Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 24 (17.6.1886)
- Article
- Pirqe avot
- Date
- 1886-06-17
- Page
- 372 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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372 חבר רע sind nicht nur unserer sittlichen Reinheit so gefahrbringend, daß wir sie uns nicht zu eigen machen, uns ihnen nicht anschließen dürfen, sondern יתרחק ממנה, fern haben wir uns von ihnen zu halten, haben Alles zu meiden, was den Charakter unseres ״Auges״ und unseres Herzens trüben und uns schlechtem Genossen und schlechtem Nachbar näher bringen könnte. הלוה ואינו משלם, der Gegensatz zu dem gedankenvollen LebenSernst, der bei jedem Schritte der Folgen bedacht ist, wird als לוה ואינו משלמ, als der gedankenlose Leichtsinn gezeichnet, welche ungeheure ״Schuld" jede Pflichtversäumniß und jede Pflichtwidrigkeit auf uns lenkt. Alles, was wir von der Welt empfangen, — und zu jedem Athemzuge steuert ja das ganze Weltall eine unnennbare Summe von Spenden —, ist uns nur ein geliehenes Gut, um damit diejenigen Zwecke zu verwirklichen und diejenigen Ziele anzustreben, womit nach dem von Gott geoffenbarten Willen von uns das Heil seiner Welt gefördert und vermehrt werden soll. Keiner ist für sich da, und je mehr Jemandem verliehen worden, um so größer ist seine Verpflichtung, um so größer die Summe der Leistungen, die von ihm erwartet werden. Wer daher gedankenlos in die Welt hinein lebt, von keinem Gesetze, von keiner Pflicht weiß, nur sich, seinen Neigungen und׳ Wünschen lebt und sie aus Kosten seiner Mitwelt befriedigt, ohne an die von ihm erwartete Gegenleistung, für die ihn Gott geschaffen hat, zu denken, der häuft mit jedem Athemzuge eine Schuld auf sich, die innner größer, immer drückender wird, je länger er lebt und je mehr er genießt, und geht als größter Gottes- und Weltschulduer einem LebcnSbankerott entgegen, dessen Verantwortung zu Boden drückt. Der dem רואת את חנולר entgegengesetzte gedankenlose Leichtsinn läßt sich nicht treffender als לוח ואינו משלם ausdrücken. צדיק הונן ונותן, der Gerechte, der seiner Pflicht, und nur seiner Pflicht lebt, nur Gott und seiner Welt ״gerecht" werden will, je bescheidener seine Glücksstellung ist, je weniger er an Gütern und Freuden aus der Welt empfange׳.. und empfängt, um so mehr bleibt ihm die Welt schuldig und als anspruchörcichster Weltgläubiger scheidet er meist aus der Welt. (Fortsetzung folgt.) ״Jit Vcrjudrmg des Antisemitismus in Ungarn" ist eine Schrift betitelt, welche ein Herr C. H. Nittner im Verlage von Hermann Riscl & Comp.. Hagen i. W. 1886, hat erscheinen lassen. Dieselbe ist den ״verehrten Gesinnungsgenossen" des Verfassers, den Herren Ernst Schmeitzner in Chemnitz und Wilhelm Marr in Hamburg gewidmet. Der Verfasser hofft von ihr, daß sie dazu beitragen möge, ״Licht in die Verjudung des Antisemitismus in Ungarn wie in Deutschland zu bringen; denn leider ist eS in Deutschland nicht viel besser, wie in Ungarn." Der Verfasser ist dcingemäß ein strammer, in der Wolle gefärbter Antisemit. Cs erklärt sich aus diesem Umstande die eigenthümlich'e Auödrucksweise, welche mit ״Verjudung" die höchste Potenz des Gemeinen, Schurkenhaften und Niederträchtigen bezeichnet. Wir wollen darüber mit dem Herrn Nittner um sa weniger rechten, als er in seiner Broschüre Schurkerei und Niedertracht an christlichen Antisemiten demoustrirt und sich hierin ״mit dem bewährten Antiseniitm Wilhelm Marr vollständig eins" weiß. Herr Nittner, StrafanstaltSdircklor a. D, ist einer der eifrigsten Mitglieder der Autisemitenpartei. Er arbeitete in hervorragender Weise nach einander an der in Dresden erscheinenden ״Deutschen Reform", an E. SchmeitzncrS ״Internationale Monatsschrift zur Bekämpfung deS IndenthnmS" und an dem ״Westungarischen Grenzboten". Er ist demnach ein völlig kompetenter Beurtheiler des Antisemitismus, den er doch gründlich kennen muß. Es liegt unö fern, irgend welches Urtheil über den häuslichen Zwist Nittner- Simonyi nach der Richtung hin fälleu zu wollen, wer hier im Rechte sei. Herr Nittner wird auch schwerlich auf unsere Ansicht hierüber Gewicht legen. Andererseits rann cs uns auch ziemlich kalt lassen, ob Herr Nittner oder Herr Iwan von Simonyi der dunkle Ehrenmann ist. Wenn aber zwei Freunde unb BundeSbrüder einander in die Haare fassen und ihre schmutzige Wäsche aus das Forum tragen, so erlangt man oft einen interessanten und lehrreichen Einblick in gewisse sonst ängstlich bchütetc Heimlichkeiten, und die Wahrheit oder doch ein Theil derselben kommt zur allgemeinen Kunde. Lassen wir also die uns gar nicht berührende Streitfache, ob und in wie weit Herr Nittner von Herrn von Simonyi betrogen, hintcrgangen und iusultirt worden ist, auf sich beruhen und beschränken wir uns nur darauf, aus dem hier gebotenen überreichen Material Einiges fcstzuhalten, welches über das antisemitische Getriebe ein nicht unwillkommenes Licht zu verbreiten geeignet ist. Herr Nittner, ein Mann von unzweifelhaft unverfälschtem Antisemitismus, kann als klassischer Zeuge gegen den Antisemitismus betrachtet werden. Wunderbar, dieser stramme Antisemit, welcher') unter ״Verjudung" Eutsittlichlmg, das Bestreben auf Kosten Anderer sich arbeits- und mühelos zu bereichern. Kontraktbrüchigkeit, schwindlerische Sovhistik, frivole Rücksichtslosigkeit und Betrug versteht, läßt eS^) dahin gestellt, mit welchem f) Seite L -) Seite 2.