsam bekannten Methode müssen die Juden bei jeder Gelegenheit als Prügelknabe herhalten, so daß sich der Abgeordnete Herr von Plener veranlaßt sah, heute etwa Folgendes darüber zu sagen: ״Ich begreife es nicht, wie der Herr Präsident einen solchen Ton, wie er hier gegen eine Konfession seit einigen Monaten geführt wird, einreißen lassen konnte. Das Auftreten der Antisemiten vereinigt sich nicht mit der Würde des Hauses." In Folge dieser Aeußerung brach ein wahrer Sturm los. Der tapfere Ritter von Schönerer rief: Mau werde die Judenfrage mit den Fäusten zu lösen wissen! Hierfür wird er zur Ordnung gerufen. Nun aber geberdeten sich die Antisemiten in einer Weise, welche jeder Vorstellung spottet, so daß der Präsident Herr Dr. Sinolka erklärte: er bedaure, daß die in der Geschäftsordnung vorgesehenen DiSziplinarmittel, solchen Austritten gegenüber za schwach seien. Es sei deshalb am Gerathensten, den antisemitischen Abgeordneten gar keine Beachtung zu schenken. — lieber die vorgestrige Rede des antisemitischen Abgeordneten Türk schreibt die ״N. f. P.": ״Der Abgeordnete Türk ist Antisemit. Wenn der selige Faust, nachdem er den Trank aus der berühmten Phiole geschluckt hatte, Helena in jedem Weibe sah, so sicht der Abgeordnete Türk, ohne das wir darüber informirt sind, was er vorher geschluckt hat, überall Juden. Wir glauben, daß, wenn er an das Himmelsthor pochen und ihm der heilige Pctruö nicht ausdrücklich versichern würde, daß den Juden der Eintritt in das Paradies verboten, so würde er sofort uiukehren und das Fegefeuer vorzichen. Die Pctrolcumfragc ist ihm nichts Anderes als eine Judenfrage. Die großen Juden kämpfen gegen die kleinen Juden. Wenn der Abgeordnete Türk für die RegievungS- Vorlage stimmt, so wirkt er für die großen Juden; wenn er für den Antrag des Abgeordneten Sneß, der selbstverständlich auch durch und durch verjudet ist, stimmt, so wirkt er für die kleinen Inden. Eine grausame Alternative! Es ist nur merkwürdig, daß der Abgeordnete Türk sich schließlich doch für die großen Juden ent-

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