Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 24 (17.6.1886)
- Article
- Die Verjudung des Antisemitismus in Ungarn [Rezension]
- Date
- 1886-06-17
- Page
- 373 (sequence 2)
- Language
- German
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373 Rechte man das Volk Israel in erster Reihe derartiger Praktiken nnd unsauberer Handlungen bezichtigt. Um des Himmels Willen, warum sind Sie denn eifriger Antisemit, Verehrtester? Auf diese Frage wird uns freilich keine Antwort. Wohl aber theilt uns Nittner mtt/) daß auch der deutsche Antisemitismus zumeist als Ge sch ä ftssa che auSgebentct nnd deshalb ״absolut unfähig ist, aus dem Kampfe gegen das Judenthum siegreich hervorzugehen?' Er klagt, daß Männer, welche nicht ״Bankerotteure, Wechselschwindler, getaufte Juden oder Spekulanten zweifelhaften Rufs" sind, von den Antisemiten in Stich gelassen werden. Von Stöcker sagt er/) daß er sich ״in seinem Feuereifer für die gerechte Sache", ״gelinde gesagt, Uebereilungen hat zu Schulden kommen lassen", nnd daß׳'') Männer wie Wilhelm Marr ״aus Ekel vor der eigenen Partei nnd ihren Führern die Flinte ins Korn geworfen haben", sowie daß der ganze Antisemitismus von heute nichts Besseres verdient ״als über Bord geworfen zu werden". Er konstatir/) ״die totale Demoralisation des ungarischen Antisemitismus", dessen System Unrcellität sei. Trotzdem hat Herr Rittuer seine Feder in den Dienst dieses ungarischen * Antisemitismus als Mitredaktcur des ״Westungarischen Grenzboten" gestellt!! Er schildert die Führer desselben׳') als Schwindler, Herrn von Simonyi") als brutalsten, herzlosesten Egoisten von schwachen geistigen Anlagen, der nichts Rechtes gelernt hat. Der ״Wcstuugarische Grenzbote", das Organ des blutdürstigsten Judenhasses, habe׳) Inden, nämlich Di׳. Schiller, Dr. Deutsch und Ludwig Neumann, zu seinen ersten Theilhadern und Mitarbeitern gezählt. Der Letztere habe auch, nachdem der ״Greuzbote" des Herrn Simonyi ״aus Gcschäftsrücksichten umgesattelt hatte" und wüthenv antisemitisch geworden, unter dem Pseudonym ״Saulus" noch ferner mitgearbeitet und die berüchtigte ״Neue Epistel an die Ebräer" verfaßt. Dieser selbige Jude Ludwig Neumann stehe noch heute in Simonyi'S Dienste und schreibe auch nebenher für philosemitische Blätter!! Interessant ist auch, was hier von dem Kongreß der Alliance antijuive universelle, welchen Herr Ernst Schmeitzner am 6. Februar 1883 nach Chemnitz einbericf, erzählt wird. Simonyi hatte sich allerdings als ein trivialer Schwätzer gezeigt, trotzdem wurde er") ״ans Höflichkeit stürmisch begrüßt und applandirt"!! Nittner zeiht ihn gradezn einerbei diesem Kongresse verübten Unredlichkeit. Er lebe nur vom Antisemitismus, genau so wie sein deutscher Kollege von der ״Deutschen l) Seite 2. -) Seite 3. ג) Seite 4. 4) Seite 9. b) Seite 13. «) Seite 14. ־*) Seite 16. H) Seite 24. Reform" und der ״Deutschen VolkSzcitung".י) Er steht nach Rittner') ״nicht höher wie der schmutzigste Bänkeljude". Sein intimer jüdischer Freund Ludwig Neumann') war noch anständiger und charaktervoller als er. Außer Nittner, Neumann und anderen ehrenhaften Literaten gleichen Schlages arbeitete auch ein getaufter Jude, Max Rümplcr, an dem ״Grenzboten" unter Simonyi. Dieser Konvertit bekennt von sich/) daß er ein Schurke sei. Nittner schildert ferner den Advokaten und Freund Simonyi'S, Herrn von FabriziuS in Preßburg. als einen Ausbund von Schlechtigkeit. Es widert uns an, eine weitere Blumenlese aus dieser Nittner'schen Schrift vorzunehmen. Eine nette Gesellschaft ist es, in welche wir cingeführt werden. Mögen die Herren sich darüber streiten, wem die Krone gebührt. Und diese Herren crdceisten sich, gegen die Juden aufzutreten, und dem Volke im Namen der Moral und Ehre einen Krcuzzug gegen da- Jndcnthum zu predigen. Wir haben keine hohe Meinung von der Tugend des Antisemitismus gehabt, einen solchen Pfuhl von Gemeinheiten, in welchen einer seiner Kämpen uns hier blicken läßt, haben wir uns aber nicht als Wohn- und Brutstätte desselben vorstcllen können. Wer die Inden in |»uf/lfd;־Jcntraloficn. Der Redaktion der zu Warschau erscheinenden hebräischen Zeitschrift ״Hazesira" ist von Herrn Salomon Krutik, einem seit einer langen Reihe von Jahren in Zentralasien, und zwar zu Wjcrnoe, wohnenden angesehenen Manne ein Bericht über die dortige jüdische Niederlassung in russischer Sprache zugegangen, aus dessen hebräischer Uebersetzung die folgenden Daten entnommen sind. Als in den Jahren 1847/48 ein stetiges, allmaliges Vorrücken Rußlands in Zentralasien anhob, kamen auch jüdische Soldaten in diese Gegenden, und von den jüdischen Kantonisten, d. i. den schon in früher Jugend zum Militärdienste Eingezogenen, wurden Manche hier angesiedelt. Wenn diese auch begreiflicher Weise nur geringe jüdisch-religiöse Bildung besaßen, so hatten sie doch ihrer angestammten Religion Liebe und Verehrung sich bewahrt. Die mäßige und aus verschiedene Orte sich erstreckende jüdische Niederlassung gedieh aber durch Fleiß, Geschicklichkeit und Rechtschaffenheit. Die Leute waren meist Militärhandwerker: Schneider, Schuster u. dergl. und erfreuten sich des Wohlwollens ihrer Vorgesetzten, die ihnen gern die Beobachtung der *) Seite 26. -) Geste 32. נ) Seite 41. 4) Seite 47.